Die Départments der Provence

Die Provence ist groß, denn sie beherbergt gleich sechs verschiedene Départements. Offiziell ist ihre Region als „Provence-Alpes-Côte d´Azur“ (PACA) betitelt, doch lässt sich bereits in diesem langen Namen erkennen, wie vielseitig die Provence ist: Von malerischen Dörfern, bedeutenden Kleinstädten, international bekannten Metropolen über den violetten Traum, endlose Wein- und Olivenhaine bis zu hohen Bergen, schroffen Felsen und dem wilden Mittelmeer – die Provence hat unendlich viele Gesichter. Jedes Département verzaubert auf seine eigene Art und Weise und wird doch mit seinen Nachbarregionen in dem provenzalischen „Savoir-Vivre“ vereint.

Die „Provence“

Die „Provence“ lässt nicht in einer einfachen Definition zusammenfassen. Für manche umfasst sie nur ein paar wenige Départements von Südfrankreich, für andere ist sie die gesamte Region PACA und für wieder andere gehen manche provenzalischen Traditionen sogar über die Grenzen von PACA hinaus. Doch diese Vielseitigkeit ist genau das, was die Provence ausmacht. Dabei mag kaum einer vermuten, dass sich der Name der malerischen Region mit ihren vielen Gesichtern bereits in der Antike etablierte. Denn ihre Bezeichnung stammt von den Römern, die sie nach der Eroberung im 2. Jahrhundert v.Chr. als „Provincia Narbonesis“ bezeichnete. Es ist der Begriff „provincia“, Provinz, der bis heute die provenzalische Region im Süden Frankreichs bezeichnet. Dabei war die „Provincia“ schon zu Römerzeiten eine international entscheidende Region, denn sie war die stärkste romantisierte Region des Römischen Imperiums außerhalb Italiens. Aufgrund ihrer Nähe zu Rom war sie außerdem einer der ersten Gebiete, die die Römer nach ihrer Vorherrschaft in Italien eroberten. In Römerzeiten spielte die Provence daher eine äußerst wichtige Rolle, die noch heute in den zahlreichen Spuren der Antike zu sehen sind, die sich immer wieder in der gesamten Provence finden lassen. Zudem offenbaren diese römischen Überreste, dass viele der heute bekannten Ortschaften bereits in der Antike florierten. Doch auch im Mittealter entstanden einige einflussreiche Zentren, die in der europäischen Welt weiterhin von Bedeutung waren. Zeitweise wurde die Provence sogar zum Zentrum des wichtiigen mittelalterlichen Christentums, als der Papst seinen Sitz in die Kleinstadt Avignon versetzte. Es war auch zu dieser mittelalterlichen Zeit, als aus dem Begriff „provincia“ „Provence“ wurde. Nun konkurrierten verschiedene Herrscher um Macht und Einfluss in der kulturell und wirtschaftlich bedeutenden Region, die schließlich in unterschiedliche Grafschaften geteilt wurde. Eine von ihnen war die Grafschaft der Provence, womit der Begriff der Provence in Anlehnung an die römische Bezeichnung erstmals offizielle benutzt wurde. Nach der Französischen Revolution wurde die provenzalischen Grafschaften in unterschiedliche Départements aufgeteilt, die bis heute bestehen. Gemeinsam wurden die sechs ernannten Départements jedoch erst 1960 als die Region Provence-Alpes-Côte d´Azur (PACA) zusammengefasst, um den einheitlichen Charakter dieser Region, die schon in der Antike erkannt wurde, aufrechtzuerhalten. Anfangs umfasste PACA noch Korsika, doch trennte sich die Insel bereits 1970 von der heute auch gerne nur als „Region Sud“ betitelten Region.

Als typische Provence werden von vielen insbesondere die Départements „Vaucluse“, „Bouches-du-Rhône“, „Var“ und „Alpes-de-Haute-Provence“ gezählt. Doch auch in den beiden anderen Départements „Hautes-Alpes“ als Symbol der französischen Alpen und „Alpes-Maritimes“, das Inbild der Côte d´Azur ist, tragen einige charakteristische Züge der Provence in sich. Denn durch eines zeichnet sich die Provence besonders aus: ihre Vielseitigkeit und eigenständigen Merkmale all ihrer unterschiedlichen Départements. Denn die sechs Départements könnten heute nicht unterschiedlicher sein, doch vereinen sich nichtdestotrotz in der bunten Provence. Sie alle sind für ihre eigenen Spezialitäten, Eigenarten und besonderen Landschaften bekannt und geben der Provence ihre vielen Gesichter.

Alpes-de-Haute-Provence

Bis 1970 war das Département mit der Ordnungsnummer 04 noch unter dem Namen „Basse-Alpes“ bekannt. Denn im Gegensatz zu den hohen Alpen im Norden, wird „Alpes-de-Haute-Provence“ durch die Niederalpen geprägt. Langezeit war es die Ortschaft Forcalquier, die als mächtige Grafschaft das Sagen in der Region hatte. Allerdings ist das Département der Niederalpen weniger für seine durchaus pittoresken Dörfchen bekannt, sondern vor allem für ihre besondere Vielfalt an Landschaften und der reichhaltigen Natur aus. Denn es ist die Heimat des violetten Blütenmeeres, das das Postkartenmotiv der Provence ist. Auf dem hiesigen „Plateau de Valensole“ können im Sommer die beeindruckenden Lavendelfelder bestaunt werden, die sich scheinbar ins Endlose auf die Ebene erstrecken. Doch auch für eine weitere Naturschönheit ist das „Alpes-de-Haute-Provence berühmt: die märchenhafte Verdon-Schlucht, die mit ihrem türkisfarbenen Wasser inmitten der hohen, weiß-grünen Felswände ein wahres Zauberland ist. Sie zeigt die Kraft des Wassers, das dieses Département geprägt hat. Denn in dem recht dünn besiedelten Gebiet hat die provenzalische Natur die Oberhand, weshalb die Bewohner der Niederalpen besonderes naturverbunden leben.

Alpes-Maritimes

Es sind die Alpen, die sich bis zum Mittelmeer erstrecken, die den Namen des Départements mit der Nummer 06 prägen. Die Seealpen begrenzen das östlichste Département der Provence zu Italien. Gleichzeitig grenzt Alpes-Maritimes an das Fürstentum Monaco an. Wie seine glamourösen Nachbarstaaten, lassen sich im „Alpes-Maritimes“ ebenso glanzvollen Orte finden. Denn mit Nizza als ihr Verwaltungssitz, Cannes als Hauptstadt des Films und der Welthauptstadt des Parfum Grasse, sind die Städte Alpes-Maritimes weltberühmt. Sie machen das Département zum Inbild der Côte d´Azur. Es ist die Welt der Künstler und Stars, die hier gesehen werden wollen und die Côte oft bereisen. Nicht ohne Grund haben sich hier schon Anfang des 20. Jahrhunderts die Berühmtheiten der Welt niedergelassen, um unter dem Meeresrauschen das Leben an der Côte in vollen Zügen zu genießen. Ein Künstlerort scheint dabei besonders herauszustechen: Antibes. Hier ließen sich gleich mehrere namenshafte Künstlerinnen und Künstler nieder, unter ihnen der spanische Maler Pablo Picasso, der sich mit seinem Aufenthalt in Antibes in die Côte verliebte. Doch nicht nur das pulsierende Leben an der Côte macht das östlichste Département der Provence aus. Wie sein Name schon zeigt, wird es umso mehr durch die Meeralpen geprägt, die im Nationalpark „Mercantour“ zusammengefasst sind. Hier lässt sich die malerische Berglandschaft entdecken, die mit ihren teils schneebedeckten Bergen ein wahres Kontrastprogramm zu der sonnenverwöhnte Mittelmeerküste ist. Gleichzeitig prägt das türkisfarbene Wasser des Mittelmeeres das Leben wie an keinem anderen Ort in der Provence.

Bouches-du-Rhône

Hier liegt die zweitgrößte Stadt Frankreichs, die größte der Provence und gleichzeitig die provenzalische Hauptstadt Marseille. Dabei ist das „Bouches-du-Rhône“ von vielen politisch bedeutenden Städten geprägt und bürokratisch klar das Herz der Provence. So liegt auch die ehemalige Hauptstadt der Provence Aix-en-Provence im Département mit der Ordnungsnummer 13, wo sich viele der größeren Städtchen der Provence finden lassen. Damit ist es das dichtbesiedelte Département der Provence, was nicht über die Idylle des Départements hinwegtäuschen darf.  So könnten die vielen Orte nicht unterschiedlicher sein: von der riesigen Metropole Marseille über die alte Universitätsstadt Aix-en-Provence und das römische Zentrum Arles, findet sich hier auch der Wallfahrtsort Saintes-Maries-de-la-Mer oder das malerische Cassis an der Mittelmeerküste sowie einige mittelalterliche Hochburgen wie das, in den weißen Kalkstein geschlagene Baux-de-Provence. Doch nicht nur mit den politisch eindrucksvollen Orten hebt sich das Bouches-du-Rhônes von seinen Nachbar-Départements ab, dnen hier liegt eine unvergleichliche Region, die Camargue, die ein wahres Naturschauspiel ist. Ihre flache Ebene macht das Bouches-du-Rhône zum flachsten Département der Provence, obwohl sich in seinem Nordosten der Bergzug der Alpillen befindet.

Hautes-Alpes

Es ist das ruhigste Département der Provence, wo eine Bergidylle mit traumhaften Seen, Flüsschen und allerlei abenteuerlichen Felsen lockt. Im Département 05 sind die Alpen besonderes hoch, das Mittelmeer scheint weit entfernt und die Provence zeigt sich von ihrer idyllischen alpinen Seite. Die „Hautes-Alpes“ sind das „Dach der Provence“ und schützten die Region mit ihren hohen Bergen. Es ist das nördlichste Département der Provence und gleichzeitig das höchste, grenzt an die Auvergne und an Italien und verzaubert mit seinem außergewöhnlichen Charme, den nur wenige mit der Provence verbinden. Obwohl es von seiner Fläche nicht das kleinste Département der Provence ist, zählte es mit seinen knapp 140.000 Einwohnern zum kleinsten der Region, weshalb es hier auffallend ruhig ist. In dem seelischen Paradies verzaubert vor allem die außergewöhnlichen Bergseen in schwindelerregenden Höhen, die wie das Mittelmeer mit ihrem türkisfarbenen Wasser verzaubern. Doch man darf sich nicht von den schneebedeckten Gipfeln abschrecken lassen, denn auch in den Hochalpen strahlt die provenzalische Sonne mit all ihrer wohltuenden Kraft. Vor allem die Département-Hauptstadt Gap zählt zu einem sonnenverwöhnten Ort inmitten der Berge. Im nördlichsten provenzalischen Département lassen sich fabelhafte Ausflüge in die atemberaubende Natur unternehmen, laden die „Hautes-Alpes“ zu zahlreichen sportlichen Aktivitäten ein, die von Wandern über Klettern bis zum Wintersport im Schnee der Alpen reichen.

Var

Das Département mit der Nummer 83 liegt wie das Bouche-de-Rhône und das Alpes-Maritimes an der Mittelmeerküste. Im Südosten der Provence gelegen, wurde das Var nach dem gleichnamigen Fluss benannt, der einst die natürliche Grenze der Region bildete. Heute jedoch verläuft der Namengeber nicht mehr durch sein Département, sondern fließt nun im Nachbar-Département Alpes-Maritimes. Für seinen namensgebenden Fluss ist das Var damit weniger bekannt, sondern vielmehr für seine auffallenden Kontraste. Denn hier pulsiert zum einen das Leben an der Côte, am Mittelmeer, doch gleichzeitig entfaltet die unbeschreibliche „Provence Ver“ (grüne Provence) mit ihrer sanften, idyllischen Landschaft die Ruhe der Provence. Hier kann man beides entdeckten: das Leben am Mittelmeer und das provenzalische „Savoir Vivre“ im Einklang mit der Natur. Die „Provence Ver“ ist die grüne Lunge der Provence, wo sanfte Hügel mit ausschweifenden Weistöcken, weiten Olivenhainen und einer Vielzahl an Bäumen und Blumen die wunderschöne provenzalische Fauna zeigen. Ganz anderes als diese ruhige Idylle in der grünen Provence zeigt sich das Département Var in seiner Hauptstadt Toulon an der Mittelmeerküste. Als Heimathaften der französischen Marine am Mittelmeer ist Toulon eines der wichtigsten Zentren in der gesamten Provence und repräsentiert das Var daher über seine Grenzen hinaus. Gleichzeitig ist Toulon ein kulturelles Zentrum sondergleichen, denn hier lässt sich nicht nur der wundervolle Strand entdecken, sondern überzeugt die pittoreske Altstadt Toulons mit dem provenzalischen Charme und zeichnet sich vor allem durch die Oper aus, die die zweitgrößte Oper Frankreichs ist.

Vaucluse

Es ist das „typischste“ provenzalische Département unter allen seinen Nachbarregionen – das Vaucluse. Denn im Vaucluse lässt sich an fast jeder Ecke der provenzalische Traum erahnen und für Viele ist es das eigentliche Herz der Provence. Das Vaucluse bezaubert mit seinen vielen Postkartenmotiven, einigen schönsten Dörfern Frankreichs und der wunderschönen Natur. Zwischen violetten Lavendelfeldern, jahrhundertealten Olivenhainen, weiten Weinstöcken und dem unvergleichlichen Grün der vielen provenzalischen Bäume verbirgt sich so manche Naturschönheit. Hinzu kommt die einzigartige Ockerlandschaft aus feurigem Rot, leuchtendem Orange und sanften Erdtönen, die zwischen der wunderbaren Fauna hervorragend zur Geltung kommt. Zwischen dem imposanten Mont Ventoux oder dem Rhône-Tal, dem sanften Bergzug des Luberon oder den zahlreichen Feldern in den Tälern; immer wieder stößt man auf neue, einzigartige Landschaften und Naturphänomene, die einen jedes Mal in Stauen versetzten. Zwar liegt das Vaucluse nicht am Mittelmeer und zeichnet sich auch nicht durch seine romantischen Bergseen aus, doch spielt auch hier das Wasser eine entscheidende Rolle. Hier herrschen die Flüsschen über die Region, wobei sich viele Ausläufer der Durance und der Rhône finden lassen. Ebenso ist hier die größte Quelle Frankreichs in „Fontaine-de-Vaucluse“, der „Quelle des Vaucluse“, zu finden. Die Flüsschen formten einst das Land, gruben sich in die Landschaft und hinterließen eindrucksvolle Schluchten wie die „Gorges de la Nesque“. Gleichzeitig ist das Département mit der Ordnungsnummer 84 das Zentrum der provenzalischen Kultur. So ist es eine außerordentlich geschichtsträchtige Region, die seit Jahrhunderten im Weltgeschehen eine entscheidende Rolle spielt. Vor allem seine Städtchen wie die Papststadt Avignon, das „Tor zur Provence“ Orange, das Antiquitätenzentrum Isle-sur-la-Sorgue, oder das geschichtsträchtige Vaison-la-Romain – jede Ortschaft im Vaucluse zeichnet sich durch seine bedeutende Geschichte aus und könnten damit nicht unterschiedlicher sein.

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