Die literarischen Werke von Henri Bosco gehören zu den Klassikern der französischen Kinder und Jugendbuchliteratur. Dabei machte er die Provence zum Mittelpunkt seiner Literatur. Die sonnigen Felder, das ländliche Leben und die natürliche Idylle der Region ist Kulisse für viele von Boscos Werken. So ist es Bosco zu verdanken, dass viele Franzosen die herrliche Landschaft der Provence mit ihrer Kindheit und den traumhaften Welten verbinden, die Bosco in seinen Werken beschrieb. Damit machte der Schriftsteller die Provence zu einer fantastischen Traumwelt vieler Kinder und Jugendliche, die die Märchenwelt auch in der echten Welt bereisen können. Der provenzalische Literat bringt mit seinen bedeutenden Werken die Sanftheit und Behutsamkeit seiner Region, in der er sich stets wohl und behütet fühlte, in die große weite Welt und macht die Provence zum Kindheitstraum vieler.
Bosco und Lourmarin
Eigentlich wurde Henri Bosco 1888 in Avignon geboren, doch seine Familie entschloss sich raus aus der Stadt in die ländliche Provence zu ziehen. Die Bosco-Familie zog in das provenzalische Dörfchen Lourmarin, das damals wie heute das wahre Kontrastprogramm zum hektischen Stadtleben bildet. Der kleine Bosco wuchs inmitten des friedlichen ländlichen Gemüts von Lourmarin auf. Es war eine ruhige und sinnliche Umgebung, in der Bosco großwurde und deren heimisches Idyll er nie vergessen sollte. Inmitten des Luberon, wo Lourmarin als Passage zwischen Kleinem und Großen Luberon zentral liegt, erfreute sich Bosco als Kind vor allem an der herrlichen Landschaft mit ihren weiten Feldern, einladenden Farben und seinen vielen Freunden der Tier- und Pflanzenwelt. In seinem späteren Leben kehrte er immer wieder in seinen Heimatort zurück, der für ihn das wohl schönste und sinnlichste Fleckchen Erde darstellte. Lourmarin zog Bosco immer wieder in seinen Bann, sodass der Literat gar nicht anderes konnte, als sich immer wieder hier niederzulassen.
Henri Bosco lag daher immerzu der Erhalt des traumhaften Idylls von Lourmarin am Herzen. So wurde er nach dem Ersten Weltkrieg zu einem der großzügigsten Unterstützer der Restaurierung des wunderschönen Schlösschens von Lourmarin. Inzwischen war Bosco angesehener Literaturforscher und widmete sich vor dem Hintergrund seines Berufes besonders der ehrwürdigen Bibliothek des Schlösschens. Hier sortierte und regestierte er die mehr als 42.000 Bücher und schuf Ordnung im außergewöhnliche Literatur-Erbe des Schlosses von Lourmarin. Gleichzeitig wollte er bei dem Konzept der gerade erst ins Leben gerufenen Stiftung von Lourmarin, die Künstlerinnen und Künstler in ihrer Arbeit unterstützten, mitwirken. Er trat somit in die Stiftung ein und organisierte die kreativen Veranstaltungen, Ausstellungen und Zusammenkommen der künstlerischen Geister aus ganz Frankreich. Bis dahin war Bosco stets von Literatur begeistert und als Literaturforscher bestens mit der Materie bekannt, doch schrieb er bis dahin noch nicht selbst. Das künstlerische Ambiente in Lourmarin, welches auch ihm zu verdanken war, regte Bosco nun selbst dazu an, literarisch aktiv zu werden. Dabei war es insbesondere das „Château de Lourmarin“, das als künstlerisches Zentrum Bosco stets neue Gedanken, Ideen und Ansporn für seine nächsten Werke gab. Als Kulisse und Inspirationsquelle für seine ersten Romane nahm er die Region, die ihn bereits in seiner Kindheit zum Träumen angeregt hat: den Luberon. So erschien 1924 sein erster Roman „Pierre Lampédouze“, der selbstverständlich an den Füßen des Luberon spielt. 1955 schließlich erstand Henri Bosco ein kleines Landhaus in Lourmarin, das zu seinem Rückzugs- und Wohlfühlort wurde. Es war der ideale Ort für Bosco, mit direktem Blick auf seinen geliebten Luberon und unweit seiner künstlerischen Muse, dem Schloss von Lourmarin. So lässt der Schriftsteller ein paar seiner Handlungen sogar in oder direkt um sein eigenes provenzalisches Häuschen spielen.
Nachdem Bosco mit dem Schreiben begann, wurde seine Werke schnell zu französischen Klassikern. Ob es sein eigenes Häuschen, das Örtchen Lourmarin oder die wundersame Natur des Luberon war – Bosco schöpfte aus der Provence Meisterwerke der französischen Literatur. Viermal wurde Bosco für den Literaturnobelpreis nominiert, gewann ihn jedoch nie. Auf französischer Ebene wurde er jedoch oft mit renommierten Preisen für seine Werke geehrt. Dabei bleibt Henri Bosco stets seinem kleinen Heimatort im Luberon treu, auch wenn er an verschiedenen Stellen des Mittelmeerraumes gelebt hat, so kehrte er immer wieder nach Lourmarin zurück. Trotz seiner Liebe für diesen einen provenzalischen Ort, sahen sich Avignon, der Geburtsort von Bosco, und Nizza, wo Bosco starb, verpflichtet, Henri Bosco zu ihrem Ehrenbürger zu ernennen. Als der Schriftsteller 1976 in Nizza stirbt, wird er jedoch ehrenvoll in Lourmarin bestattet, als Hommage an seine Liebe für seine Wahlheimat. Es ist der Dank der Gemeinde an ihren berühmten Einwohner, der seinen Traum der Provence in Worte fasste und die ganze Welt mit seiner Begeisterung ansteckte.
Der Traum vom Luberon
In vielen seiner Werke lässt Bosco seine Charaktere in der Provence spielen. Immer wieder sind es die sinnlichen Farben, das sanfte Licht und die weiten Felder, die die Kulisse für die Romane von Bosco bilden. Bosco selbst beschrieb die Landschaft des Luberon, in der er heranwuchs, einmal als eine „wissende Landschaft, eine Landschaft, in der sich die tiefen Gesetzte des Lebens spiegeln“. Für ihn ist es die ideale Kulisse, um Heranwachsenden das Leben zu erklären und gleichzeitig eine spannende wie nahbare Geschichte zu erfinden. Die provenzalische Natur ist daher Hauptschauplatz seiner Literatur, wobei ihn insbesondere eine Region der Provence besonders verzauberte: seine Heimat des Luberon. Denn in seinem Herzen wuchs Bosco inmitten des Luberon auf, schließlich lebte er in Lourmarin zwischen dem Großen und Kleinen Luberon. In seinen Erzählungen lassen sich immer wieder Anspielungen auf seine Heimatregion finden. Dabei stellt Bosco den Luberon als eine mystische, sagenumwobene und märchenhafte Landschaft dar, in der alles möglich erscheint. Denn der Schriftsteller sagte von sich selbst, dass er die Schwingungen der Natur des Luberon, sein Ambiente und all seine Geschichten spüren könne. Nirgendwo anderes als in der Provence würden ihn die Natur so sehr einnehmen wie in seinem geliebten Luberon. Das, was er in der Provence empfand, verewigte er in seinen literarischen Werken und machte damit das provenzalische Lebensgefühl für andere erfahrbar. Er transportiert das Savoir-Vivre der Provenzalen sowie die Schönheit der provenzalischen Landschaft durch seine Sprache und seine Erzählungen. Die Provence wird dadurch für sein zunehmend junges Publikum zu einer märchenhaften Traumwelt, in der sie selbst gerne leben würden. Bosco ist es damit zu verdanken, dass viele von der Provence träumen und ein durchweg malerisches Idyll vor Augen haben, wenn sie an die Region im Süden Frankreichs denken.
Vor allem mit seinem bekanntesten Werk „L’Enfant et la rivière“ (deutscher Titel: Die schlafenden Wasser), das zu einem Klassiker der französischen Kinder- und Jugendliteratur gehört, machte Bosco seinen Traum von der Provence in ganz Frankreich berühmt. Der Fluss, der schon im Titel des Werkes eine entscheidende Rolle spielt, ist nämlich kein anderer als die Durance, einer der provenzalischen Flüsse, der unteranderem auch das Tal des Luberon bildet. Für Bosco ist der Fluss bestens vertraut, denn er unternahm in seiner Kindheit immer wieder Ausflüge an die Ufer des damals noch wildtosenden Flusses. Es ist eine faszinierende Umgebung für den jungen Bosco, der von den lebendigen Flussschnellen beeindruckt wie auch erschrocken ist. Für ihn wird die Durance Schlüsselbild vieler seiner Lebenserfahrungen und daher auch immer wieder Kulisse seiner späteren literarischen Werke. Oft verarbeitet er seine Träume, die er während seiner Ausflüge an der Durance durch den tosenden Fluss bekam, in den Geschichten seiner Romane und beschreibt den provenzalischen Fluss im Detail. Die Durance ist der Ursprung seiner Faszination für das Wasser, das er immerzu in seinen Romanen verewigte und das Wasser manchmal sogar personifizierte und als einer seiner Charaktere auftreten ließ. Die Provence bot ihm allerlei wässrige Inspirationsquellen von den verschiedenen Flüsschen, den plätschernden Quellen aus den provenzalischen Bergmassiven wie dem Luberon oder dem Mittelmeer an der provenzalischen Küste. In „die schlafenden Wasser“ erreicht seine Faszination für das provenzalische Wasser schließlich ihren Höhepunkt, denn in dem Protagonisten des Entwicklungsromans, dem jungen Pascalet, spiegeln sich einige Erfahrungen wider, die Bosco im Luberon aber vor allem an den Ufern der Durance erlebt hat. Dabei wird die Durance nicht nur Hauptschauplatz, sondern personifiziert Bosco seinen geliebten Fluss, der dadurch in „die schlafenden Wasser“ zu einer der Hauptfiguren wird. Pascalet erlebt allerlei Abenteuer an und mit der Durance, die sich Bosco selbst als Kind an den Ufern erträumt hat. Indem er diesen bedeutenden Roman in der Provence spielen lässt, wird seine Begeisterung für das Wasser und seiner ewigen Freundin der Durance gleichzeitig zur Freundschaft vieler Kinder, die gespannt in die Geschichte von „L’Enfant et la rivière“ eintauchen. Auch in anderen Ländern wurde die Durance zu einer Landschaft des Heranwachsens und der Lebenserfahrungen, denn der Roman von Bosco wurde in über 30 Sprachen übersetzt.
Allerdings ist es nicht nur das Wasser, das Bosco so sehr am Luberon fasziniert. Vielmehr personifiziert er die gesamte provenzalische Welt, die lokalen Bräuche, Traditionen und Kulturen. So lässt er in „Le Mas Théotime“ (Der Hof Theotime) ein typisches provenzalisches Häuschen, ein „mas“, zum Leben erwecken. Das Landhäuschen dient dabei nicht nur als Kulisse für die märchenhafte Erzählung, sondern ist selbst Hauptfigur des Romans. Das Haus wacht über die anderen Charaktere der Erzählung, hütet und beschützt sie, aber stellt sie gleichzeitig der Hindernisse und Schwierigkeiten des Lebens. Allerdings lässt Bosco in seinen Werken auch immer Figuren mitspielen, die an reale Provenzalen erinnern, die er während seiner Zeit in der Region getroffen und die großen Eindruck auf ihn gemacht haben. Vor allem Persönlichkeiten, denen er in seiner eigenen Kindheit begegnete, tauchen in seinen Werken auf. Denn als der Bosco jung war, konnten seine Eltern nicht immer auf ihn aufpassen und so streifte er viel durch das kleine Lourmarin und kam mit allerlei Menschen in Kontakt. Manche Begegnungen regen den jungen Bosco zum Träumen an; die er gepaart mit seiner Begeisterung für die sinnliche Natur schnell zu seiner eigenen fiktiven Welt mit allerlei Charakteren. Wie viel von den realen Persönlichkeiten tatsächlich in seinen Erzählungen zu finden sind, ist schwierig zu erfassen, da Bosco schon früh mit dem Träumen begonnen hat. Allerdings lässt sich festhalten, dass er in großem Maße von der Provence und ihren Bewohnern beeinflusst wurde.
Jedoch ist es nicht die bloße Beschreibung der Provence, die die Region so zum Leben erweckt, sondern ist es Boscos Fantasie und überzeugenden Schreibstil zu verdanken, dass die provenzalische Natur, Kultur und Bewohner so fantastisch erscheinen. Vieles, was er in seinen Romanen erzählt, sind fiktive Märchen, in denen oft Pflanzen, Steine und Tiere zum Leben erweckt werden. Es ist die Märchenwelt, in der sich Bosco Zeit seines Lebens im Luberon befand. Denn er war immer ein Träumer, weshalb die provenzalische Natur ihm allerlei Geschichten erzählte. Er war daher fast immer in den grünen Wäldern, den weiten Feldern oder den rauen Bergen der Provence unterwegs, um neue Inspiration für seine Werke zu finden. Schon seit seiner Kindheit träumte Bosco immer, wenn er diese Landschaft betrat. Gleichzeitig eignete er sich ein ungeheures Wissen über die provenzalische Tier- und Pflanzenwelt an, informierte sich über die Geschichte der verschiedenen provenzalische Ortschaften und interessierte sich außerordentlich für die provenzalischen Traditionen. All dieses Wissen über die Provence ließ er schließlich in seine Werke einfließen. Die realen Gegebenheiten vermischte er dabei mit seinen träumerischen Fantasien, die er in der herrlichen Landschaft entwickelte. Die Natur der Provence wurde dadurch umso lebendiger und bunter als Bosco ihr eine eigene Stimme gibt.