Le provençal

Bouan jou! Coumo va?“

Bien, et toi?“

Warte, sollte das obere nicht „Bonjour! Comment ça va?“ heißen?

Nein, denn das ist Provenzalisch und wird zum Teil heute noch gesprochen.

Provenzalisch

Als „Provenzalisch“ werden heutzutage die in der Provence gesprochenen Dialekte der langue d´oc, also dem Okzitanischen, bezeichnet. Okzitanisch und die damit verbundenen Varietäten bilden neben Französisch die zweite romanische Sprache, die sich im ehemaligen Gallien, dem heutigen Frankreich, entwickelt hat. Dabei entstand sie, wie es der Name schon vermuten lässt, im Süden Galliens und hat durch den Einfluss der Römer seine Wurzeln im Lateinischen. Das Provenzalische kann sich für Außenstehende oft wie eine Art Mischung aus Spanisch und Französisch anhören, da die Sprachgruppe der langue d´oc auch Einfluss auf die Entwicklung des Katalanischen und damit auch auf das Spanische hatte.

Teilweise wurde der Begriff „Provenzalisch“ auch anstelle der Bezeichnung langue d´oc für die Gesamtheit aller okzitanischen Mundarten verwendet. Zudem gibt es Bewegungen, die das Provenzalische als eigenständige Sprache der Sprachgruppe „langue d´oc“ und nicht als Dialekt des Okzitanischen bezeichnen wollen. Es ist also zu erkennen, dass das Provenzalische durchaus eine bedeutende Rolle im Süden Frankreichs einnimmt.

Herkunft

Die Provence hat ihren Namen von „Provincia Romana“, dem Gebiet, das die Römer 125 v.Chr. gründeten und das von den Pyrenäen nach Toulouse und Vienne bis zu den Alpen reichte. Bereits um 11.Jahrhundert erblühte das Provenzalische in Literatur, Musik und Kunst und ersetzt im 13. Jahrhundert das Lateinische. Es wird so zur Sprache der Justiz und des Amtswesens und wird schnell die Sprache der Provenzalen. Ab dem 16. Jahrhundert, aufgrund der Vereinigung der Provence mit dem Königreich Frankreich, nimmt der Gebrauch des Provenzalischen jedoch leicht ab, da nun das Französische zur Rechtsprache wird. Obwohl das Provenzalische danach als Amtssprache ausgeschlossen wird, hält sie sich literarisch und bleibt die gesprochene Sprache der großen Mehrheit in der Provence. Trotzdem ist diese Region bis Ende des 18.Jahrhundert, also bis zur Französischen Revolution 1789, relativ autonom, wodurch sich hier das Provenzalische literarisch hält und die gesprochene Sprache der großen Mehrheit in der Provence bleibt. Erst nach der Französischen Revolution ersetzte Französisch das Provenzalische und wurde zunächst die Sprache der Oberschicht. Im 20. Jahrhundert erreichte das Französisch den Großteil der Bevölkerung, wobei erst ab den 1950ern sowohl in den Städten als auch auf dem Land die Kinder Französisch und nicht mehr Provenzalisch als erste Muttersprache erlernen. Damit liegt es noch nicht allzu lange zurück, dass das Provenzalische durch das Französische ersetzt wurde, weshalb es noch heute einen großen Einfluss auf die hiesige Gesellschaft hat.

Großen Anteil an der Identifizierung mit dem Provenzalischen und dessen Aufrechterhaltung auch nach der Französischen Revolution hatte der Nobelpreisträger Frédéric Mistral. Für ihn stand seine geliebte Provence im Mittelpunkt seines Schaffens und diente ihm als Inspirationsquelle für viele seiner Werke. Er setzte sich insbesondere für die Eigenständigkeit der provenzalischen Sprache und die Unabhängigkeit der Provence von Frankreich ein. Dabei veröffentlichte er zwischen 1879 und 1886 unter dem Namen „Lou trésor d´òu Félibrige“ (der Schatz des Félibrige) ein Wörterbuch der provenzalischen Sprache, das die zahlreichen provenzalischen Dialekte berücksichtigt. Dieses Wörterbuch war ausschlaggebend in der provenzalischen Unabhängigkeitsbewegung der sogenannten „Félibrige“, die die Wiedergeburt der provenzalischen Kultur einleiten wollte. Damit rückten die „Félibrige“ die Bedeutung des Provenzalischen in ein ganz neues Licht und förderten die Identifizierung mit Sprache und Kultur für die Provenzalen. Dank Mistral gilt einer der ersten Literaturnobelpreise einem Werk in provenzalischer Sprache, Mistrals 1859 erschienenes Gedicht „Mirèio“, wofür er 1904 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Heute

Das Provenzalische wird von vielen Provenzalen als Teil ihres kulturellen Erbes gelebt und genießt eine gewisse Unterstützung der Bevölkerung, wo es seit einigen Jahren wieder einen kleinen Aufschwung im öffentlichen Leben erlebt hat. In manchen Werbungen, im Theater, auf Festivals oder in der Kunst wird so das Provenzalische oft als Kunstmittel verwendet. Allerdings bleibt diese Anerkennung nur symbolisch, denn es ist eher selten, dass man Gespräche hört, die in Provenzalisch gesprochen werden. Das Französische hat hier schon seit langer Zeit die Oberhand, weshalb die provenzalische Sprache von dem „UNESCO Atlas der Sprachen“ als ernst gefährdete Sprache eingestuft wird. Trotzdem werden manchmal hier und da ein paar einzelne Wörter oder Sprichwörter in Diskussionen eingebracht, was zeigt, dass die Sprache durchaus nicht vollkommen ausgestorben ist. Nach wie vor hat sie noch Einfluss auf den Sprachgebrauch und damit auf die Kultur im Süden Frankreichs. So sieht man zum Beispiel oft, dass die Schilder mit Ort-bzw. Dorfnamen in der Provence auf Französisch und auf Provenzalisch angegeben sind. Die Sprache ist also weiterhin präsent und wird teilweise weiterhin in den Schulen als Nebenfach gelehrt, sodass sie nicht ganz in Vergessenheit gerät. Zudem entstammen einige Wörter des Französischen aus dem Provenzalischen. So soll sich beispielsweise „amour“ aus dem alt-provenzalischen Wort „amor“ ableiten, welches wiederrum seine Wurzeln im Lateinischen hat.

Was geblieben ist, ist jedoch der nicht zu überhörende Akzent mancher Provenzalen.

Dieser ist natürlich nicht zu verallgemeinern und schwierig zu beschreiben. Denn durch die vielen verschiedenen Einflüsse unterschiedlicher Sprachen und Dialekte auf die Provenzalen ist jedoch jeder Akzent sehr individuell zu betrachten. Trotzdem hört man ab und an  ein „o“ für oui, ein „gramaci“ für merci, ein „Bouan jou!“ für Bonjour oder eben ein kurzes „Coumo vas?“ für „Comment vas-tu?“.

Das kann manchmal sogar für Franzosen, die nicht aus dem Süden Frankreichs kommen, ein wenig verwirrt sein und ist deshalb für ausländische Ohren umso schwerer zu verstehen. Der provenzalische Singsang ist dementsprechend erstmal ein wenig gewöhnungsbedürftig, zeigt jedoch das bedeutende sprachlich-kulturelle Gut der Region.

Hinterlasse einen Kommentar