Das vergessene und oft übersehene Dörfchen im Herzen des Luberon. In alten und neuen Ortskern unterteilt, liegt die Gemeinde Oppède direkt am Hang des Luberon. Auf einem Hügel des Petit Luberon thronend überblickt ihr altes, ursprüngliches Zentrum Oppède-le-Vieux die Ebene. Das mittelalterliche Bergdorf ist für seinen authentischen Charme bekannt, wird jedoch oft aufgrund seiner seinen berühmteren Nachbarn Ménerbes und Lacoste missachtet.
Hocherhoben behauptet es sich mit seinem eigenen Zauber und reizt mit seinen mittelalterlichen Steinhäusern und engen Gässchen. Gleichzeitig Mittelpunkt des kulturellen Lebens und Rückzugsort vieler Künstler, trifft man hier noch die provenzalische Lebensweise an, die in so vielen Dörfern des Luberon durch den Tourismus nur noch als traumhafte Fassade aufrechtgehalten wird.
Oppède-le-Vieux
Überschatten von seinen bekannten Nachbarn Ménerbes, Lacoste oder Bonnieux wird das malerische Dorf oftmals übergangen. Es gilt daher als Geheimtipp unter den Dörfern des Luberon und ist (noch) nicht so überlaufen. Dabei überzeugt Oppède-le-Vieux mit seinen mittelalterlichen Bauten und fantastischen Lage inmitten der Wälder des Luberon.
Schon bei den Römern aufgrund seiner erhöhten Lage und damit spektakulären Ausblick über das Tal beliebt, blühte die Ortschaft im Mittelalter auf und fiel daraufhin in päpstlichen Besitzt. Eine bedeutende Rolle spielte Oppède deshalb während des Waldenserkrieges im 16.Jahrhundert. Die Waldenser suchten in den Hügeln des Luberon Schutz vor ihrer Verfolgung vor Kirche und Krone. Doch kam es zu einer unvergleichlichen Schlacht unter dem Befehl Baron Meynier d´Oppède, der die Verfolgung der Waldenser in der Umgebung unter dem Segen des Papstes anordnete als seinerzeits Präsident von Aix mit großem Einfluss auf die Region des Luberon. Das Massaker gilt als historischer Tiefpunkt und blutigste Schlacht im Luberon und ließ geteiltes Licht auf das Baronat Oppède fallen.
Die Region und damit ebenso Oppède erholten sich nur schwer von der kriegerischen Zeit. Als 1731 ein Erdbeben das Gebiet erschüttert, werden Teile der Burg in Oppède zerstört, was den Verfall des Ortes einläute. Verstärkt durch die Plünderung und Verwüstung der Revolutionäre zur Zeit der Französischen Revolution, kommt es im 19. Jahrhundert zu einer zunehmenden Entvölkerung des Ortes, der langsam in Vergessenheit geriet.
Lange war Oppède-le-Vieux unbewohnt und verfiel, insbesondere, seitdem das Rathaus Anfang des 20.Jahrhunderts in das Tal in den Gemeindeteil Oppède-les Poulivets verlegt wurde. Das alte Bergdorf blieb unbeachtet und nahezu unbewohnt mit zwischenzeitlich nur etwa an die 10 Einwohnern. Die historischen Gebäude waren Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert und niemand kümmerte sich um ihren Erhalt.
Der entstehende verwilderte Charme zog jedoch Mitte des 20.Jahrhunderts einige Künstler an, die das Dorf langsam wieder zum Leben erweckte. Aufwendige Renovierungen der verfallenen Steinhäuser ließen den alten Ort wieder in neuem Glanz erstrahlen und brachten einen gewissen Lebensgeist mit sich. Es entstanden Immobilien, die von außen ihren alten Charme beibehielten, innen jedoch mit moderner Einrichtung und Architektur überzeugten. Schnell wurde der Ort Zentrum des künstlerischen Lebens und kulturellen Austauschs, doch auch Rückzugsort abseits des touristischen Trubels.
Das Dorf ist am besten zu Fuß zu erkunden. Die engen gepflasterten Gässchen führen alle hoch hinauf zur Kirche Notre-Dame-d’Alidon aus dem 12. Jahrhundert, die währende des Waldenserkrieges zerstört und anschließend immer wieder renoviert wurde. Direkt daneben lassen sich die Ruinen eines mittelalterlichen Schlosses und der ehemaligen Burg von Oppède finden. Der Weg nach oben ist zwar ein wenig mühselig und steil, doch entlohnt die spektakuläre Aussicht über die Ebene bis zum Mont Ventoux alle Mühen. Nicht nur Kirche und Burg sind wichtige Zeugen der bewegten Geschichte von Oppède. In den engen Gässchen des Dorfes scheint seine Geschichte greifbar aufgrund der steinernen Gebäude aus dem Mittelalter. Vielleicht findet man bei einer intensiveren Erkundung auch das „Carré magique“ aus dem 9.Jahrhundert, ein Sator-Quadrat an dem Türrahmen eines Steinhauses. Auf den Spuren der Römer begibt man sich im Jardins de Sainte-Cécile, der im westlichen Teil des Ortes oberhalb des Parkplatzes liegt. Hier lohnt es sich, nicht einfach vom Parkplatz nach oben in das Dorf zu gehen, sondern die Gartenanlage zu erkunden und so schnell auf die Terrassen von Oppède-le-Vieux zu stoßen. Wie aus dem nichts eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf die sehr wahrscheinlich schon von den Römern mit Olivenbäumen und Weinstöcken angelegten Terrassen an den Hängen des Luberon.
Geht man durch die Gärten in den Kern des Örtchens, so stößt man auf das romantisch gelegene Restaurant „Le Petit Café“, das mit seinem idyllischen Charme lockt und zu einer kleinen Rast einlädt.
Oppède-le-Vieux zählt zu den authentischeren Orten im Luberon, ist noch nicht von Touristenmassen überlaufen und im Gegensatz zu anderen Dörfchen nicht nur Fassade eines provenzalischen Traums. Hier taucht man noch in das charakteristische provenzalische Leben ein, doch wird das Bergdorf nach und nach immer attraktiver für Besucher.
Oppède
Das „neue“ Oppède liegt im Tal etwa zwei Kilometer vom alten Stadtkern entfernt und bildet einen eher moderneren Ort im Luberon. Les Poulivets ist zum neuen Mittelpunkt der Gemeinde geworden, als das Rathaus in diesen Ortsteil verlegt wurde. Schnell entstand hier neues Leben, denn im Ortskern fehlt es an nichts. Bäcker und Épicerie mit Charcuterie (Gemischtwarenladen mit Metzgerei) liegen direkt am Rathaus und sind für den alltäglichen Einkauf unverzichtbar. Den Puls des Lebens und Treffpunkt für die alteingesessenen Oppédois sind „Pizza Bella“ und die Bar und Bistro „les Poulivets“.
Die Gemeinde Oppède umfasst mehrere Ortsteile, in denen viele Ferienhausbesitzer über ihren Zweitwohnsitz verfügen. Versteckt in der Abgeschiedenheit der Hügel und Wälder des Luberon, die man in der Gemeinde Oppède oft findet, trifft man auf das ein oder andre größere Anwesen. Durch seine Nähe zum Luberon bietet die Gemeinde und dabei insbesondere Oppède-le-Vieux den idealen Startpunkt, um Wanderungen hinauf auf den Gipfel des Luberon anzutreten oder mit dem Fahrrad seine einzigartige Natur zu erkunden.
Oppède und Oppède-le-Vieux sollte man bei einem Besuch der Region des Luberon nicht zwischen seinen bekannten Nachbarorten übersehen, denn es zeigt noch das ursprüngliche provenzalische Leben und lädt ein, Teil zu werden von seiner Kultur und Tradition.