Robion

Unmittelbar am Fuße des Luberon gelegen, versteckt sich das kleine Robion. Heute besonderes durch die große Landstraße geprägt, übersieht ein mancher schnell das pittoreske Dorfzentrum mit seinem bedeutenden kulturellen Erbe. Im Wechselspiel zwischen massiven Kalksteinfelsen und lebendig sprudelndem Quellwasser ist der Ort wahrlich kontrastreich und vielseitig. Nicht zuletzt ist die imposante Kraft des in den Himmel ragenden Luberons allgegenwärtig und seine schützende Hand überall in Robion spürbar. Die Ortschaft strahlt daher ein besonderen Charme aus und steht für viele als Idylle der rustikalen und zugleich sinnlichen provenzalischen Dörfchen des Luberon.

Ein Dorf in Bewegung

Robion selbst wirbt mit Spruch „la petite ville en mouvement“ (die kleine Stadt in Bewegung). Denn hier gibt es Einiges zu entdecken und zu tun. Es scheint, als würde Robion nie stillstehen, so ist hier immer etwas los. Bereits die Anfahrt über die große Landstraße Cavaillon-Apt zeigt den Trubel in dem kleinen Dörfchen, quetschen sich zahlreiche Autos, LKWs und Motorrads immerzu über die enge Straße. Auch die Einwohnerzahl lässt sich im Vergleich zu den anderen Dörfern der Region gut blicken. Mehr als 4.000 Bewohner kann Robion zählen und gehört damit zu einem der größten Gemeinden im Luberon. Von entsprechender Bedeutung ist der Ort für die Region. Denn es ist einer ihrer Zentren, das als Verwaltungssitz vieler anderer benachbarter Ortschaften dient. Sein Charakter als kleine Stadt lässt sich bereits in seinem bewegten Ortsspruch erkennen, spricht sich Robion von seinem Dorfambiente los. Die kleine Stadt ist eine Verwaltungszentrale für die Gemeinden der Region, sitzt hier zum Beispiel die zentrale Polizeistation für mehrere umliegende Dörfer.

Weicht man von der trubeligen Hauptstraße ab, so ist nur wenige Meter weiter kaum etwas von der Hektik zu spüren. Im alten Dorfzentrum herrscht eine angenehme, stets aufgeheiterte Stimmung, die trotz des Trubels auf der großen Straße eine wunderbare Ruhe ausstrahlt. Herz der Altstadt ist ihre geliebte „Pompe“, die damals als zentraler öffentlicher Brunnen alle Dorfbewohner mit Wasser versorgte. Noch heute hört man das himmlische Wasser rauschen, wenn man unter den grünen Platanen auf dem Dorfplatz steht oder in einem der einladenden Cafés und Bistros verweilt. Die „Pumpe“ trägt zwar noch immer ihren Namen, doch wurde sie zu einem Springbrunnen umgebaut und bildet heute den Kern der Ortschaft. Alle Sträßchen und Gässchen des Dorfes führen genau auf das Rauschen des Wassers unter dem Rascheln der Plananten zu. Auf ihre „Pompe“ ist Robion daher besonders stolz, trifft sich hier nach wie vor Groß und Klein, Alt und Jung um das provenzalische „savoir vivre“ zu genießen.

Wie viele andere seiner Nachbardörfer zählt Robion auch zu den mittelalterlichen Ortschaften, die ihre erste Blüte während dieser dunklen Zeit erlebten. Die ausgetretenen mittelalterlichen Pflastersteine zeugen von dieser durchaus lichten Zeit in Robion. Ein wahres Labyrinth aus kleinen geplästerten Gässchen, den Calades, führen jeden Besucher immer näher an den Luberon heran und schließlich immer höher gen den tiefblauen provenzalischen Himmel. Durch seine mittelalterliche Blüte scheint es nicht verwunderlich, dass die Altstadt durch allerlei kirchliche Gebäude geprägt ist. So zählt das Dorf mehrere Kapellen und Kirchen, von denen heute teils nur noch Überreste von der frommen Zeit zeugen. Auffallend ist die romanische Kirche „Notre-Dame de la Naivité“ aus dem 12. Jahrhundert, deren gut fünfhundert Jahre später angebaute Kapelle – wie das Dorf selbst beschreibt – ein wahres Meisterstück des Barocks darstellt. Unscheinbar von außen eröffnet sich in der kleinen „Chapelle du Rosaire“ ein prunkvolles Innenleben mit liebvollen und prächtigen Details, wo sich das Auge nicht satt sehen kann. Ein weiteres Schmuckstück der mittelalterlichen Kirchenbauten ist der Glockenturm, der heute gemeinsam mit der „Pompe“ die Altstadt prägt und ein Überbleibsel der mittelalterlichen Kirche St. Pierre ist, die einst im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Hier läuten seit 1489 dieselbe Glocke, die noch heute den Takt der Zeit angibt. Neben der barocken Kapelle ist eine weitere frühneuzeitliche Kapelle von besonderer Bedeutung für den Ort. Als die Gemeinde von einer der verheerenden Pestepidemien des ausgehenden Mittelalters verschont geblieben wurde, errichteten die Robionnaies (die Einwohner von Robion) 1633 aus Dank an den Schutzpatronen gegen die Pest, dem Heiligen Rochus von Montpellier oder auf französisch „Saint-Roch“, die gleichnamige Kapelle inmitten der Gemeinde. Eine weitere schützende Funktion hat eine dritte Kapelle des Ortes, die „Chapelle Notre-Dame des Anges“, die über den alten Obstgarten des Dorfes wacht. Hier wachsen seit Jahrhunderten dieselben Obstbäume, die mit allerlei Sorten für ein frisch-buntes Angebot sorgen.

Der mittelalterliche Charme von Robion wird durch ein weiteres bemerkenswertes Schmuckstück ergänzt: sein Freilichttheater „Théatre de Verdure“. Kein anderes seiner Nachbardörfer verfügt über einen vergleichbaren kulturellen Ort, der unter freiem Himmel inmitten der Natur, geschützt von der unmittelbaren Nähe des Luberons eine wahrlich märchenhafte Bühne liefert. Hier wird seit 1996 alljährlich das „Festival de Robion“ aufgeführt, das zu einem der größten Musikfestivals der Region zählt. Bis zu 500 Zuschauerinnen und Zuschauer finden in dem runden Freilichttheater Platz. Einzigartig macht das Theater im Freien sein idyllisches Ambiente, das, wie sein Name schon vermuten lässt, seiner bezaubernden Begrünung zu verdanken ist. Denn hier, unweit von einer der drei Flussquellen des Ortes und unmittelbar an einem nährstoffreichen Kalksteinfelsen gelegen, lassen sich allerlei grüne Pflanzen finden. Sie verwandeln das Freilichttheater nicht nur in eine kleine Märchenwelt, sondern sorgen für einen natürlich gute Klangkulisse während der zahlreichen musikalischen und spielerischen Veranstaltungen unter dem grünen Dach.

Inmitten der Natur

Wie bereits sein grünes „Théatre de Verdure“ erkennen lässt, spielt in Robion die Natur eine besondere Rolle. Kaum ein anderes Dorf schmiegt sich so eng an den Luberon wie Robion. Entsprechend sichtbar ist die wunderschöne Natur des Bergzuges, die hier aus einzigartiger Nähe entdeckt werden kann. Robion liegt am nördlichen Westende des Bergzuges und bildet für viele daher das Tor zum Luberon.  Je näher man dem Berg kommt, desto ruhiger wird es in dem Ort und ein Jeder taucht ein in die fabelhafte Welt der entzückenden Landschaft der Provence. Zahlreiche Wanderwege, Fahrradwege und Klettertrails laden zum Bewegen in der herrlichen Landschaft ein. Ebenso wird einem jedem Besucher die Bedeutung des weißen Kalksteins bewusst, der das herrliche Gestein den Luberon bildet und in der gesamten Region durch seinen Kontrast zu dem tiefblauen provenzalischen Himmel und den tiefgrünen Eichenwäldern hervortritt. Nicht nur kommt man von Robion dieser sagenumwobenen Felsen so nahe wie sonst selten, sondern zeugt ein uralter Kalkofen aus dem 19. Jahrhundert von der Bedeutung des Gesteins für die Bewohner der Region.  Der Ofen lehnt sich noch immer an einen Ausläufer des Luberons, wo einst der Kalk aus dem Gestein des Berges extrahiert wurde, um in Form von gebranntem Kalk als wertvoller Baustoff sowie Handelsgut zu dienen.

Wie mit dem Kalkstein ist die Gemeinde ebenso eng mit dem Wasser verbunden, dass ebenfalls wertvolles Gut des Luberons ist. Bereits ihre geliebte „pompe“ zeugt im Dorfzentrum von seiner Verbundenheit zum kühlen Nass. Durch seine Nähe zum Luberon ist Robion Ort dreier Flussquellen, wo das herrliche klare Wasser aus dem Gestein des Bergzuges sprudelt. Ganz in der Nähe des Freilichttheaters liegt die Quelle des Escanson, die für die märchenhafte Begrünung des Theaters sorgt. Doch aufgepasst: Sollte es stark regnen, so stürzt das Wasser der Escanson-Quelle in Kaskaden mehrere Meter tief. Etwas weiter oberhalb und noch ein Stückchen versteckter als die Escanson-Quelle liegt die Quelle des Flusses „Boulon“. Auch die Quelle des hier wohl bekanntesten Flüsschens mit den zwei Namen – Coulon oder auch Calavon – lässt sich an den Hängen des Luberons bei Robion finden. Damit ist das Dorf Ausgangspunkt für das wohl kostbarste Gut des trocknen Tales, in dem nur durch eine ausreichende Wasserversorgung die wichtige Landwirtschaft betrieben werden kann. Als Ursprung vieler kleiner Flüsschen, die allesamt in das Calavon-Tal fließen, kommt dem wasserreichen Ort somit nicht nur als politischer Dreh- und Angelpunkt eine zentrale Rolle in der Region zuteil. Die kleine Stadt ist auch von entscheidender Bedeutung für die Wasserversorgung seiner Nachbargemeinden. Ihrem essenziellen Erbe ist sich die Ortschaft durchaus bewusst und pflegt daher seine natürlichen Ressourcen mit besonderer Hingabe. Denn bereits auf seinem Wappen aus dem 19. Jahrhundert thront ein Delphin mit goldener Krone auf rotem Grund. Die Wahl des Delphins als tierischer Schutzpatron der Ortschaft ist nach wie vor ein Rätsel, doch verweist das Motiv auf die Bedeutung des Wassers in Robion. Es ist dieser permanente Kontrast zwischen massiven Kalkgestein und fließendem Wasser, zwischen vor Jahrmillionen geformten Felsen und lebendig sprudelndem Quellen, zwischen steilem Berg und abflachender Flussebene, der Robion zu seinem einzigartigen Charme verhilft. Diese Idylle wird besonderes an einer Stelle in Robion besonderes deutlich. Im Norden des Städtchens betritt man eine kleine Märchenwelt mit blumengeschmückten Brücken über plätscherndem Wasser des „Canal de Capentras“ und dem Fluss Coulon. Denn hier laden charmante kleine Brücken zu einem idyllischen Ausflug zu Fuß oder mit dem Fahrrad inmitten der wunderschönen Natur zwischen Berggestein, Eichenbäumen und dem klar sprudelnden Wasser, ein.

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