Abbaye Notre-Dame de Sénanque

In einem kleinen Tal nur einige Kilometer nördlich des wohl malerischsten Dörfchens der Region Gordes abgelegen in einem schmalen Tal verbirgt sich umgeben von violett leuchtenden, wogenden Lavendelfeldern das wohl bekannteste Postkartenmotiv der Provence: Die Abbaye Notre-Dame de Sénanque.

Das Kloster des Zisterzienserordens bildet ein Wahrzeichen der Provence und ist ein absolut einzigartiger Ort inmitten des Luberon.

Geschichte

Das Kloster wurde bereits 1148 von Zisterziensermönchen aus Mazan an der Ardèche gegründet und bildet damit die vierte in der Provence gegründete Zisterzienserabtei. In 60 Jahren Arbeit entstand im Tal an der Sénancole bis 1220 die Abbaye Notre-Dame de Sénanque. Dabei erweist sich das zurückgelegte Sénanque-Tal mit seiner 1km Länge und gerade mal 300m Breite als ausgezeichneter Standpunkt für die Zisterziensermönche. Es bietet in seiner Abgelegenheit nicht nur alle notwendigen Rohstoffen für den Bau des Klosters, sondern auch fruchtbares Acker- und Weideland und eine Wasserquelle durch die Sénancole.

Durch großzügige Spenden erlebte die Abtei im 13. Jahrhundert seine Blütezeit, die sich durch Wohlstand auszeichnet und unter der damit verbunden Abweichung des benediktinischen Armutsgelübde Ordens stand. In dieser Zeit erlangte die Abtei an Macht in der Region und ihr Einflussgebiet breitete sich auf Einrichtungen in unter anderem Arles, L´Isle sur la Sorgue, Cavaillon, Carpentras und Marseilles aus. Zu diese Zeit wächst auch die Gemeinde und zählt um die 40 Brüder.

Das 15. Jahrhundert und 16. Jahrhundert wurde jedoch von politischen Unruhen und Religionskriegen geprägt, wovon auch Sénanque nicht verschont blieb, sodass sich bald teilweise weniger als eine Hand voll Mönche in der Gemeinde befinden. Einen Höhepunkt dieser turbulenten Zeit bildet die Zerstörung der Abtei durch Waldenser 1544, die in der Region des Luberon einen Zufluchtsort zur Gründung ihrer eigenen Gemeinde sahen und diese als Rückzug vor ihrer Verfolgung durch Krone und Kirche nutzen. Sénanque blieb dabei nicht von ihrer Wut gegen die Kirche verschont und beinahe komplett zerstört.

Um die Abtei in der Zeit der Französischen Revolution zu bewahren, wurde diese 1792 als nationales Gut verkauft und war zu diesem Zeitpunkt nur noch ein Schatten seiner selbst, dessen Schicksal in den Sternen stand. Erst 1854 wurden die Räumlichkeiten neubesiedelt und der Privatbesitzer überließ diese wieder der Klostergemeinschaft. Von dort an wurden zahlreiche Renovierungsmaßnahmen unternommen und die Abtei erstrahlte schnell in einem neuen Glanz. Allerdings erlebte sie durch das Gesetz gegen Ordensgemeinschaften 1880 wieder einen Rückschlag, wodurch die Abtei erneut verkauft und infolgedessen wieder vernachlässigt wurde.

Erst 1926 ließen sich wieder Mönche in Sénanque nieder, wobei von hier an nicht immer mönchisches Leben in der Abtei anzutreffen war.

Heutzutage befolgt die Gemeinde wie zu Anfang 1148 das Armutsgelübde des heiligen Benedikts und lebt ausschließlich von den eigenen Arbeiten der Mönche im Lavendelanbau, dem Olivenhain oder der Imkerei, wobei durch die heutige Bekanntheit der Abtei auch die Einnahmen aus dem Tourismus zum Lebensunterhalt der Gemeinde und der Instandhaltung des Klosters beitragen.

Lavendel

Die heute so bekannten Lavendelfelder wurden in den 1970ern angelegt, denn erst seit Mitte des 20. Jahrhundert kultivieren die Mönche in dem Sénanque Tal Lavendel. Zuvor wurde die Lavendelblüte nicht geerntet, sondern Setzlinge angebaut, die dann verkauft wurden. Das Grundstück um die Abtei wurde lange Zeit mit Nutzpflanzen wie Kartoffeln oder Getreide bewirtschaftet, die dem Lebensunterhalt der Mönche galt.

Heutzutage bauen die Mönche weiterhin Lavendel in Sénanque an und verarbeiten die geerntete Blüte zu allerlei verschiedenen Produkten wie Lavendelöl, Düfte oder Keksen. Die Lavendelblüte ist zum Merkmal der Abtei geworden und der Verkauf dieser Lavendelprodukte im Klosterladen sichert der Gemeinde ein zusätzliches Einkommen.

Besuch

Fährt man in Richtung Gordes, so ist ein Abstecher zu der Abtei auf die D177 in Richtung Venasque ein absolutes Muss. Das Kloster gehört zu den am meisten fotografierten Orten in der Provence und symbolisiert diese nahezu als Wahrzeichen. Entsprechend groß ist der Andrang in der Hauptsaison, doch auch in der Nebensaison ist hier eigentlich immer etwas los. Will man den Lavendel rund um das Kloster in voller Blüte erleben, empfiehlt die Abtei einen Besuch zur Blütezeit zwischen dem 20 Juni und 10 Juli.

Beabsichtig man einen Rundgang durch das Kloster machen, so ist dies nur im Rahmen einer Führung möglich. Bei der etwa einstündigen Führung erhält man einen Einblick in die vielen verschiedenen Räumlichkeiten des Klosters und bekommt eine Vorstellung von dem dortigen Leben der Mönche. Zudem kann man im Klosterladen allerlei Produkte rund um Sénanque und aus eigener Herstellung kaufen, was der Gemeinschaft zugutekommt.

Weitere Informationen zu Führungen, Veranstaltungen und der Geschichte der Abtei findet man unter www.senanque.fr.

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  1. Avatar von provence_blog Julia Kramatschek sagt:

    Thank you! 🙂

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