Das Mittelalter bedeutete für die Provence eine Blütezeit. Es war die Zeit eines kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwungs in der gesamten Region. Viele der heute bekanntesten und pittoresksten Dörfer haben ihren Ursprung im Mittelalter, halten ihre alten Steinfassaden seit mehreren Jahrhunderten, manche bereits seit über einem Jahrtausend. In der Provence kann man noch heute das Mittelalter wie in kaum einer anderen Region nachempfinden, denn hier kamen alle mittelalterlichen Phänomene zusammen. Vor allem das mittelalterliche Christentum prägte die Provence nachhaltig, doch ist sie ebenso Ausdruck der Machtkämpfe zwischen den mittelalterlichen Regenten und erhält auf beeindruckende Weise die Spuren dieser Zeit.
Die besonderen Dörfer
Während der Antike, als erst die Griechen und dann die Römer die provenzalischen Gebiete besetzten, waren vornehmlich Kolonien in den Tälern der Region entstanden. Ende 5. Jahrhunderts neigte sich das weströmische Reich dem Ende zu und wie viele andere Gebiete des Römischen Imperius wurde auch die Provence von den Goten erobert. Es war der Beginn der Machtkämpfe in der Provinz, die bereits in der Antike eine entscheidende Rolle gespielt hatte. Unterschiedliche Machthaber hatten bereits am Ende der römischen Herrschaft an Macht gewonnen, konnten sich einige Gebiete sichern und teils die Herrschaft über einige ehemalige römische Kolonien erlangen. Eine Vielzahl an Machthabern unterschiedlicher Ränge strebten nach der Vorherrschaft in der Provence, konkurrierten miteinander, verbündeten und verrieten sich gegenseitig. Als Zeichen ihrer Macht und zur Repräsentation ihres Herrschaftsanspruches übertrumpften sich die Grafen, Fürsten und Landherren der Provence mit dem Bau ihrer eigenen festen und sicheren Residenzen. Dafür wählten sie meist die Orte, die von den Römern zuvor unbeachtet geblieben waren: die Gipfel der provenzalischen Bergmassive, von wo aus sie eine ideale Sicht auf ihre Gebiete hatten und zugleich vor gefährlichen Angreifern geschützt waren. Außerdem standen sie mit ihren Burgen und Festungen, die auf den Gipfeln der Berge thronten, wahrlich aus der Landschaft empor und verdeutlichten damit ihre erhabene Machtposition. Die provenzalischen Berge erwiesen sich als ideale Standorte, um die mittelalterliche Herrschaftsrepräsentation und -praxis ausüben zu können. Doch noch etwas anderes erleichterte den Herrschern in der Provence die Wahl ihres Residenzortes: Sie konnten den festen Kalkstein der Region zum Bau ihrer noch heute stehenden Festungen verwenden. Auch die weiteren Gebäude ihrer Grafschaften und Fürstentümer wurden aus dem robusten Material gebaut, das sie direkt vor Ort fanden und perfekte Grundlage für die kriegerische Zeit war. Die zahlreichen Bergdörfchen in der Provence sind beeindruckendes Erbe dieser Zeit. Noch heute sind die eindrucksvollen Burgruinen aus dem Mittelalter zu bewundern und die Bergdörfchen zählen mit ihren Steinhäuschen, engen Gässchen und spektakulären Lage oft zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Sie sind die sogenannten „villages perchés“, die im Mittelalter aus dem Stein der Provence gebaut wurden und wie ein Teil des Felsens mit der Landschaft verschwimmen. Die „villages perchés“ sind eindrucksvolle Zeugnisse des Mittelalters, kann man hier besonders viele Spuren dieser Zeit in überraschend gutem Zustand finden. Denn mit dem Beginn der Frühen Neuzeit wurden die mittelalterlichen Dörfer in den Bergen oft verlassen und sich selbst überlassen, sodass die Mauern und Strukturen dieser Zeit meist bis zu ihrer Wiederentdeckung nach dem zweiten Weltkrieg in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind. Lediglich der Lauf der Natur setzte ihnen zu, doch zeigt sich hier die Robustheit des Steins der Provence, der über mehrere hundert Jahre Wind und Wetter aushielt. Heute erzählt der Stein daher spannende Geschichten über diese kriegerische Zeit in der Provence.
Neben den „villages perchés“ machen jedoch in der Provence noch andere mittelalterliche Ortschaften auf sich aufmerksam. Oft sind ihre Spuren heute stark zerfallen oder geschickt vertuscht wurden. Denn im 12. Und 13. Jahrhundert wurde die Provence eines der wirtschaftlichen Zentren der Tempelritter. Die Templer erwarben einige Gebiete, die sich in der gesamten Provence verteilen, und bauten dort einige ihrer Residenzen und Ordenssitze, ja manchmal entstanden sogar kleine Dörfchen um die Tempelrittersitze herum. Die Tempelritter-Dörfer sind allerdings heute nicht so auffällig wie ihre Nachbardörfer der „villages perchés“. Vielmehr lassen sich ihre Spuren nur mit einem aufmerksamen Auge finden, denn nach dem Verbot der Templer durch den französischen König 1312, mussten auch die Tempelritter in der Provence untertauchen, wenn sie nicht schon von der königlichen Garde festgenommen wurden. Allerdings bot ihnen die Provence mit ihren vielen von der französischen Krone unabhängigen Grafschaften oft Schutzmöglichkeiten, trotz der allgemeinen Verfolgung. Nichtdestotrotz waren die Tempelritter und alles, was sie in der Provence aufgebaut hatten, nach ihrer offenen Verbannung auch bei den Provenzalen nicht mehr gerne gesehen. So konnten die Templer unter Umständen in den Grafschaften untertauchen, doch ihre Bauten zerfielen mit der Zeit. Manchmal wurde sogar an ihre Kirchen oder Kapellen angebaut, um die Verbindung der Tempelritter mit den jeweiligen Orten zu vertuschen. Trotzdem lassen sich hier und da noch immer das Zeichen der Tempelritter – das Tatzenkreuz – an manchen Sakralbauten finden und manche ihrer Festungen sind heute noch als Ruine besuchbar wie beispielsweise ihr einstiger Ordenssitz in Buox. Dieses scheinbare Überdecken der Tempelritter-Geschichte in der Provence verstärkt dabei jedoch die Sagen und Legenden rund um diesen ohnehin bereits mystischen Orden und so erzählen manche provenzalische Mythen von einen Schatz der Templer, der sich noch immer in der Provence befinden soll.
Zwischen Kaisern, Königen, Grafen und Fürsten
Die Zugehörigkeit der Provence im Mittelalter ist schwierig zu erfassen, denn die Region fiel immer wieder an verschiedene Herrscher, wurde geteilt oder durch inoffizielle Machthabern regiert. Zwar war die Region nach etwa 600 Jahre römischer Herrschaft ähnlich wie das gesamte Römische Reich zunächst an die Goten gefallen, doch erlangten vielerlei Herrscher Einfluss und Macht über unterschiedliche Gebiete in der Provence. Zwischen den Machtkämpfen behielt die Region ihre wirtschaftliche, kulturelle und politische Bedeutung, die ihr bereits in der Antike zuteil war. Die ehemals römische „provincia“ war für Machthaber aus ganz Europa interessant, denn sie war inmitten der europäischen Großmächte, verfügte über den strategisch wichtigen Zugang zum Mittelmeer und lag vergleichsweise nahe an dem immer bedeutender werdenden Zentrum des Christentums, Rom. Erst im 10. Jahrhundert sollte es die ersten Machthaber geben, die sich mit dem Titel als „Grafen der Provence“ schmückten. Die Grafen von Arles sicherten sich diesen Grafentitel, der zuerst Boso I. aus dem Geschlecht der Buviniden durch seine Heirat der Tochter des Grafen von Avignon zufiel. Denn die Stadt Arles war bereits in der Antike bedeutend gewesen und hatte sich als römisches Munizipium einen Ruf in ganz Europa gemacht. Es war daher nicht verwunderlich, dass die Grafen von Arles als erste einen großen Einfluss in ihrer Region erlangen würden und auch den Titel ihrer Heimat annahmen. Das nach ihnen benannte Königreich Arelat war Teil des vereinten Königreichs Burgund. Offiziell fiel 1032 das Königreich Burgund und damit auch das Königreich Arelat an das Heilige Römische Reich, womit die die Provence unter der offiziellen Herrschaft des römisch-deutschen Kaisers stand.
Jedoch sah die Realität im Königreich Arelat anderes aus, wo die deutsche Hegemonie nur schwach zu bemerken war. Denn die heutige Provence teilte sich nach dem Aussterben des Grafengeschlechts von Arles in verschiedene Grafschaften und Erzbistümer auf. Im Süden der Durance entstand die „Grafschaft Provence“, die durch Heirat allerdings unter dem Einfluss des Grafen von Barcelona stand. Im Norden der Durance konkurrierten zwei Grafschaften miteinander. Die Grafen von Toulouse waren nach dem Ende der Grafen von Arles in einen Konflikt um den Titel als Grafen der Provence mit Barcelona geraten, gaben sie sich jedoch dadurch zufrieden, dass sie ab 1125 als „Marktgrafen der Provence“ ein Gebiet im Norden an der Rhône entlang erlangten. 1053 gründete sich in dem Örtchen Forcalquier eine Grafschaft, die neben den Toulouser Markgrafen immer mehr Einfluss nördlich der Durance gewann. Die Grafschaft Forcalquier wird jedoch Anfang des 13. Jahrhunderts Teil der südlichen Grafschaft Provence, da das Haus Forcalquier in das Haus Barcelona, den Grafen der Provence, einheiratet. Es ist ein wahrer Wirrwarr aus Grafschaften, doch stiegen zusätzlich zu den Grafen lokale Fürsten, Barone, oder Freiherren auf, die sich den Grafschaften anschlossen. So entstanden zu den regionalen Machtkämpfen ebenso lokale Konkurrenz, die sich heute in den zahlreichen „villages perchés“ erkennen lässt, die Ausdruck der lokalen Macht verschiedenster Herrscher waren. Es war ein ständiges Ringen um Einfluss, Land, Macht und Stärke. Hinzukam der wachsende Einfluss der Kirche, die im Mittelalter als eine Art überparteiliche Macht heranwuchs und einige Orte unter päpstlichen Schutz stellte. Besonderes einige Gebiete in der Provence wurden zu bedeuteten Erzbistümern und päpstlichen Enklaven. So waren es auch neben den weltlichen Herrschern ebenso die zahlreichen geistlichen Machthaber in den provenzalischen Kleinstädten, die versuchten ihren Einfluss und ihre Macht auszuweiten. Damit war die Provence nicht nur Schauplatz der weltlichen Streitigkeiten, sondern wurde zudem Ausdruck der geistlich-weltlichen Konkurrenz um das Sagen in der mittelalterlichen Welt.
Je größer die französische Krondomäne wurde, desto größer wurde das Interesse des französischen Königs an der heutigen Provence. Im Hochmittelalter galt das französische Königreich als eines der größten Europas und stand vor allem mit dem römisch-deutschen Kaiser in Konflikt. Da das Königreich Burgund, dem die verschiedenen provenzalischen Grafschaften angehörten, offiziell Teil des Heiligen Römischen Reich war, wurde insbesondere das Gebiet der heutigen Provence Mittelpunkt der Machtstreitigkeiten zwischen französischem König und römisch-deutschen Kaiser. So versuchte die französische Krone immer wieder die provenzalischen Grafschaften zu erobern, scheiterte jedoch an der Entschlossenheit der Grafschaften selbst, ihre Unabhängigkeit, die sie im deutschen Königreich Burgund hatten, zu verteidigen. Dies sollte sich jedoch Mitte des 13. Jahrhunderts ändern, als die Markgrafschaft Provence im Norden der Durance mit der französischen Krondomäne vereint wurde. Allerdings war damit immer noch die Grafschaft Provence, zu der seit 1208 auch die Grafschaft Forcalquier gehörte, im Süden unabhängig von der französischen Krone. Gleichzeitig blieben die Ansprüche des Papsttums in der Region, die der französische König, mit der Absicht seine eigene Stellung zu stärken, nicht infragestellte. Vielmehr vermachte der Kapetinger Philipp III. das „Comtat Venaissin“, das zuvor Teil der Marktgrafschaft Provence war, dem Papst. Auch Avignon, das sich inmitten der Grafschaft Venaissin befand, jedoch eigenständig agierte, wurde 1348 dem Papst verkauft. Doch die französische Krone war in die Provence eingedrungen und so kämpften die verbliebene Grafschaft Provence im Süden umso mehr um ihre Souveränität. Mitte des 13. Jahrhunderts stand ebenso ein Wechsel in der Grafschaft Provence an, denn sie fiel an das mächtige Haus Anjou. Zwar waren die Anjous eine Nebenlinie der Kapetinger, die den französischen König stellten, doch agierten sie unabhängig von der französischen Krone. Denn das Haus Anjou, später Anjou-Valois, eine weitere Großmacht im Mittelalter, waren sie gleichzeitig auch die Könige von Neapel. Mit der Heirat Karl I. von Anjou und Beatrix von der Provence 1245 trugen die Anjous zusätzlich den Titel als Grafen der Provence. Allerdings sollte dieser Titel nur noch etwa 100 weitere Jahre Bestand halten. Denn im Juni 1498 wurde die Grafschaft Provence nach dem Tod Karl V. dem französischen König Ludwig XI. vermacht und damit in die französische Krondomäne integriert.
Die letzte unabhängige Grafschaft in der heutigen Provence war damit das kirchliche „Comtat Venaissin“ mit seiner Hauptstadt Capentras. Die Grafschaft war unter dem Schutz des Papstes einzigallein verschont geblieben von der französischen Krone. Allerdings war das Comtat als päpstliche Enklave inmitten des französischen Königreiches nicht wirklich politisch souverän, schließlich gehörte es offiziell zum Kirchenstaat. Nichtdestotrotz erhielt die Grafschaft Venaissin bis zur Französischen Revolution den Charakter der mittelalterlichen Provence aufrecht, blieb sie weiterhin Spielball zwischen den Großmächten. Als päpstlichen Enklave, umzingelt von französischem Gebiet, wurde Venaissin Mittelpunkt der Streitigkeiten der französischen Krone mit der kirchlichen Macht. In der Frühen Neuzeit schickte der französische König daher immer wieder seine militärischen Truppen in das letzte souveräne Gebiet der Provence, um, wie bereits im Mittelalter, die gesamte Provence unter die Herrschaft der französischen Krone zu bekommen.
Das christliche Zeitalter
Das Mittelalter ist das Zeitalter des Christentums, so hatten einige christliche Amtsträger entscheidenden Einfluss auf das Weltgeschehen. Doch es war die Provence, die von dem mittelalterlichen Christentum maßgeblich prägte. Hierbei sticht vor allem die Kleinstadt Avignon im Nordwesten der Provence hervor. Denn von hier aus residierte einige Zeitlang das Oberhaupt der Christenheit, der Papst. Heute zeugt der eindrucksvolle Papstpalast von den insgesamt sieben Päpsten, die zwischen 1309 bis 1377 das christliche Weltgeschehen von der Provence aus lenkten. Offizieller päpstlicher Besitz wurde Avignon 1348, als Johanna I. von Anjou die Stadt dem Papst verkaufte. Allerdings war bereits zuvor der Papstsitz in die provenzalische Ortschaft verlegt wurden. Avignon war dabei jedoch eher Spielball im Konflikt zwischen der französischen Krone und der geistlichen Obrigkeit in Rom. Der französische König sah sich durch den Universalanspruch des römischen Papstes in seiner Macht gefährdet, nahm die geistliche Herrschaft zunehmen Einfluss auf die weltliche Macht. Die französische Krone jedoch sah sich im europäischen Machtgefüge an der Spitze und versuchte ihrerseits immer mehr Einfluss auf die geistliche Macht zu haben, weshalb 1305 bereits der Franzose Clemens V. zum Papst gewählt wurde. Nun kommt das provenzalische Städtchen Avignon ins Spiel, das zu diesem Zeitpunkt noch den Grafen der Provence gehörte, jedoch auf dem Gebiet des französischen Königsreiches lag. Die provenzalischen Grafen waren loyale Vasallen der Kirche, weshalb Avignon als der perfekte Standort für die französische Machtdemonstration auf weltlichem und geistlichem Gebiet galt. Denn hier ließ sich schließlich 1309 der französische Papst Clemens V. nieder, der den Papstsitz damit von Rom nach Avignon verlegte. Dabei war die Ortswahl von Vorteil für den französischen Regenten, denn Avignon war von französischem Gebiet eingekesselt, wodurch die französische Krone deutlichen Einfluss auf den Papst nehmen konnte. Nun stand das Papsttum in klarer Abhängigkeit zum französischen König, was die Vorgänger Clemens V. erbittert versucht hatten zu verhindern und den Status des christlichen Oberhauptes als überparteiliche Macht in Europa sicheren wollten. Überraschend ist, dass hier die französische Krone und die Grafen der Provence zusammenarbeiten, um gemeinsam ein Stückchen der Macht des aufsteigenden Christentums zu gewinnen. So war es eindeutig der französische König, der durch die Lage des Papsttums als weltlicher Herrscher Einfluss auf das Weltgeschehen nehmen konnte und damit eine unvergleichliche Machtstellung in Europa gelangte. Gleichzeitig waren es ebenso die Grafen der Provence, die durch den Papst auf ihrem Territorium von der geistlichen Herrschaft profitierten. Die Streitigkeiten zwischen der französischen Krone und der souveränen Provence waren in dem Bestreben nach dieser geistlichen Macht für einen kurzen Moment beiseitegelegt wurden.
Die Spuren dieser bemerkenswerten Zeit in der Provence sind heute noch deutlich zu sehen. In Avignon wurde dem Papst zu Ehren ein eigner Palast gebaut, der heutzutage das Stadtzentrum bildet und die Kulisse des Städtchens maßgeblich prägt. Avignon erblühte als Mittelpunkt der kirchlichen Macht und erlebte einen kulturellen wie wirtschaftlichen Aufschwung. So wurde auch seine Universität, für die das provenzalische Städtchen heute noch berühmt ist, in dieser Zeit ausgebaut und zu einem Zentrum für Bildung sondergleichen. Doch nicht nur Avignon kam ihr besonderes Oberhaupt zugute. Vielmehr genoss die gesamte Grafschaft der Provence den Einfluss des Papstes in einer ihrer Städte. Die gesamte Region erfuhr einen religiösen Aufschwung. Überall wurden mittelalterliche Kirchen, Klöster und andere Gotteshäuser erbaut, sodass sich die Religion in der gesamten Provence schnell ausbreiten konnte. Die zahlreichen Gemeinden profitierten von ihrer Nähe zum Avignonesischen Papsttum, pilgerten hunderte Gläubige in die Grafschaften und ließen sich in den nun florierenden Klosteranlagen nieder, um möglichst nahe an ihrem Oberhaupt sein zu können. Auch die Gunst des Papstes in Avignon war für viele Dörfchen von außerordentlichem Interesse. So entdeckte Papst bei seiner Reise in das kleine Apt die kandierten Früchte des Ortes für sich, woraufhin sich die kleinen süßen Juwelen in der gesamten christlichen Welt verteilen sollten. Ebenso waren es die Melonen aus Cavaillon, die mit dem Umzug des Papsttums in die Provence auf den regionalen Feldern heranwachsen konnten und die heute als einer der Delikatessen der Region gelten. Viele der christlichen Bauten, die in dieser Zeit entstanden oder maßgeblich durch die persönliche Hand des Papstes in Avignon gefördert wurden, zählen außerdem zu den bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten der Region. Vor allem die zahlreichen (ehemaligen) Klöster blieben auch nach dem Abzug des Papstes aus Avignon vergleichsweise wohlhabende Ordensgemeinschaften. Für Anlagen wie die „Abbaye de Sénanque“ oder die zahlreichen Kirchen, die fast jedes Dorfzentrum der provenzalischen Ortschaften bilden, ist die Provence noch heute berühmt. Die Spuren des mittelalterlichen Christentums sind hier besonders präsent, verdankt die Region der Wahl des Papstsitzes im Hochmittelalter wahrlich einen außergewöhnlichen Aufschwung und konnte sich einen Ruf über ihre Grenzen hinaus aufbauen.