Die Tempelritter in der Provence

Viele Orte in der Provence sind eng mit dem Mittelalter verknüpft und ziehen mit ihrem mittelalterlichen Charme Begeisterte aus der ganzen Welt an. Denn es war eine besondere Zeit in der Provence, als hier Grafen und Fürsten um die Vorherrschaft kämpften und gleichzeitig das Christentum Macht und Einfluss wie in kaum einer anderen Region erlangte. Bereits bei einem Besuch in den zahlreichen provenzalischen Bergdörfchen, den mittelalterlichen „villages pérches“, begibt man sich auf einen Zeitreise zurück in das Mittelalter. Allerdings hat eine mittelalterliche Geschichte in der Provence besonders eindrucksvolle Spuren hinterlassen: Die Tempelritter ernannten die Provence zu einer ihrer Rückzugsorte, von denen sie ihren wachsenden Orden organisierten und gleichzeitig in der Abgeschirmtheit der Region vor dem Einfluss der französischen Krone geschützt waren. Sie hinterließen allerlei Spuren in der Region, die noch heute gut erhalten sind und damit überraschende Details über diesen mystischen Orden offenbaren. Trotzdem ist über die Verbundenheit der Provence mit den Templern kaum bekannt und die zahlreichen Spuren des Ordens werden heute häufig überschaut, doch soll einigen Legenden zufolge sogar ein Teil des sagenumwobenen Schatzes der Templer in der Bergen der Provence verborgen sein.

Templer und die Provence

Frankreich spielt in der Geschichte des Tempelritterordens eine entscheidende Rolle. Allerdings wird meist immer die Normandie als zeitweiliger Templer-Hauptsitz mit ihrem Wirken in Verbindung gebracht. Doch auch in der gesamten Provence stößt man immer wieder auf Spuren der Tempelritter und erkennt schnelle, dass der Orden in Südfrankreich ebenfalls eine Rolle gespielt hat. Denn auf ihrer Reise in das gelobte Land nach Jerusalem nutzten manche Tempelritter und viele Pilger den Weg über die Mittelmeerküste und mussten dafür häufig die Provence durchqueren. Dabei mussten die Pilger auf ihrer langen und anstrengenden Reise Rast machen, wobei sie stets auf der Suche nach sicheren, christlich dominierten Orten waren, wo vor möglichen Gefahren in geschützt Halt machen konnten. Hieraus entstand schnell ein florierendes Geschäft für allerlei Ritterorden, die den Gläubigen auf ihrer Route immer wieder Schutz in ihren Sitzen ermöglichten. Je mehr Pilger sich auf den Weg machten und je länger die verschiedenen Kreuzzüge anhielten, desto mehr florierten die Orte, an denen die Gläubigen einkehren konnten und es entstanden ganze Kreuzfahrerstaaten entlang der Pilgerrouten. Dabei waren es vor allem die Tempelritter, die mit dem zunehmenden Erwerb von Gebieten und die zeitweise Aufnahme der Pilger ihren Lebensunterhalt verdienten, womit der Tempelritterorden relativ schnell ein großes Vermögen aufbaute. Dabei war besonderes eine Region für die Gründung von Kreuzfahrerstaaten und Ordenssitze für die Tempelritter von Interesse: die Provence. Denn hierhin kamen viele Pilger, um die Reise mit dem Schiff in das gelobte Land anzutreten. Schon früh, gleich nach der Ordensgründung Anfang des 11. Jahrhunderts, begannen die Tempelritter Gebiete in der Provence zu erwerben, um ihre Rolle als primäre Beschützer der Pilger zu sicheren. Sie ließen sich vor allem an den wichtigen Handelsstraßen, Küstenregionen und Flussläufen der Provence nieder, denn diese galten schon seit der Antike als Dreh- und Angelpunkt. An der provenzalischen Mittelmeerküste, aber auch über die entscheidenden Handelsrouten inmitten der Provence wie die „Via Dominica“, wurde bereits seit Jahrhunderten sicherer Handel mit Kulturen aus weit entfernten Ländern getrieben und deren Waren von hier aus nach ganz Europa verkauft. Damit war die Provence auch Umschlagsplatz für allerlei Informationen und Wissen entfernter Regionen. Vor allem für die Tempelritter war dieser rege Austausch unterschiedlichster Kulturen von besonderem Interesse, denn sie konnten sowohl hervorragend mit Ordensbrüdern auf der ganzen Welt kommunizienen als auch selber Herr über die ausgetauschten Informationen werden, die ihre Stellung als einflussreichster Ritterorden in den Kreuzzügen ausbaute. Um von dem altbewährten Informationsnetzwerk in der Provence profitieren zu können, installierten die Templer viele ihrer Sitze im Inland der Provence an der ehemaligen „Via Dominica“. Wo bereits zur Römerzeiten die „Via Dominica“ Spanien und Italien auf dem Landweg verband, entstand zur Zeit der Kreuzzüge eine ebenso wichtige Strecke für Pilger aus ganz Europa auf ihrem Weg in das gelobte Land. Mit vielen Ordenssitzen entlang dieser Pilgerstrecke zeigten die Tempelritter, welche Macht und welchen Einfluss sie bereits erlangt hatten, konnten gleichzeitig diese jedoch auch ausbauen und das Geschäft als Beschützer der Pilger entlang ihrer Reise verstärken. Mit der Zeit erworben die Templer daher immer mehr Güter und Land in der Provence, sodass sich ihre Ordensstrukturen deutlich in der Region ausbreiten konnten. Allerdings gab es stets viel zu tun für die Ordensbrüder der neuen Templersitze und auf ihren sonstigen Gütern, denn der Pilgerweg durch die Provence erwies sich als besonderes stark belaufen. Damit wurde die Provence zu einem der wirtschaftlichen Zentren des Ritterordens, wo die Templer eindeutig über sehr viel Einfluss verfügten.

Neben den Neubauten eigener Templerhochburgen, gingen die Tempelritter Kooperationen mit lokalen Bruderschaften ein. Schon lange, bevor die Templer in der Provence aktiv wurden, hatten sich einige Bruderschaften in der Provence niedergelassen, denn die Region erwies sich als hervorragender Rückzugsort für das Leben der Mönche. Als die Tempelritter ihren Einfluss in der Provence ausbauten, arbeiten sehr wahrscheinlich sogar der Großteil der Klöster, die im 12. und 13. Jahrhundert in der Provence betrieben wurden, mit ihnen zusammen. Die Tempelritter lockten mit ihrem Status als zunehmend vermögende und einflussreiche Organisation, deren weltweite Macht sich auch positiv auf die kleinen provenzalischen Klöster auswirken könnte. Doch auch für die Tempelritter waren diese engen Verbindungen zu lokalen Bruderschaften von Vorteil, denn sie benötigten aufgrund ihres raschen Zulaufs in kurzer Zeit immer mehr Unterkünfte für pilgernde Schutzsuchende sowie ihre eigenen Ordensbrüder. Heute lassen sich durch diese enge Kooperation verschiedener Orden, an provenzalischen Kirchen und Klöstern anderer Bruderschaften Zeichen der Tempelritter finden. Außerdem geben die Klosterschriften, kirchliche Chroniken oder Berichte von Mönchen anderen Ordens, entscheidende Hinweise auf das Wirken der Templer in der Provence. In ihnen hielt die Mönche akribisch die Zusammenarbeit mit den Tempelrittern fest. Als die Templer in ganz Europa nach dem Verbot ihres Ordens 1307 versuchten all ihre Unterlagen und Spuren zu vernichten, blieb kaum ein Zeugnis aus ihrer Hand zu ihrem Handeln in der Provence erhalten.  Das Auftauchen der Templer in Schriften anderer Orden beweist jedoch trotz der Vernichtung dieser Unterlagen die Existenz und Präsenz der Tempelritter in der Provence. Ohne diese fremden Erwähnungen wären die ohnehin schwierig zu identifizierbaren Spuren der Tempelritter wahrscheinlich noch ominöser und der knapp zweihundertjährige Einfluss der Templer in der Provence kaum nachweisbar.

Spuren der Templer

Es ist überraschend, wie viele Legenden sich in der provenzalischen Geschichtskultur um die Tempelritter ranken. Hier erzählen sich die Provenzalen noch heute eindrucksvolle Sagen von den Rittern in ihren Dörfern, die durch einige mehr oder weniger gut erhaltene Spuren bekräftig werden. Für viele Einheimische sind die Tempelritter in ihrer Kultur und der Geschichte ihrer Region allgegenwärtig, doch lässt sich der Einfluss der Tempelritter in der Provence für Außenstehende oft nur durch eine genaue Spurensuche erkennen. Dabei sind es vor allem das Var und das Vaucluse, wo einige Zeichen des Ordens und seiner Aktivitäten erhalten sind. Vor allem die Inschriften der Selbstbezeichnung „TEMPLARII“, die die Ritter in den weißen Kalkstein ihrer Gebäude ritzten, lassen sich hier finden. In vielen mittelalterlichen Bauten lässt sich zudem das charakteristische Zeichen des Ordens – das Tatzenkreuz – als Steinmetzzeichen in den Mauersteinen finden. Manchmal ergänzen sich die Spuren zu ganzen Tempelritter-Dörfern, wo regelrechte Zentren des Ordens entstanden sind oder die erst durch die Hand der Tempelritter erbaut wurden. Hier findet man noch weitere bemerkenswerte Spuren ihrer Anwesenheit, denn die Tempelritter zeichneten sich durch ihre eigenen Architekturstil aus. Die Templergebäude grenzen sich daher von den anderen provenzalischen Bauten ab und zeigen daher heute deutlich die Präsenz der Templer in der Provence. Doch auch außerhalb dieser Tempelritter-Dörfer erbauten die Templer manche Kapellen und Kirchen in der Region, die jedoch oft im Laufe der Zeit umgebaut wurden und ihr ursprüngliche Herkunft heute schwer zu erkennen ist.

Eine Ausnahme in den dubiosen Spuren der Tempelritter bildet jedoch ein Relikt in dem kleinen Örtchen Buoux, denn dieses ist noch immer deutlich als jener Tempelrittersitz zu erkennen, der es einst war. Im Dörfchen Buoux thront noch immer die gut vergleichbar gut erhaltende Ruine auf einem Hügel des Luberon, der einst ein Ordenssitz der Tempelritter gewesen sein soll. Es ist einer der wenigen Überreste der Tempelritter in der Provence, wo ihr Erbe so deutlich zu erkennen ist und die Tempelgeschichte so offen präsentiert wird. Die Festungsruine von Buoux steht daher für die zahlreichen Mythen und Sagen, die sich um den mittelalterlichen Orden drehen und führt jeden Besucher auf sagenhafte Art und Weise in die Welt der Tempelritter. Auf eine ähnliche Zeitreise zu den Tempelrittern begibt man sich bei der „chapelle des Templiers“ in Caumont-sur-Durance. Es ist die Kapelle der Kirche „Charteuse de Bonpas“, die direkt bedeutenden „Via Dominica“ liegt. Sie zeigt heute noch deutlich, dass sich die Templer die Provence als strategisch günstiges Gebiet erkoren haben, wo sie sich an wichtigen Handelsrouten niederließen, um den Handel auf dem Weg in das gelobte Land aufrechtzuerhalten und davon zu profitieren.

Neben der Festung der Templer in Buoux und der Kapelle der Templer in Caumont-sur-Durance rühren jedoch noch einige andere Orte in der Provence von den Geheimnissen des Ordens. Überall in der Region stößt man auf provenzalische Sagen um die einstige Anwesenheit der Templer, einige ominöse Zeichen des Ordens und Ruinen, die heute kaum noch kaum als einstige Tempelritterhochburgen erkennen kann. Ein wirkliches Rätsel bleiben dabei zehn Kirchen, die von den Templern gebaut wurden, allerdings bis heute nicht richtig erforscht werden konnten. Denn die Templerkirchen befinden sich in luftiger Höhe auf dem kahlen Plateau von Canjuers, das heute als militärisches Sperrgebiet gilt und daher für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Diese mysteriösen Kirchen geben Templer-Fans immer wieder Anlass für neue Spekulationen und Mythen über den sagenumwobenen Orden. Ebenfalls sind in der gesamten Region einige Kapellen, die teilweise noch heute zu bewundern sind, vermutlich auf Anweisung der Tempelritter entstanden. Allerdings ging man in der Zeit nach den Templern dazu über, ihre Kirchen und Kapellen auszubauen und dem epochengerechten Baustil anzupassen. Es lassen sich daher nur vereinzelte Tempelritter-Zeichen finden, die oft von barocken oder neoprovenzalischen Stilen überbaut wurden. Grund für das Verschwinden der Tempelritter-Spuren war das persönlich vom französischen König erteilte Verbot des Tempelritterordens sowie der Beschlagnahmung aller Besitztümer der Tempelritter. Mit dieser klaren Botschaft von der französischen Krone, hatten auch die Provenzalen wenig Interessen, die Spuren des verrufenen Ordens in ihrer Region aufrechtzuerhalten. Die Tempelritterbauten wurden vernachlässigt, verfielen und sind daher heute nur noch wage als Ruinen zu erkennen. Zusätzlich wurden im Laufe der Zeit ihre Gebäude immer wieder durch andere ersetzt oder durch zusätzliche Mauern ausgebaut, sodass ihre ursprüngliche Form heute nicht mehr zu erkennen ist. Die charakteristische Templer-Architektur ist damit aus der Provence verschwunden, doch fällt dem aufmerksamen Besucher doch das ein oder andre Indiz für den mystischen Orden in der Provence auf.

Schatz der Templer

Es ranken sich viele Legenden um die Tempelritter in der Provence. Von ihnen erzählen einige von enormen Reichtümern und außergewöhnlichen Reliquien, die die edlen Ritter mit ihrer zunehmenden Macht angesammelt haben. Die Schätze der Tempelritter sollen dabei ebenso in die Provence gelangt sein, schließlich hatten sie die Region als eines ihrer wirtschaftlichen Zentren auserkoren. Dabei sind es gerade diese Sagen um einen Tempelritterschatz, die den Orden noch heute so berühmt machen. Denn mit dem Verbot des Tempelritterordens ging die Verfolgung der Ordensbrüder sowie die Beschlagnahmung ihres Hab und Guts durch die französische Krone einher. Der Gewalt der französischen Krone ausgesetzt, tauchten einige Tempelritter in den Untergrund ab, versteckten sich und versuchten ihre Besitztümer und jene ihres Ordens vor der Beschlagnahmung zu wahren. Ihre Verstecke geben heute noch Anlass für allerlei Erzählungen um den geheimnisvollen Verbleib ihrer angeblich so vermögenden Besitztümer. An vielen Orten der Welt wurde bereits der sagenumwobene „Templerschatz“ vermutet, wobei meist der einstige Templersitz Gisors in der Normandie Mittelpunkt der Suchen ist. Allerdings erzählen sich die Provenzalen seit Jahrhunderten von mystischen Templerreichtümern, die in der Provence versteckt worden sein sollen und in ihren Verstecken bis heute unentdeckt sind.

Vor allem eine Höhle in der Nähe des zerfallenen Dörfchens Châteauneuf wird immer wieder in den Templersagen rund um die Provence erwähnt. Hier soll sich einst ein vermögender Tempelritter mit seinem Besitz gerettet haben. Er entkam der Verfolgung durch den französischen König Philipp IV., der das gesamte Vermögen der Templer beschlagnahmen sollte. Allerdings ist nicht bekannt, wohin der mutige Templer von der Höhle in der Nähe von Châteauneuf gegangen ist oder ob sich seine Kostbarkeiten noch immer in der Höhle befinden. Doch dieser Templer soll nicht der einzige gewesen sein, der nach der Auflösung des Ordens in der Provence einen sicheren Rückzugsort gefunden hat und hier untergetaucht sein soll. So zum Beispiel die Tempelritter in Orange, die das unterirdische Kanalsystem der Kleinstadt genutzt haben sollen, um vor ihrer Festnahme zu fliehen.

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