Sie ist der eigentliche Filmstar der südfranzösischen Glamourwelt: die Tarte Tropézienne. Als luftig-leichtes Gebäck verzauberte sie zuerst Brigitte Bardot, die der himmlischen Tarte ihren Namen gegeben haben soll. Doch nicht nur Filmstars sind eng mit der cremigen Tarte verbunden, auch in der Motorsportszene ist die Tarte Tropézienne fest verankert. Dabei ist ihre Herstellung eines der best behütetsten Geheimnisse der Mittelmeerküste, soll es heute nur drei Menschen geben, die das Rezept für eine echte Tarte Tropézienne kennen. Gleichzeitig hat sich die cremige Tarte zu einem traditionellen Gebäck der provenzalischen Kulinarik etabliert und ist vor allem aus ihrer Heimatstadt Saint-Tropez nicht mehr wegzudenken.
Eine Tarte für Brigitte Bardot
Die Tarte Tropézienne ist eng mit der Filmkulisse ihrer Heimatstadt Saint-Tropez verbunden. Sie entstand nicht nur während der Dreharbeiten in der Stadt, sondern ist auch mit einer der französischen Filmikonen, Brigitte Bardot, verbunden, die dem luftigen Kuchen seinen Namen gab. Alles begann mit dem Dreh des Films „Et Dieu créa la femme“ (Und immer wieder lockt das Weib), in der Brigitte Bardot als la Tropézienne die Hauptrolle spielen sollte. In Saint-Tropez, die Kulisse für das Filmdebut von Regisseur Roger Vadim, sollte ein begabter Patissier für die kulinarische Versorgung der Filmcrew sorgen. Mit dem Film gelangte Brigitte Bardot der internationale Durchbruch und mit ihr eine köstliche Tarte – die Tarte Tropézienne.
Dabei sollte die Verpflegung des Filmteams einem ganz besonderen Patissier in Saint-Tropez zufallen: Alexandre Micka, ein junger Konditor, der 1945 aus Polen nach Saint-Tropez gezogen und hier gleich neben dem Rathaus eine eigene kleine Boulangerie et Patisserie (Bäckerei und Konditorei) eröffnet hatte. Vor allem mit seinen köstlichen süßen Kreationen hatte er sich schnell in der französischen Küstenstadt einen Namen gemacht. Dabei war Alexandre Micka vor allem für eines bekannt: seine Patisserie, die er aus seiner Heimat Polen an die südfranzösische Küste brachte. Vieles, das er bereits in seiner Konditorei in Saint-Tropez kreierte, erinnerte an traditionelle Köstlichkeiten aus dem weit entfernten Polen. Der junge Konditor verband die polnische Konditorwelt mit jener Frankreichs und erschuf damit ganz neue Köstlichkeiten. Auch die Tarte Tropézienne ist ein solche multikulturelle Kreation, bei der Alexandre Micka auf das altbewehrte Rezept seiner Großmutter vertraute, dieses jedoch um den luftigen Briocheteig der französischen Küche erweiterte. Bereits 1952, 3 Jahre vor dem Filmdreh, soll Micka die Tarte aus der himmlischen Creme seiner Großmutter inmitten des herrlichen Briocheteigs, kreiert haben. Doch als er 1955 die Filmcrew von „Et Dieu créa la femme“ mit seinen traumhaften Süßwaren belieferte, verliebte sich Brigitte Bardot in die süße Luftigkeit aus der Konditorei Micka. Alles an dieser Creme-Tarte erinnerte Bardot an Saint-Tropez und so soll sie selbst Sie selbst Alexandre Micka vorgeschlagen haben, seinen köstlichen Kuchen „La Tarte Tropézienne“ zu nennen. Diesen Vorschlag konnte Micka selbstverständlich nicht ablehnen und verkaufte seitdem seine Creme-Tarte als Tarte Tropézienne. Es sollte nicht lange dauern, als die neue Lieblingstarte der berühmten Brigitte Bardot Schlagzeilen machte und Fans aus aller Welt jenen Kuchen probieren wollten, der Bardot verzaubert hatte.
Die Berühmtheit der köstlichen Tarte veranlasste Patissiers aus aller Welt, versuchen das Rezept nachzuahmen. Jedoch setzte Micka einiges daran, dass sein handgeschriebenes Rezept ein Geheimnis blieb, sodass es keinem anderen Konditor gelang, seine köstliche Creme nachahmen zu können. Der polnische Patissier soll sein Creme-Rezept auf einen runden Tortenboden geschrieben haben, den er hütete wie sein Augapfel. So wurde vanillig-zitronige Creme selbst zu einem gutbehüteten Geheimnis, der gemeinsam mit der Legend um die Verbindung der Tarte zu Brigitte Bardot, die Tarte Tropézienne zu einem süßen Mythos machte. Mit dem zunehmenden Erfolg der Tarte Tropézienne eröffnete Micka ein zweites Geschäft in Cogolin und wenig später sogar ein drittes in Saint-Maxime. In allen drei Ablegern der Micka Konditorei wurde ausschließlich die Tarte Tropézienne verkauft, die langsam zu einem der Wahrzeichen der Küstenstadt wurde. Anfang der 1970er soll ein fremder Feinschmecker Alexandre Micka dazu geraten haben, sein Meisterwerk patentieren und damit schützen zu lassen. Micka, der das Rezept um seine geliebte Tarte Tropézienne ohnehin wie sein Augapfel beschützte, war begeistert von der Idee und ließ wenig später 1973 sowohl den Namen als auch sein Rezept patentieren. Damit etablierte er die Marke „La Tarte Tropézienne“, die noch heute die originalen Creme Tarte nach dem Rezept Mickas herstellen.
Die Tarte Tropézienne und der Rennfahrer
1983 lockte die Tarte Tropézienne einen weiteren Besucher zu Alexandre Micka, mit dem der polnische Konditor schnell eine enge Freundschaft schloss – den ehemaligen Autorennfahrer Albert Dufrêne. Der ehemalige Autorennfahrer machte in diesem Jahr eine Reise an die Côte d´Azur und bei einem Stopp in Saint-Tropez wollte er sich selbstverständlich nicht die Köstlichkeit aus Mickas Konditorei entgehen lassen. Doch auch eine andere Verbindung führte Dufrêne in die Backstube von Alexandre Micka: Die Ehefrau von Micka stammte von der französischen Grenze zur Schweiz, aus Savoyen, wie auch Dufrêne. Micka bezog sein Mehl aus Savoyen, und zwar genau von den Nachbarn der Familie Dufrêne. Auf seiner Reise in den Süden Frankreich sollte Albert Dufrêne das Mehl seiner Nachbarn gemeinsam mit ein paar Spezialitäten aus Savoyen in die Konditorei von Micka bringen. Vollbeladen mit dem kostbaren Mehl und den Köstlichkeiten betrat Dufrêne 1983 die Patissierie von Alexandre Micka und es sollte ein unvergessliches Moment für beide werden. Denn schon auf den ersten Blick erkannte Micka, der sich inzwischen aus seinem Patisseriehandwerk zurückziehen wollte und einen würdigen Nachfolger für seine geliebte Tarte Tropézienne suchte, dass der Autosportbegeisterte genau der Nachfolger war, auf den Micka gewartet hatte. Dufrêne hingegen suchte nach neuen Herausforderungen und war wie jeder Gourmet schockverliebt in die luftig leichte Tarte Tropézienne.
Keine zwei Jahre später entschied sich Dufrêne schließlich für einen Lebenswandel und zog aus dem bergigen Savoyen an die Mittelmeerküste in die Backstube von Micka. Hier lehrte der polnische Patissier den französischen Rennfahrer die Kunst des Konditoreihandwerks und erkannte schnell, dass Dufrêne sein würdiger Nachfolger werden könnte. Es ging soweit, dass Micka sein gutbehütetes Rezept eines Tages Dufrêne offenbarte, womit die Tarte Tropézienne nun offizielle in die Welt einer neuen Generation überging. Im Juli 1985 übernahm Dufrêne offiziell die Konditoreien von Micka und ist seither das Gesicht der berühmten Creme Tarte. Doch damit nicht genug: Dufrêne war nach wie vor für den Rennsport begeistert und wollte seine neue Leidenschaft mit seinem alten Hobby verbinden. Er nutzte seine alten Kontakte und so wurde „La Tarte Tropézienne“ 1991 offizieller Caterer des Renault Formel 1 Teams. Wie einst Micka das Filmteam von „Et Dieu créa la femme“ versorgte, wurde nun die Sportler und Trainer des Renault Formel 1 Teams für mehr als 10 Jahre mit der cremigen Tarte beliefert. Daneben trat die Tarte Tropézienne bei prestigeträchtigen Formel 1 Veranstaltungen wie dem Grand Prix du Castellet als einer der Hauptsponsoren auf. Dufrêne gelang es so die Tarte Tropézienne nicht nur als Inbild der glamourreichen Filmwelt Saint-Tropez gelten zu lassen, sondern etablierte sie zu einem festen Bestandteil des internationalen Rennsports.
Ein luftig-leichter Traum
Die Tarte Tropézienne ist ein Traum aus schneeweißen Wölkchen, die von einem luftigen Briocheteig zusammengehalten werden. Zur Krönung des leichten Gebäcks wird der Kuchen mit glitzerndem Hagelzucker bestreut, was die berühmte Tarte veredelt. Herzstück des Briochekuchens ist seine cremige Füllung, für dessen Bezeichnung verschiedene Name kursieren. Es soll jene Creme sein, die Alexandre Micka nach dem Rezept seiner Großmutter angerührt hat. Es ist der unvergleichliche Geschmack nach Vanille mit einem Spritzer Orangenblütenwasser, mit der die Creme der Tarte Tropézienne alle Gaumen verzaubert. Gleichzeitig ist die Leichtigkeit und Cremigkeit der Füllung einzigartig, über dessen Geheimnis sich Patissiers der ganzen Welt den Kopf zerbrechen. Denn hier kommt es auf die ideale Mischung aus einer bestimmten Buttercreme sowie der Creme Patissière und Baiser-Schaum an, dessen ideale Komposition heute nur drei Personen auf der Welt kennen sollen und die dieses Geheimnis in der Tradition von Alexandre Micka zur Erhaltung des Prestiges und der Qualität der Tarte Tropézienne wahren.
Neben der unvergleichlichen Creme spielt auch die Brioche eine entscheidende Rolle. Sie sollte möglichst luftig sein, um die Leichtigkeit der himmlischen Creme zu unterstützen. Die gut gegangene Hefe-Brioche wird in zwei Hälften geschnitten, in deren Mitte die Vanille-Creme gestrichen wird. Zur Veredelung des Kuchens werden am Ende noch glitzernde Hagelzuckerkristalle auf die Brioche gestreut, die die Tarte Tropézienne in der mittelmeerischen Sonne von Saint-Tropez funkeln. Experimentiert wird auch mit neuen Kreationen, und seit den 1990er Jahren hat Dufrêne das Sortiment um einige Geschmacksrichtungen erweitert. Dabei bleibt die originale Tarte Tropézienne das Herzstück der Konditorei, die inzwischen nicht nur in Frankreich, sondern international einige Geschäfte eröffnet hat, in denen die sonnige Tarte die Gaumen der Welt erfreut.