Der Impressionist Pierre-Auguste Renoir fand in der Provence seine letzte Liebe. Zwar befand sich bereits an seinem Lebensabend als er die Vorzüge der Provence für sich erkannte, doch hielt ihn dies nicht von seiner Begeisterung für die Region ab. Wie viele seiner Künstlerfreunde seiner Zeit zog ihn das Leuchten der provenzalischen Farben, das unbeschreibliche Licht und die phänomenale Landschaft an. Außerdem sollte sein gesundheitliches Leiden unter der provenzalischen Sonne und der klaren, frischen Luft des Mittelmeeres gelindert werden. So zog er auf eine Domaine – die „Domaine des Collettes“ – wo er bis ins hohe Alter hinein unermüdlich die Natur der Provence malte. Es war wie ein Traum für den alten Maler, der nur auf die Aussicht in der Provence gewartet zu haben schien, die wie kaum etwas anderes seinen innovativen, impressionistischen Stil verkörperte. In der Provence fand Renoir endlich „sein“ Licht, das er Zeit seines Lebens gesucht und schließlich hier, mit der intensiven provenzalischen Sonne, ihren goldenen Strahlen und dem sanften Licht, gefunden hat.
Genesung durch die Provence
Renoir hat jeden Tag seines Lebens gemalt. Mit zunehmenden Alter waren seine Hände durch die viele Handarbeit müde geworden und seine Finger für die Pinselstriche durch rheumatische Arthritis geschwächt. Trotz seiner Leiden malte der Künstler unermüdlich weiter. 1903 entdeckte er endlich eine Möglichkeit zur Linderung der Leiden, die Renoir von seiner Leidenschaft aufzuhalten versuchten. Sein Arzt riet Renoir, die provenzalische Sonne mit ihrem sanft-goldenen Licht und ihrer wohltuenden Wärme sowie die klare Meeresluft als natürliches Heilmittel gegen seine rhematischen Beschwerden zu nutzten. Er war für Kuraufenthalte an die Mittelmeerküste der Provence gekommen, wo ihm das Mittelmeerklima tatsächliche Linderung verschaffte. Immer wieder kehrte er daher in die wohltuende Provence zurück, bis seine Aufenthalte immer länger und häufiger wurden. Renoir war durch seine Frau Aline bereits von dem Landleben in der Champagne begeistert und beschloss daher 1907, nach seinen häufigen Aufenthalten in der Provence, sich in die ländliche provenzalische Umgebung mit dem wunderbaren Klima dauerhaft niederzulassen. Unterstützt wurde er in seiner Entscheidung durch seinen Künstlerfreund Ferdinand de Conchy, der ihm neben seinen Kuraufenthalten auch in die provenzalische Lebensweise einführte. Schnell gelang es Renoir mit seinem guten Bekanten, bereits im Juni 1907 ein Anwesen zu erwerben. Er machte sich die „Domaine des Collettes“, ein ausschweifendes Anwesen mit großem Garten, in Cagnes-sur-Mer zu Eigen. Hier konnte Renoir vor allem in seinem weiten Garten der provenzalischen Natur so nahe sein, wie er es sich immer gewünscht hatte. Sein provenzalischer Traum wurde durch ein kleines „mas“, ein Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert, komplementiert, in das er mit seiner Frau und seinen drei Kindern zog und das Renoir jedoch bald nach dem Einzug ausbauen ließ. Die„Domaine des Collettes“ erzählt auf unvergleichlich intensive Art und Weise die Geschichte der Provence, denn sowohl das alte „mas“ als auch der große Garten erzählen die Geschichte von einem tradierten Leben in der Provence. Vor allem die Pflanzen im Garten wurden zur Zeitkapsel für Renoir, wo er sich inmitten der jahrhundertealten Olivenbäume und duftenden Zitruspflanzen, die wie Balsam für seinen Körper und seine Seele waren, täglich aufhielt. Am liebsten hatte er selbst an dem charmevollen Anwesen nichts geändert, doch auf Wunsch seiner Frau Aline ließ Renoir das kleine Bauernhäuschen in ein größeres Anwesen mit zwei Ateliers ausbauen. Aline wollte ein Haus beziehen, das nicht nur dem berühmten Künstler in ihren Augen angemessen war, sondern auch genügend Platz für die fünfköpfige Familie bot. So ließ Renoir „Les Collettes“ umbauen, und zu dem alten „mas“ gesellten sich Bauten im neo-provenzalischem Stil. Trotz des modernen Umbaus behielt der große Garten seinen Charme und Renoir konnte sich hier unter freiem Himmel der wilden Natur der Provence widmen. Seine zwei großen Ateliers, die im Zuge der Umbauarbeiten entstanden, boten ihm gleichzeitig idealen Raum, um jeder Zeit ungestört arbeiten zu können. Hier nutzte er bis zu seinem Tod 1919 jede Gelegenheit, um seinem künstlerischen Talent Ausdruck zu verleihen.
Heute ist aus dem Anwesen von Renoir, das „Les Collettes“, zum „Musée Renoir“ geworden und ist seit 1960 als Museum Teil der Gemeinde von Cagnes-sur-Mer. Es bleibt das Zeugnis der kreativen Welt des Impressionisten, denn hier sind nicht nur 14 Gemälde und 40 Skulpturen ausgestellt, die Renoir in seinen 12 Jahren am Mittelmeer erschuf, sondern auch die Zimmer und Renoirs geliebter Garten so erhalten, wie es der Künstler hinterließ. Beinahe kann man die Provence aus den Augen des Impressionisten sehen und bei einem Vergleich der kunstvollen Werke, in denen Renoir seine Provence festhielt, mit den realen Motiven sich selbst von dem sanften Licht der Provence verzaubern lassen. Das Licht von Renoir, das er Zeit seines Lebens gesucht und in „Les Collettes“ gefunden hat, umspielt noch immer die uralten Olivenbäume und lässt die provenzalische Landschaft in den intensiven Farben erleuchten, die Renoir in seinem impressionistischen Stil verewigt hat. Neben den Kunstwerken von Renoir kann hier jeder Besucher in die Welt des Künstlers eindringen und sich wie Renoir von der Schönheit der Provence in den Bann ziehen lassen.
Ein provenzalischer Traum
Wie Renoirs Sohn bereits über seinen Vater schreibt, war die Provence für Renoir eine wahre Oase für sein künstlerisches Schaffen. Trotz seines Rheuma-Leidens gelang es Renoir bis zu seinem Tod weiterhin zu malen und das vornehmlich im Garten seines ausschweifenden Anwesens. Er genoss die herrliche Sonne der Provence, die klare Luft durch den Mistral und das leise Rauschen des Mittelmeers. Die Provence schien seine Leiden zu lindern und den Künstler zu neuen Wundertaten anzuspornen. Zwar war er ab 1912 an den Rollstuhl gefesselt, doch hielt ihn dies nicht davon ab, weiterhin unter der provenzalischen Sonne zu malen. Unablässig saß er in seinem bezaubernden Garten und schuf dort bis zu seinem Tod unermüdlich neue Kunstwerke. Seine Leidenschaft für die Malerei konnte der Künstler nicht aufgeben, auch als seine Hände den Pinsel nicht mehr halten wollten. Er ließ sich kurzerhand den Pinsel an seine Hand binden, sodass er auch mit seiner rheumatischen Arthritis weiterhin malen konnte. Jeden Tag soll er in seinem Garten gesessen und gemalt haben, den Pinsel an seiner Hand montiert und mit dem Blick immer zu über die Schönheit der provenzalischen Natur geschweift sein. In seiner Zeit in der Provence widmete er sich vor allem der Landschaftsmalerei. Sein Blick von seinem traumhaften Garten in Cagnes reicht bis ans Meer und zeigt sogar die Dächer der Altstadt des provenzalischen Küstenortes. Hier konnte Renoir den Traum der Provence nicht nur erleben, sondern ihn auch in seinem außergewöhnlichen Stil verewigen. Es entsteht seine letzte Künstlerperiode, die „Période Cagnoise“, in der Renoir vor allem seinen provenzalischen Garten mit den jahrhundertealten Olivenbäumen und dem pittoresken Hof zeigt. Der Garten wird zu seiner Oase, wo der zwar von Schmerzen gezeichnete, aber immer noch tüchtige Renoir auch seine Künstlerfreunde einlädt. So sollen Monet, Picasso, Matisse oder Rodin in dem eindrucksvollen Garten gestanden haben und gemeinsam mit dem Meister des Impressionismus die Schönheit der Provence bewundert haben. Der Garten von „Les Collettes“ kann daher als einer der künstlerischsten Orte in der Provence angesehen werden. Ausgehend von der einstigen Domaine verewigten einige namenhafte Künstlerinnen und Künstler die provenzalische Landschaft, womit sie zum Treffpunkt für die Künstler aus Paris wurde, die in der Provence ihre Liebe gefunden haben.
Allerdings ist es nicht unbedingt die Malerei, die Renoir mit der Provence verbindet, sondern eine andere ehrwürdigen Kunsttradition der Provence – der Töpferei. Renoir selbst war gelernter Porzellanmaler und arbeite leidenschaftlich mit Keramik, die er auch für sein künstlerisches Schaffen nutzte. Die Provence galt Langezeit als französisches Zentrum der kostbaren Fayence-Keramik und der wundersamen Kunst, die auf dem edlen Material gemalt wurde. Das Töpferhandwerk faszinierte bereits Renoirs Künstlerfreunde Picasso und Chagall, die sich beide angeregt durch die provenzalischen Keramikmeister, an der bildenden Kunst versuchten. Kaum ein anderer Künstler als Renoir hätte in dieser Zeit die Malerei aus Paris mit der Töpferei in der Provence verbinden können, schließlich war das Bemalen von Porzellan der Anfang der künstlerischen Karriere von Renoir gewesen. Und so ließ sich Renoir auch in der Provence nicht von der bildenden Kunst abhalten. Neben seinen eindrucksvollen Malereien, die oft die provenzalische Landschaft zeigten, erschuf er auch einige Skulpturen während seiner 12 Jahre in der Provence. Das Töpfern fiel ihm zwar aufgrund seiner Arthritis noch schwerer als das Malen mit befestigtem Pinsel, doch war seine Leidenschaft aus seiner Jugendzeit für die Keramik- und Porzellankunst zu groß, als dass er diese gänzlich aufgeben konnte. Allerdings musste er erfinderisch werden, um seiner Begeisterung für die Bildhauerei Ausdruck zu verleihen. So nutzte er die geschickten Hände eines Anderen für seine Zwecke. Ein anderer sollte genau das formten, was sich der Meister ausmalte. Kurzentschlossen lehrte Renoir im hohen Alter den jungen Künstler Richard Guino, die Bildhauerei in seinem Ermessen zu erschaffen. Guino war ein junger Schüler des Künstlers Aristide Maillol, der von Renoir sehr geschätzt wurde und der für seine Bildhauerei und künstlerische Plastik berühmt war. Von ihm ließ sich Renoir wieder in die Kunst einführen, die Renoir in seiner Jugendzeit erlernt hatte und gab gleichzeitig sein kostbares Wissen dem jungen Guino mit, sodass es auch nach Renoirs Tod in der Kunst weiterleben kann. Damit kehrte Renoir während seiner Zeit in der Provence zu seinen ersten Malarbeiten zurück, die ihn einst mit 13 Jahren in die Kunstwelt eingeführt hatten.
Montmartre der Provence
Renoir machte das kleine Küstenstädtchen Cagnes-sur-Mer durch seinen Aufenthalt berühmt. Neben Paris folgten viele seiner Künstlerfreunde dem Impressionisten hierhin und ließen sich sogar zeitweise hier nieder. Cagnes-sur-Mer wurde zu einem Künstlertreffpunkt, einem Zentrum der Kunst und der Kunstschaffenden und wurde nach Renoirs Tod 1919 bis in die 1960er Jahren sogar als „Montmartre der Côte d´Azur“ bezeichnet. Renoir selbst hatte einiges daran gelegen, seinen Künstlerfreunden sein neues Anwesen und seine neue Muse, die provenzalische Landschaft, zu zeigen. Oft kamen daher einige namenhafte Künstler zu Besuch, die gemeinsam mit Renoir im pittoresken Garten von „Les Collettes“ saßen und malten. Doch nicht nur die Villa Renoir war durch die Ankunft des Impressionisten zu einem Künstlertreff des Ortes geworden. Vielmehr entwickelte sich die gesamte Gemeinde zu einem Kunstzentrum sondergleichen, schließlich ist das Städtchen heute stolz auf seinen berühmten Bewohner und nennt sich ihm zu Ehren gerne „cité de Renoir“ (Stadt von Renoir). So kamen aus der gesamten Welt Künstlerinnen und Künstler nach Cagnes-sur-Mer, um das künstlerische Ambiente, das einst Renoir fasziniert hat, jedoch auch durch den Aufenthalt des Impressionisten selbst geschaffen wurde, zu erleben. Doch es waren nicht nur Malerinnen und Maler unter den neuen Gesichtern in Cagnes-sur-Mer. Auch Künstlerinnen und Künstler anderer Disziplinen; aus Literatur, Gesang und Theater, kamen in das kleine Örtchen an der Mittelmeerküste. Damit hatte Renoir den Ort, an dem er endlich „sein Licht“ gefunden hat, zu einem außergewöhnlich künstlerischen Ort gemacht, der noch heute als eines der Kunstzentren der Provence gilt.