Das Fort de Buoux

Es gehört zu einem der herausragendsten Orte des Luberon: das „Fort de Buoux“. Mit seiner spektakulären Lage hoch oben auf dem Plateau des Claparèdes thront die mystische Ruine über dem kleinen Örtchen. Einst herrschten hier die Tempelritter, nun ist es eine sagenumwobene Ruine, die von einer langen und ereignisreichen Geschichte erzählt. Hervorgehoben durch die majestätische Umgebung inmitten der wunderschönen Natur des Luberon zählt Buoux zu einem der Geheimtipps in der Region.

Das Dörfchen Buoux

Namensgeber für das eindrucksvolle Fort ist das kleine Örtchen Buoux, das kaum mehr als 100 Einwohner zählt und damit zu den kleinsten Dörfern im Luberon gehört. Trotzdem erfüllt es mit seinem außergewöhnlichen historischen Erbe eine entscheidende Rolle in der Geschichte der Region. Buoux ist eine der wohl geschichtsträchtigsten Gemeinden der Umgebung. Schon vor 70.000 Jahren siedelten hier, in den Höhlen der Schluchten von Buoux, die ersten Menschen. Es ist eine der wohl spektakulärsten Lagen im Luberon, schließlich liegt Buoux auf dem hoch erhobenen Plateau des Claparèdes. Außerdem fließt hier der Aigues Brun, der als einziger permanent wasserführender Fluss im Luberon von entscheidender Bedeutung ist. Die ersten Siedler fanden hier die idealen Bedingungen. Die Höhlen des Plateaus boten einen sicheren Rückzugsort, während der Fluss lebenswichtige Ressourcen lieferte.

Nun erhebt sich hier, auf einem Felsvorsprung inmitten des Luberon die Ruine des Forts de Buoux, ein Ort, der weit mehr als nur eine mystische Ruine bietet. Die Spuren der Festungsruine reichen weit in die Frühgeschichte zurück. Schon die Keltoliguren erkannten die strategische Lage hoch oben auf dem Felsvorsprung am Ufer des stets wasserführenden Flusses Aigues Brun. Die reiche Natur entlang des Flusses und die vom Wasser geformten Höhlen boten ideale Rückzugsorte für die ersten Siedler der Region. Hier entstand die erste Felsenstätte der Provence, die heute noch bewundert werden kann. Von den ersten Menschen in dieser Region sind noch viele Relikte erhalten geblieben, darunter Höhlenbehausungen, frühchristliche Gräber und in den Stein gemeißelte Silos. Diese Zeugnisse bieten eine beeindruckende Zeitreise durch die Entwicklung der menschlichen Besiedlung der Provence.

Tempelritterhochburg

Im 12. Jahrhundert sollte dieser erhabene Ort zu einer neuen Größe heranwachsen, denn die Tempelritter erkannten die strategische Bedeutung dieses Ortes. So errichteten sie hier im 12. Jahrhundert eine beeindruckende Festungsanlage, die ihnen als militärischer Stützpunkt und Schutzort diente, wobei sie den natürlichen Schutz des Geländes nutzten. Dabei reihte sich das Fort de Buoux in ein weit verzweigtes Netzwerk der Templerburgen ein, die miteinander kommunizierten und sich gegenseitig unterstützten. Das Fort de Buoux nahm hierbei eine entscheidende Rolle in der regionalen Vernetzung der Templer ein, diente jedoch nicht zwingend als eine der Hauptresidenzen der Templer. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Kommandeurssitz der Templer in der Provence, einer der entscheidenden Schnittstellen zwischen dem europäischen Festland und dem Mittelmeerraum auf dem Weg in das Heilige Land. Das Fort de Buoux diente als regionales Verwaltungszentrum und militärischer Stützpunkt, dessen Hauptaufgaben die Sicherung und Verwaltung der umliegenden Ländereien sowie die Bereitstellung von Schutz und Unterstützung für die lokale Bevölkerung und reisende Templer waren. So trug das Fort neben seiner militärischen Rolle auch eine bedeutende wirtschaftliche Funktion für die gesamte Region. Denn von hier aus wurde die landwirtschaftliche Produktion der umliegenden Gebiete geregelt, die ebenfalls im Besitz der Templer waren. Die umliegenden Ländereien wurden von den Templern bewirtschaftet, um genügend Erträge für ihre eigenen lokalen Gemeinschaften zu erwirtschaften, aber auch um die weitreichenden Operationen des Ordens zu unterstützen. Die Landwirtschaft in der Region wurde somit durch die Templer deutlich angekurbelt, schließlich mussten nun deutlich mehr Pilger versorgt werden.

Das Fort de Buoux ist ein herausragendes Beispiel mittelalterlicher Militärarchitektur. Es besteht aus mehreren Verteidigungsringen, massiven Mauern und Türmen, die durch natürliche Felsformationen verstärkt werden. Die Festung ist in verschiedene Bereiche unterteilt, darunter Wohnräume, Lagerräume und Verteidigungsanlagen. Die Nutzung des natürlichen Geländes ist besonders bemerkenswert. Die Mauern sind teilweise in den Felsen gehauen, was zusätzliche Stabilität und Schutz bot. Bemerkenswert ist hierbei vor allem die sogenannte „Escalier du Roi“ (Königstreppe), eine in den Felsen gehauene Treppe, die zu versteckten Ausgängen führt und im Falle einer Belagerung als Fluchtweg diente. Es zeigt die Ingenieurskunst der Templer, die sich mit den lokalen Materialien verbindet.

Nach den Templern

Die Bedeutung des Fort de Buoux als Templerfestung endete abrupt mit der Auflösung des Templerordens im Jahr 1312. Papst Clemens V., unter Druck des französischen Königs Philipp IV., befahl die Verhaftung und Enteignung der Templer. Nach der Auflösung der Tempelritter wurden viele ihrer Besitztümer an den Johanniterorden übergeben, der auch als Malteserorden bekannt ist. Dieser Prozess war Teil eines umfassenden Plans, die umfangreichen Ländereien und Vermögenswerte des Templerordens zu sichern und in die Hände eines anderen christlichen Ritterordens zu überführen. Das Fort de Buoux war keine Ausnahme und fiel somit in den Besitz des Johanniterordens. Im Laufe des 14. Jahrhunderts und danach wechselte das Fort de Buoux mehrmals den Besitzer. Lokale Adelsfamilien, die von der strategischen Lage und den landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Forts profitieren wollten, übernahmen die Kontrolle. Diese Familien nutzten die Festung als Residenz und als Zentrum für die Verwaltung ihrer Ländereien. Ein bedeutender Besitzerwechsel ereignete sich im 16. Jahrhundert, als das Fort in den Besitz der Familie Agoult überging, einer einflussreichen Adelsfamilie der Provence. Die Agoults erweiterten und befestigten das Fort weiter, um es an die militärischen Anforderungen der Zeit anzupassen. Diese Aufrüstung erwies sich kurz darauf als besonders effizient, denn während der Hugenottenkriege wurde das Fort de Buoux seiner größten Belagerungsprobe ausgesetzt. Die Region Provence war ein Brennpunkt der religiösen Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten. Die Festung wurde von den protestantischen Hugenotten genutzt, die hier Schutz vor den katholischen Truppen suchten und die strategische Lage für ihre Verteidigung nutzten. Trotz zahlreicher Belagerungen und Kämpfe blieb das Fort de Buoux aufgrund seiner robusten Bauweise und strategischen Lage weitgehend uneinnehmbar. Die Festung diente als wichtiger Stützpunkt für die protestantischen Truppen und spielte eine entscheidende Rolle in den regionalen Auseinandersetzungen. Doch mit dem Ende des Hugenottenkrieges und der anschließenden Friedensphase in der Provence verlor das Fort de Buoux an Bedeutung, schließlich wurde es nicht mehr zur militärischen Verteidigung benötigt. Die Festung wurde zunehmend vernachlässigt und begann zu verfallen. Im 17. Jahrhundert wurde das Fort schließlich aufgegeben, da es keine strategische oder wirtschaftliche Rolle mehr erfüllte. Im 18. und 19. Jahrhundert geriet das Fort de Buoux weitgehend in Vergessenheit. Die umliegenden Ländereien wurden weiterhin landwirtschaftlich genutzt, aber die Festungsanlagen verfielen zunehmend. Die Mauern und Gebäude wurden teilweise als Steinbrüche genutzt, und viele der ursprünglichen Strukturen wurden zerstört oder beschädigt. Erst im 20. Jahrhundert begann eine Phase der Wiederentdeckung und Restaurierung des Forts de Buoux. In den 1970er und 1980er Jahren wuchs das Interesse an der Geschichte und den archäologischen Schätzen der Provence. Archäologen und Historiker erkannten den Wert des Forts und begannen mit Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten.

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