Inmitten der sonnenverwöhnten Landschaft der Provence, wo sich sanfte Hügel mit üppigen Weinbergen und historischen Dörfern abwechseln, liegt das bezaubernde Dorf Goult. Eingebettet in die atemberaubende Region Luberon, offenbart Goult ein harmonisches Zusammenspiel von Jahrhunderten alter Geschichte und unwiderstehlichem Charme. Von seinen steingepflasterten Straßen und den schattigen Plätzen bis hin zu den duftenden Lavendelfeldern, die die Umgebung säumen, lädt Goult seine Besucher auf eine Reise durch die Essenz der Provence ein. Dabei sticht das Dörfchen vor allem durch seine beeindruckende Architektur hervor, die eine Reise durch die Vergangenheit der Region erlaubt. Vor allem sein Schlösschen und die geschichtsträchtige Windmühle hoch oben auf dem Gipfel von Goult sind die Juwelen des Ortes.
Ort der Authentizität
Goult liegt in wunderschöner Lage, auf einem Hügel des Luberon-Massivs. Diese spektakuläre Lage trägt maßgeblich zum pittoresken Ambiente des idyllischen Dorfes bei, denn der Ort scheint in den tiefblauen Himmel der Provence emporzusteigen. Doch die erhöhte Lage verleiht dem Dorf nicht nur seinen malerischen Charme, sondern bietet auch die Möglichkeit, von verschiedenen Punkten aus die Schönheit der provenzalischen Landschaft zu bewundern. Denn von dem Gipfel eröffnet sich ein bezaubernder Rundumblick über die Weinfelder, Olivenhaine und Lavendelfelder, die die Region des Luberon prägen. Gleichzeitig glänzt Goult jedoch auch mit seinem eigenen Anblick, denn die Gemeinde ist ein Paradebeispiel für die provenzalische Architektur. Den Weg hinauf auf den Gipfel des Hügels, auf dem Goult liegt, ist von engen Kopfsteinpflasterstraßen durchzogen, die von blühenden Blumentöpfen und Fensterläden in warmen Farben gesäumt sind. Die Architektur in Goult ist geprägt von antiken Steinfassaden, die im Sonnenlicht golden schimmern. Insbesondere zeichnet sich das Dorf durch seine beeindruckende Architektur aus, zu der sein altes Schloss und seine ehrwürdige Mühle gehören. Beide Bauwerke liegen am höchsten Punkt von Goult, wobei beide prachtvolle Gebäude von unterschiedlichen Zeiten der Ortschaft erzählen. Wohingegen das mittelalterliche „Château de Goult“ (Schloss von Goult) heute in Privatbesitz ist und für die Öffentlichkeit unzugänglich, so ist die Mühle das Symbol des Ortes seit ihrer Erbauung im 17. Jahrhundert und noch heute in Betrieb.
Goult hat seinen Charme bewahrt, indem es seine Authentizität bewahrt hat. Anders als einige der bekannteren Touristenziele in der Provence ist Goult ein Ort, an dem das Alltagsleben der Einheimischen weitergeht. Besucher können in den malerischen Cafés entspannen, in den lokalen Märkten einkaufen und die köstlichen provenzalischen Gerichte in den Restaurants genießen. Das wöchentliche Highlight, bei dem die Authentizität des Ortes besonders greifbar ist, ist der bunte Wochenmarkt am Donnerstagmorgen. Wie viele Dörfer in der Provence verfügt Goult ebenfalls über einen lebhaften Bauernmarkt, der die lokalen Produkte und Handwerkskunst präsentiert, doch erstrahlt der Markt von Goult durch die traumhafte Kulisse in einem unvergleichlichen Glanz. Gleichzeitig ist der Markttag nicht nur eine Gelegenheit zum Einkaufen und Entdecken von lokalen Spezialitäten, sondern auch zum Mischen mit den Einheimischen und zum Erleben der lebhaften Atmosphäre.
Geschichte
Die Geschichte von Goult reicht weit zurück und spiegelt die wechselnden Einflüsse und Ereignisse wider, die die gesamte Provence im Laufe der Jahrhunderte geprägt haben. Dabei wird die historische Bedeutung von Goult in erster Linie durch die gut erhaltene Architektur des Dorfes selbst dokumentiert. Die erste Besiedlung des Hügels, auf dem Goult heute thront kann nicht genau datiert werden, doch wird davon ausgegangen, dass es wie seine Nachbardörfer bereits in der Antike von den Römern als strategisch günstiger Standort genutzt wurde. Allerdings lassen sich heute keine Spuren keltischer oder später römischer Besiedlung auf dem Gemeindegebiet finden, sodass Goult unter den Römern wahrscheinlich noch nicht als befestigte Kolonie oder Fort genutzt wurde. Jedoch befindet sich Goult im Herzen des Luberon, der viele ehemalige römische Kolonien umfasst, weshalb auch das Gebiet um Goult herum bei den Römern bereits genutzt wurde.
Doch es ist das Mittelalter, wo Goult das erste Mal in Erscheinung tritt und im Laufe dieser Epoche seine Blütezeit erlebt. Denn es ist nachzuweisen, dass während des 11. und 12. Jahrhunderts war Goult ein befestigtes Dorf, das von einer Stadtmauer und einem Schloss dominiert wurde. Beide mittelalterliche Bauten sind noch heute in dem Ort zu bestaunen. Vor allem das Château de Goult, das wahrscheinlich im 12. Jahrhundert erbaut wurde, ist noch heute der Juwel der Gemeinde. Ursprünglich wurde es wahrscheinlich als Festung zur Verteidigung der Region erbaut, denn von dem Hügel von Goult bietet sich die ideale Aussicht über die gesamte Region des Luberon. Allerdings wurde bald mehr aus der Festung, die mit zunehmender Bedeutung dieses strategisch günstigen Standortes zunehmend an Bedeutung gewann. Schnell wurde aus dem Verteidigungsfort ein kleines Schlösschen, um das sich die Ortschaft von Goult entwickeln sollte. So soll das Schloss von Goult auch für die Namensgebung der Gemeinde verantwortlich sein. Denn hier regierte die mächtige Familie Agoult, die im Mittelalter zu einer der führenden Adelsgeschlechter der Provence aufstieg, dabei jedoch nicht auf die Burg auf dem Hügel des heutigen Goult verzichten wollte. Mit der Zeit könnte das A aus Agoult verschlugt wurden sein und die Gemeinde nach ihrem Schlösschen der Agoults betitelt wurden sein. Allerdings ist dies nicht die einzige Theorie zum Namensursprung der Ortschaft. So herrschten die Agoults tatsächlich über das sehenswerte Schloss und ließen es aufwendig zu einem Schloss ausbauen, doch könnte der Dorfname auch von dem Hügel stammen, der die Gemeinde seit ihrer Gründung prägt. Denn in der provenzalischen Sprache bezeichnet das Wort „golth“ einen Berg oder eine Höhe, womit Goult jenes Dorf auf dem Berg wäre. Doch unabhängig von seiner genauen Herkunft ist der Name Goult heute eng mit der Geschichte und Kultur des Dorfes verbunden. So ist vor allem das Schlösschen das wohl eindrucksvolle Zeugnis der bewegten Vergangenheit des Ortes. Denn es weist verschiedene architektonische Stile auf, die die verschiedenen Epochen seiner Geschichte widerspiegeln. Zum einen zeigt es typische Merkmale eine mittelalterliche Festung, darunter dicke Mauern, Wehrgänge und Türme, doch zum anderen lassen sich hier auch elegante Elemente im Renaissancestil wie die Fener mit steinernen Gittern finden, die auf den Umbau des Anwesens unter den Agoults hindeutet.
Mit dem Bau des Schlosses und der zunehmenden Besiedelung des Gemeindegebiet, wurde Goult zu einer der zentralen Ortschaften in seiner unmittelbaren Umgebung im Mittelalter. Das Wachstum des Dorfes machte den Bau einer gut befestigten Stadtmauer notwendig, die neben der einstigen Festung, ebenfalls zur Verteidigung des Ortes gedacht war. Um die Bewohner des Dorfs vor möglichen Angriffen zu schützen errichten auch die Herrscher von Goult eine robuste Stadtmauer um ihr Hoheitsgebiet, wie es für diese kriegerischen Zeiten üblich war. Die Mauer von Goult ist, wie das Schlösschen und einige andere Bauten des Dorfes, eines der prägnanten Merkmale der Gemeinde und sinnbildlich für die provenzalische Authentizität in Goult. Denn auch sie wurde im klassischen provenzalischen Stil mit Wehrtürmen und Wehrgängen versehen, wobei sie eines der beeindruckenden Trockenmauerwerke ist, für das die Provence bekannt ist. Über die Zeit trotzte sie viele Angriffe auf Goult und schützte die Bewohner vor Konflikten aller Art. Denn, wie viele Orte in der Provence, blieb auch Goult nicht von den Wirren des Hundertjährigen Krieges und anderen bewegten Zeiten verschont. Vor allem nach den florierenden Zeiten im Frühmittelalter erlebte Goult Perioden, in denen das Dorf von Konflikten und Plünderungen heimgesucht wurde, was teilweise zu Entvölkerung der Gemeinde führte. Nach dem glorreichen Mittelalter verschlug es viele Provenzalen in die Täler der provenzalischen Landschaft, weshalb auch viele Bewohner von Goult das hochgelegene Dorf verließen. Allerdings hielt die mittelalterliche Stadtmauer den turbulenten Zeiten des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit stand und ist noch heute, im Gegensatz zu vielen anderen mittelalterlichen Mauern ihrer Nachbargemeinden, zu besichtigen. Nach wie vor schützt sie die Bewohner von Goult, auch wenn sie heute vor allem als beliebtes Ausflugsziel bekannt ist. Denn einige Passagen der ehrwürdigen Mauer sind heute begehbar, wodurch sie pittoreske Spaziergänge auf und neben der Stadtmauer von Goult mit atemberaubendem Blick auf die malerische Landschaft des Luberon eröffnen und man die Region auf eine einzigartige Weise entdecken kann.
Mühle des Windes
Hinter dem sagenumwobenen Schlösschen von Goult erhebt sich das Wahrzeichen von Goult: die „Moulin de Jérusalem“ („Mühle von Jerusalem“). Die Windmühle ziert den höchsten Punkt des Dorfes und wacht über den Ort und das Tal des Calavon, auf das sie blickt. Ihre Geschichte erzählt gleichzeitig jene von Goult, weshalb die Mühle ist ganzer Stolz des Ortes ist und besonders lieblich umsorgt wird. Gleichzeitig ist sie nicht nur ein beeindruckendes historisches Bauwerk, sondern lebendiges Zeugnis der traditionellen provenzalischen Landwirtschaft und damit Erbe der gesamten Provence. Als Windmühle nutzt sie den meisterlichen Wind der Provence, den Mistral, der die großen Flügel antreibt, die die Mühle von Goult auszeichnet. Windmühlen sind in der Provence weit verbreitet, schließlich beweist der Mistral allerlei Kraft, die sich die Provenzalen zu Nutze gemacht haben, um mit seiner Hilfe die schweren Mahlsteine im Inneren der Mühlen in Bewegung zu setzten. Dabei zeichnet sich die Moulin de Jérusalem nicht nur durch die Verwendung der ehrwürdigen Windkraft aus, sondern ist aufgrund ihrer bezaubernden Bauweise ebenfalls Zeugin der provenzalischen Architektur. Der Mühlentrum umfasst zwei Ebenen, die von einer mehr als ein Meter dicken Steinmauer geschützt werden und im Inneren durch eine Treppe verbunden sind. Gekrönt wird die Mühle von einem Kranz aus Quadersteinen, den sogenannten „cimas“, die charakteristisch für die Region sind. Gleichzeitig zeigt die Mühle von Goult in ihrer Architektur ihre Verwendung, denn noch heute ist der gewölbte Unterbau zu bestaunen, wo einst die schweren Mehlsäcke verladen wurden. Das Herz der Mühle, die Mühlsteinkammer, ist durch die Treppe zu erreichen, wo sich noch immer ein Mühlstein befindet, der heutzutage zur Vorführung der landwirtschaftlichen Tradition genutzt wird, jedoch Langezeit in Betrieb war.
Allerdings gehört sie nicht zu den altehrwürdigen Mühlen und Bauten der Provence, die schon seit der Antike oder seit dem Mittelalter die Dörfchen zieren, sondern ist vergleichsweise jungen Datums. Wohingegen die ersten Windmühlen in der Provence bereits Ende des 12. Jahrhunderts erbaut wurden, stammt die Moulin de Jérusalem wahrscheinlich erst aus dem späten 17. Jahrhundert. Jedoch ist ihr genaues Erbauungsdatum, wie bei vielen der historischen Bauten von Goult, nicht eindeutig bekannt. Fest steht hingegen, dass die Windmühle von Goult das erste Mal 1750 erwähnt wurde. Hier trug sie jedoch noch nicht ihren besonderen Namen und war auch noch nicht als Windmühle verzeichnet. Allerdings muss das Bauwerk, das auf provenzalisch als „Tré Casteau“ (hors du château – außerhalb des Schlosses) bezeichnet wurde, von einiger Bedeutung für die Region sein, denn diese Verzeichnung findet sich auf der „Carte de Cassini“ (Cassini-Karte), dem ersten Kartenwerk der Geschichte, das das damalige Königreich Frankreich in einer geodätischen Vermessung darstellte. Das hier, auf der schon von Ludwig XIV. 1668 in Auftrag gegebenen Karte, die Mühle von Goult verzeichnet und benannt wurde zeigt, welche Bedeutung diese Windmühle für das Dorf, aber auch für die umliegende Region hatte. Denn als Windmühle, die mit ihrem hochgelegenen Standort die Kraft des Mistrals hervorragend nutzen konnte, war für die landwirtschaftliche Versorgung der Region entscheidend. Bauern aus den umliegenden Landgütern brachten ihr Getreide hier hinauf, auf den Hügel von Goult, um es zu Mehl verarbeiten zu lassen. Die Mühle half damit, die Versorgung mit Brot und anderen Backwaren für die örtliche Bevölkerung sicherzustellen.
Den auffallenden Namen, den die Windmühle heute noch trägt, wurde wahrscheinlich um diese selbe Zeit als die Mühle auf der Carte de Cassini verzeichnet wurde, dem außergewöhnlichen Bauwerk verliehen. Denn Ende des 18. Jahrhunderts lag sie im sogenannten „Jerusalem-Viertel“, das auch das Schloss von Goult umfasste. Die auffallende Bezeichnung gilt als Hommage an die Herren von Agoult, die sich während der Kreuzzüge einen Namen gemacht haben. Eine weitere Ehrdarbietung der Leistungen der Agoults stellt dabei der Bau der Mühle selbst dar. Denn schon Anfang des 13. Jahrhunderts gewährte der Graf der Provence, den Nachfolgern der tapferen Agoults in Anerkennung an die geleisteten Dienste während der Kreuzzüge im 11. und 12. Jahrhundert, bestimmte Privilegien. Darunter erlaubte der Graf der Provence den Agoults und ihren Treueleuten, den Einwohnern von Goult, Getreide- und Ölmühlen zu errichten. Ob die Mühle von Goult daher schon im 13. Jahrhundert erbaute wurde, ist dabei nicht bekannt, jedoch aufgrund dieser explizit genannten Erlaubnis durchaus möglich. Trotz des Machtwechsels in Goult, bei der die Ortschaft in unter die Herrschaft der Familie de Sade im fiel und im 17. Jahrhundert an die Adelsfamilie de Donis ging, wurde die Mühle schließlich als Andenken an die Agoults mit ihrem besonderen Namen versehen.
Die Erben des Marquis de Donis verkauften Anfang des 19. Jahrhunderts die Moulin de Jérusalem an Einwohner von Goult, sodass sie schließlich an den Besitzer der Müllerfamilie Michel fiel. Sie betrieben die Windmühle als Getreidemühle und mahlten mit ihrer Hilfe ihr Mehl. 100 Jahre sollte die Windmühle von Goult nun in Besitz der Müllerfamilie bleiben und die Grundlage für die Versorgung der Region sicherstellen. Nach dem 1. Weltkrieg jedoch wurde sie außer Betrieb genommen und sich selbst überlassen. Doch nur wenige Jahre später, im Jahr 1950, sollte die Mühle von Goult eine ganz andere, unvergleichliche Funktion verliehen bekommen, die sonst keine Mühle der Provence innehatte. Denn die bis dahin verfallene Mühle auf dem hohen Gipfel von Goult mit hervorragendem Blick auf die Ebene des Calavon wurde von dem IGN (Institut géographique national – nationales geografisches Institut) für gerade einmal 200 Franc von der Familie Michel erworben. Hier baute das IGN eine ihrer Ausbildungsstätten, das astronomisch forschte und lehrte. Denn das IGN erkannte den idealen Standort unter dem provenzalischen Sternenhimmel, der hier, hoch oben auf einem der Gipfel des Luberon und inmitten des mediterranen Klimas, fast jede Nacht zu sehen ist. Über fünfzig Jahre lang wurden hier, unter dem Sternenhimmel von Goult jeden Sommer Auszubildene aus der ganzen Welt aufgenommen, die gemeinsam Grundlagen der astronomischen Forschung lernten und vor allem zum Fortschritt in der Positionsastronomie beitrugen. Als jedoch Ende des 20. Jahrhunderts das GPS erfunden wurde und geografische Daten nun nicht mehr anhand der Positionsastronomie bestimmt wurden, wurde auch der wissenschaftliche Standort in Goult aufgegeben. Kurzentschlossen erwarb die Gemeinde Goult selbst das Anwesen, dass so eng mit ihrer Geschichte und Kultur verbunden ist. Die Gemeinde begann mit der Restaurierung der Windmühle und verwandelte sie wieder in ihren ursprünglichen Zustand als Getreidemühle. Heute ist die Mühle von Goult daher wieder funktionsfähig und für die Öffentlichkeit zugänglich, wo zur Demonstration der landwirtschaftlichen Tradition der provenzalischen Kultur der tradierte Prozess des Getreidemahlens vorgeführt und in die Geschichte des Müller- und Backhandwerks eingeführt wird.