Châteauneuf-du-Pape

In den sanften Hügeln der Provence, wo sich die Rhône gemächlich durch die Landschaft schlängelt, liegt ein kleines Dorf mit einem weltberühmten Namen. Es ist nicht nur für seine malerische Kulisse bekannt, sondern auch für seinen einzigartigen Beitrag zur Weinwelt. Châteauneuf-du-Pape, mit seinen sonnendurchfluteten Weinbergen und dem Charme eines mittelalterlichen Ortes, trägt nicht nur den Stolz seiner provenzalischen Geschichte, sondern auch ein entscheidendes päpstliches Erbe. Dabei ist es der Wein, der schon seit Jahrtausenden das Örtchen und seine kulturelle Entwicklung prägt. Der Name „Châteauneuf-du-Pape“ ist bei Genießern auf der ganzen Welt bekannt. Für viele steht er für den ausgezeichneten Rotwein, doch nur wenige verbinden mit ihm das pittoreske Örtchen, das eingebettet zwischen sanften Hügeln und den Ufern der Rhône noch so viel mehr als nur die bezaubernden Weinreben zu bieten hat.

Geschichte vor dem Wein

Die Geschichte von Châteauneuf-du-Pape ist eng mit jener der heimischen Weinproduktion verbunden. Schon früh wurde der lokale, natürliche Reichtum erkannt und die Chance genutzt, auf dem einzigartigen Gebiet der Gemeinde Wein anzubauen. Doch bevor es zu seinem heutigen Namen und seinem Ruf als Weinhauptstadt kommen sollte, hatte sich Châteauneuf-du-Pape schon im frühen Mittelalter einen ausgezeichneten Ruf als eines der Wirtschaftszentren der Provence gemacht.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Gemeinde 1094 als „castro novo“. Das „neue befestigte Dorf“, wie sich dieser Ortsname übersetzen lässt, war bereits von einer Stadtmauer umgeben und hatte eine für die Zeit achtenswerte Ausdehnung. Aus dieser Zeit stammen daher einige historisch beeindruckende Spuren, die noch immer das Ortsbild prägen. Nicht nur Überreste der Stadtmauer, die die einstige Ausdehnung des Dorfes andeutet, sind noch immer zu sehen, auch ein paar Elemente der einstigen romanischen Kirche aus dem 11. Jahrhundert zeugen von den Anfangszeiten von Châteauneuf-du-Pape, bevor sich die Gemeinde als Weinanbaugebiet einen Namen machte.

Obwohl der Ort sich noch nicht durch seine Weinproduktion hervortat, war „castro novo“ zu dieser Zeit bereits von entscheidender Bedeutung in der Region und galt als eines der regionalen Wirtschaftszentren. So erfuhr die Gemeinde im 13. Jahrhundert einen entscheidenden Wandel, denn von nun an wurde sie als „Châteauneuf-Calcernier“ betitelt, was die Wirtschaftsleistung des Dorfes hervorheben sollte. „Châteauneuf-Calcernier“ war für seinen gesiebten, edlen Kalkstein berühmt, der außerordentliche Qualität besaß. Der weiße Kalkstein wurde in großen Mengen abgebaut und in „Châteauneuf-Calcernier“ weiterverarbeitet, sodass er nach ganz Frankreich und teils sogar über die Landesgrenzen hinaus als erstklassiges Material verkauft wurde. Die Gemeinde trug ihren Namen „Châteauneuf-Calcernier“ bis Ende des 19. Jahrhunderts und gilt als einer der provenzalischen Vorreiter der professionellen Kalksteinproduktion, die in vielen Teilen der Provence erst im Zuge der Industrialisierung einsetzte.

Doch noch etwas anderes verhalf „Châteauneuf-Calcernier“ zu seinem Ruhm und Wohlstand. Als eine der zentralen Ortschaften im Rhônetal mit direktem Zugang zu dem bedeutenden Fluss lag der Ort an einer der wichtigsten Handelsrouten Frankreichs. Im 13. Jahrhundert wurde dieser Zugang zu einem entscheidenden Vorteil für Châteauneuf. In dem nahegelegenen Avignon erhielt der Bischof 1238 das Recht, an der Rhône einen Freihafen für den Salzhandel einrichten zu dürfen. Unweit von Châteauneuf ließ der Bischof von Avignon an der Rhône diesen Hafen bauen, wo Salzhandelsschiffe ihre Waren entladen konnten, ohne der Besteuerung in anderen Rhône-Häfen unterworfen zu werden. Mit dem Freihafen sicherte sich die Kirche eine entscheidende Einnahmequelle, doch profitierte auch „Châteauneuf-Calcernier“ von dem regen Treiben in dem Hafen ganz in seiner Nähe. Der Handel mit Salz und die Arbeit an dem Hafen an der Rhône ermöglichten „Châteauneuf-Calcernier“ einen weiteren wirtschaftlichen Aufstieg. Gemeinsam mit dem Kalkhandel erlangte die Gemeinde daher schon früh einen gewissen Wohlstand und stach damit bereits im Mittelalter von ihren umliegenden Orten hervor.

Der Wein des Papstes

Inmitten des wirtschaftlichen Aufschwungs von Châteauneuf kam der Ortschaft jedoch noch ein weiteres Privileg zuteil, das ihr bis heute ihre Berühmtheit auf der ganzen Welt sichern sollte. Bereits 908 wurde das Gemeindegebiet als Geschenk der Region an den Bischof von Avignon gegeben und stand seitdem unter dessen Hand. Diese Schenkung soll sogar vom römisch-deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa, dem bestätigt wurden sein. Bereits mit dem Bau des Freihafens für den Salzhandel, der auf die Initiative des Bischofs von Avignon zurückgeht, zeigt sich die Bedeutung dieser Verbindung zwischen Châteauneuf und dem Bistum in Avignon.

Den größten Aufschwung erlebte Châteauneuf jedoch in der Zeit des Papsttums in Avignon. Vor allem dank Johannes XXII., dem ersten Papst, der ausschließlich in Avignon residierte, kam Châteauneuf eine gesonderte Bedeutung zu. Denn mit ihm begann die Geschichte des Weines der Gemeinde. Johannes XXII. fand großen Gefallen an dem idyllischen „Châteauneuf-Calcernier“ und ließ hier daher Anfang des 14. Jahrhunderts seine Sommerresidenz bauen. Der avignonesische Papst wollte die heißen Sommer der Provence hier, inmitten der sanften Hügel und ganz in der Nähe der kühlenden Rhône verbringen. Allerdings wurde seine Sommerresidenz erst 1333, ein Jahr vor Johannes XXII. Tod, fertiggestellt, sodass er sein Schlösschen nicht mehr selbst in vollen Zügen genießen konnte. Doch das Papstschloss in Châteauneuf war keineswegs unbedeutend mit dem Tod seines Auftragsgebers. Vielmehr wurde es zur Residenz der folgenden Päpste von Avignon und blieb auch nach dem Ende des avignonesischen Papsttums in Obhut des Erzbistums Avignon. Heute ist die päpstliche Residenz in Châteauneuf zwar nur noch als Ruine zu bestaunen, doch ist sie stolzes Wahrzeichen der Gemeinde und prägt daher die berühmten Weinflaschen aus der Gemeinde.

Das Wohlwollen Johannes XXII. gegenüber Châteauneuf soll dem Ort jedoch nicht nur sein wahres „neues Schloss“ bescheren, sondern die Weintradition der Gemeinde begünstigen. Denn der erste Papst von Avignon investierte neben dem Bau seiner Sommerresidenz in die umliegenden, landwirtschaftlich genutzten Gebiete von Châteauneuf und erwarb 1317 einiges Land um die Gemeinde herum. Hier ließ er Wein für seine eigenen Zwecke anbauen; eine Praxis, die in der kirchlichen Welt nicht selten war, um vor allem die liturgischen Bedürfnisse decken zu können. Die Region um Châteauneuf eignete sich allerdings besonders gut für den Weinanbau, da der Boden inmitten des Rhônetals besonders fruchtbar war. Die Mischung des Bodens aus Kieselsteinen, roter Tonerde und Sand, die heute als der nährstoffreiche Boden „galets roulés“ von Châteauneuf bekannt ist, speichert Wärme während des Tages und gibt diese nachts an die Reben ab. Gleichzeitig sind es die vielen Hügel, die sich in unterschiedliche Richtungen in der Landschaft erstrecken, die den Anbau vieler verschiedener Sorten ermöglichten. Gemeinsam mit dem mediterranen Klima, das den Weinanbau in der gesamten Provence ermöglicht, fand Johannes XXII. damit die idealen Bedingungen in Châteauneuf vor, um seinen Wein anzubauen. Seine Nachfolger sollten dabei sogar die herausragenden Weinanbaubedingungen in Châteauneuf erkennen und stellten bereits die ersten Vorschriften und Regeln für die Weinproduktion der Ortschaft auf. So gaben die Päpste aus Avignon persönlich Anweisungen für den Anbau von Weinreben und halfen bei der Entwicklung von Techniken zur Verbesserung der Weinproduktion.

Die Grundlagen für den professionellen Weinanbau rund um Châteauneuf wurden damit von den Päpsten gelegt, die in das außerordentliche Potential der Ortschaft erkannten und förderten. Dieser enge Kontakt zwischen den Päpsten und der Weinproduktion schuf eine außergewöhnliche Verbindung, die die Region nachhaltig prägte. Die päpstliche Initiative entwickelte sich alsbald zu einer festen Tradition von Châteauneuf, die auch nach der Rückkehr des Papsttums nach Rom 1377 von Seiten der Kirche in Avignon gefördert wurde.

Ein Weinparadies

Die Leidenschaft der Päpste für Wein und ihre Unterstützung des Weinbaus in Châteauneuf-du-Pape haben bis heute eine starke Tradition geschaffen. Die Gemeinde ist stolz darauf, diese historische Verbindung zu bewahren und weiterzuentwickeln. Châteauneuf-du-Pape Weine werden nach wie vor mit großer Hingabe und Sorgfalt produziert, um die hohen Standards aufrechtzuerhalten, die einst von den Päpsten festgelegt wurden. Um die besondere Verbindung der Weine mit dem Papsttum und die außergewöhnliche Geschichte der Gemeinde zu ehren, tragen heute die Châteauneuf-du-Pape-Weine das Wappen der Päpste von Avignon. Die zwei gekreuzten Papstschlüssel sind heute ein Symbol der außerordentlichen Qualität der Weine von Châteauneuf-du-Pape und daher auf den Etiketten der lokalen Winzer zu finden. Die Bezeichnung „Châteauneuf-du-Pape“ bezieht sich dabei heute sowohl auf die Ortschaft selbst als auch auf das Weinanbaugebiet, das sich über eine Vielzahl von Weinbergen und Weingütern erstreckt. Die ehemals päpstlich geprägte Weinregion von Châteauneuf-du-Pape hat sich im Laufe der Jahre zu einer der wohl renommiertesten Weinregionen der Provence entwickelt und gehört zu den bekanntesten Frankreichs.

Es ist die besondere Liebe und Sorgfalt, mit der die Winzer von Châteauneuf-du-Pape ihre Weine als eine der weltweit herausragendsten Qualitätsweine etabliert haben. Die unvergleichliche Verbindung mit der kirchlichen Geschichte und der frühe Wohlstand der Gemeinde ermöglichten ihnen, die Weinproduktion zu perfektionieren und die hervorragenden Bedingungen der Landschaft ideal zu nutzen. Ihre Bemühungen wurden 1936 geschützt, als die Region als Appellation d’Origine Contrôlée (AOC) anerkannt wurde. Die AOC-Regularien legen fest, welche Rebsorten angebaut werden dürfen und wie der Wein hergestellt werden muss, um das begehrte Prädikat „Châteauneuf-du-Pape“ tragen zu dürfen.

Die charakteristische Weinrebe der Region ist die Grenache-Traube, wobei die unterschiedlichen Ausrichtungen der vielen Hügel den Anbau einer Vielzahl von Weintraubensorten ermöglichen. So prägen insbesondere Sorten wie Syrah, Mourvèdre, Cinsault, neben Grenache, die Weinberge von Châteauneuf-du-Pape. Diese Rotweine zeichnen sich durch ihre Vollmundigkeit, fruchtigen Aromen, Noten von roten Früchten, Gewürzen und Kräutern aus. Sie haben oft eine reiche Tanninstruktur und das Potenzial zur Alterung. Weiße Châteauneuf-du-Pape-Weine sind ebenfalls hoch angesehen und werden aus Rebsorten wie Grenache Blanc, Roussanne, Clairette, Bourboulenc und anderen hergestellt. Sie zeichnen sich durch Frische, blumige Aromen, Zitrusfrüchte und manchmal mineralische Noten aus. Der klassische Rosé, für den die Provence berühmt ist, findet sich in Châteauneuf-du-Pape eher selten, denn der Rosé steht klar im Schatten des weltberühmten Rotweins. Nichtdestotrotz gibt es einige Weingüter in Châteauneuf-du-Pape, die auch Roséweine produzieren, um die Palette der verfügbaren Weine zu erweitern und den unterschiedlichen Geschmacksvorlieben gerecht zu werden. Dabei werden die Roséweine aus Châteauneuf-du-Pape normalerweise aus denselben Rebsorten wie die Rotweine hergestellt, wobei die Trauben weniger Kontakt mit den Schalen haben, was zu einer helleren Farbe und einem leichteren Geschmacksprofil führt. Diese Roséweine können frisch, fruchtig und blumig sein und sind eine schöne Ergänzung zu den Rot- und Weißweinen der Region.

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