Das Wirtschaftszentrum der Luberon Region und Welthauptstadt der kandierten Früchte: Apt.
Die Kleinstadt mitten im Tal des Calavon zwischen dem Plateau de Vaucluse und dem Bergzug des Luberon wird oft übergangen bei den vielen für den Luberon so charakteristischen pittoresken Dörfchen. Dabei beeindruckt ehemalige römische Stadt mit ihrem ganz eigenen Charme und ist unverzichtbar in der Region des Luberon.
Geschichte
Apt war eine wohlhabende römische Kolonie, die von Julius Caesar 45 v. Chr. an Stelle einer früheren Stadt als „Colonia Julia Apta“ neu gegründet wurde. „Apta Julia“ war zu dieser Zeit bereits wirtschaftlich von Bedeutung, denn sie lag an der „Via Domitia“, der alten Römerstraße, die Italien mit Spanien verband und entsprechend für den wichtigen wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen zwischen Rom in den Südwesten genutzt wurde. Die Kolonie wurde zur Hauptstadt der 24 römischen Kolonien „Gaule Narbonnaise“ und war von entsprechender Bedeutung des Römischen Reiches. Zudem soll hier Julius Caeser bei seiner Rückkehr von den spanischen Feldzügen Halt gemacht haben und dem Ort sein heute noch im Wappen zu findendem Schwert und Gürtel aus Dankbarkeit vermacht haben. Ausgestattet mit Forum, Triumphbogen, Theater, Thermen und Tempeln, florierte die Stadt unter seiner römischen Herrschaft und umfasste 150 n.Chr. bereits beinahe stolze 10.000 Einwohner. Im Vergleich: heutzutage zählt Apt etwa 11.000 Einwohner.
Nach der römischen Herrschaft wurde die Stadt jedoch mehrfach zerstört und verwüstet, bis im 9. Jahrhundert der Graf von Apt wieder die Kontrolle erlangte. Er setzte eine neue politische Ordnung durch und umgeben von hohen Mauern lebte die Stadt erneut auf. Die ehemalige Kolonie erholte sich von den unruhigen Zeiten in der Region des Luberon, die Bewohner kehrten aus den Höhen des Luberon in das nun wieder sichere Tal zurück und die Stadt wurde Zentrum handwerklicher Geschicke. Im 14. Jahrhundert profitierte Apt vom Papsttum in Avignon und überzeugt Papst Urban V. 1365 beim in Apt abgehaltenen Regionalkonzil mit seinen kandierten Früchten. Dadurch wurde Apt auch Mittelpunkt des religiösen Lebens im Luberon und wurde durch kirchliche Regeln geleitet. Schon zu römischen Zeiten eng mit den umliegenden Bergdörfern verbunden und als eine Art regionale Hauptstadt angesehen, führte das klare Bekenntnis und Repräsentation der katholischen Kirche in Apt zum Mittelpunkt der Auseinandersetzungen mit den Waldensern im 16.Jahrhundert. Zahlreiche Belagerungen seitens der Reformierten waren im blutigen Bürgerkrieg im Luberon die Folge. Ebenfalls schwer traf die Stadt zu dieser Zeit die Pest, unter der sie besonderes litt und zahlreiche Opfer in unzähligen Pestepidemien über mehrere Jahrhunderte hinweg zu beklagen hatte.
Nach einem bewegten Mittelalter und lebhaften Renaissance erlebte Apt im 17. und 18. Jahrhundert einen Aufschwung seines intellektuellen Lebens und wurde Heimat einiger Gelehrter. Von hier aus entwickelte sich Apt aus seiner religiösen Beflissenheit heraus und nahm schnell die Grundsätze der Französischen Revolution an.
Heute ist Apt Wirtschaftszentrum der Region und Standort zahlreicher Industrien. Von Eisen- und Ockerförderung über Wachsfabriken bis hin zur Produktion von kandierten Früchten ist Apt seit römischer Zeit Mittelpunkt des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Region.
Kathedrale Saint-Anne
In der Altstadt findet man so einige bemerkenswerte Gebäude, Plätze und Brunnen vergangener Zeit.
Ganz besonders ist dabei die Kathedrale Saint Anne, die Zeuge beeindruckender provenzalischer Kirchenbaukunst ist. Sie enthielt Reliquien der heiligen Anna, der Großmutter Jesu, die von Kreuzfahrer in die hiesige Krypta überbracht wurden. Diese bereits im 11. Jahrhundert erbaute und bis ins 17.Jahrhundert immer wieder ergänzte und renovierte Kirche war bis zur Französischen Revolution Sitz der Bischöfe von Apt, einem zur Zeit des Papsttums vom Avignon einflussreichen Bistum. Von großer Bedeutung wurde die Kirche im 17.Jahrhundert, als der französische König Ludwig XIII und seine Frau Anna von Österreich sich sehnlichst einen Erben wünschten und darum den Konsul von Apt um die Übergabe der Reliquie der Schutzpatronin Saint-Anne baten. Als Erbe Ludwig XIV. geboren wurde, war das königliche Paar überglücklich und die Königin besuchte die kleine Stadt im Süden Frankreichs, um ihr ihren Dank auszusprechen. Dies bestärkte den Kult um die Heilige Anna, die dadurch verstärkt Sinnbild der weiblichen Fruchtbarkeit und Schutzpatronin der Familie wurde, womit nun insbesondre die Kathedrale in Apt in Verbindung stand.
Kandierte Früchte
Als vor mehr als sieben Jahrhunderten die „Aptésiens“, die Einwohner von Apt, Papst Urban V. auf seiner Pilgerreise die kleinen Juwelen der Stadt schenkten, wurden die kandierten Früchte aus den Confiserien der Stadt berühmt. Das Kandieren von Früchten ist in Apt eine lange und wichtige Tradition. Heute sitzt hier der Zusammenschluss aus mehreren ehemaligen Familienconfiserien aus Apt, der als ein der weltweit größten Unternehmen zur Herstellung von kandierten Früchten gilt und von hier aus die in den glitzernden Früchten gespeicherten Sonnenstrahlen der Obstplantagen des Luberon in alle Ecken der Welt transportiert.
Markt
Besonders zu empfehlen ist ein einzigartiger Besuch des großen provenzalischen Marktes, der samstags in der Altstadt von Apt stattfindet. Der Wochenmarkt zählt zu den authentischsten und größten Märkten der Provence und den schönsten in ganz Frankreich. Hier erlebt man auf drei Plätzen und in den Gassen der Altstadt einen richtig originellen provenzalischen Markt. Zwischen einem riesigen Angebot an Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Käse und Oliven, Kleidung und Stoffen, Delikatessen und Spezialitäten hat man den Eindruck, dass sich hier die Bevölkerung der gesamten Umgebung trifft. Schnell findet man hier ein passendes Souvenir an die Stadt und den Luberon. Es wird diskutiert, gefeilscht und der neuste Tratsch und Klatsch über die Region ausgetauscht. Man kommt in direkten Kontakt mit den Bauern, Winzern, Künstlern und Händeln der Region, die allesamt ihre Vielfalt an Produkten und kunstvolle Waren auf den vielen bunten Ständen anbieten. Nimmt man sich hier die Zeit in einem der zahlreichen Cafés und Bars noch etwas zu trinken und dabei vielleicht Straßenmusikanten zuzuhören, so ist man wirklich in der Provence angekommen!
Abt ist neben Lourmarine meine Lieblingsstadt in der Provence.
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Ja, Apt sollte man wirklich nicht übersehen
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