Saint-Saturnin-lès-Apt

Mittelalterlicher Charme, romantische Gässchen, allerlei kunstvolle Details und ein Schloss in 1100 Metern Höhe – Saint-Saturnin-lès-Apt beeindruckt schon von Weitem. Mit seiner spektakulären Lage auf den Hügeln der „Monts de Vaucluse“ zieht die Gemeinde zwischen Lioux und Villars seine Besucher in seinen Bann. Von der imposanten Burgruine, die über dem pittoresken Dörfchen thront, der atemberaubenden Sicht, je höher man sich die alten gepflasterten Wege hinaufbegibt oder dem charmanten Ortskern – das pittoreske Dörfchen bietet so ziemlich alles, was zum provenzalischen Flair dazugehört und bewahrt dabei sein besonderes reichhaltiges historisches Erbe auf bemerkenswert moderne Art und Weise.

Die Burgruine

Saint-Saturnin-lès-Apt wirft seine Besucherinnen und Besucher zurück in das Mittelalter. Das reiche historische Erbe des Ortes ist für die Region außergewöhnlich, sind hier die Spuren des Mittelalters besonders gut erhalten. Die einstige mittelalterliche Burg, die heute wie damals das Dorf beherrscht, ist dabei das wohl imponierendste Überbleibsel dieser oft als dunkle angesehenen Zeit. Doch so düster vermag das Mittelalter in Saint-Saturnin-lès-Apt nicht gewesen sein, schließlich verdankt das pittoreske Dörfchen seinen einzigartigen Charme dieser Zeit. Zwar sind von dem „Château“ auf dem Gipfel des Dorfes heute nur noch Ruinen erhalten, sein einstiger Glanz lässt sich allerdings nach wie vor erahnen. Doch bereits der Weg hinauf zu der verfallenen Burg bietet allerlei spannende Details. Entlang der „calades“, den ansteigenden Plastersträßchen, sind Überreste der einstigen Steinmauer, imposante steinerne Tore und kleine Türmchen zu entdecken, die den Aufstieg zu einer kleinen Entdeckungstour machen. Oben angekommen belohnt der überwältigende Rundumblick auf die gesamte Landschaft alle abenteuerlichen Mühen.

Das atemberaubende Ambiente wird dabei nicht nur durch die spektakuläre Sicht über die Ebene des Luberon bedingt. In Kombination mit der hoch gelegenen Kapelle, die in fabelhaftem Zustand eigentlicher Hingucker des felsigen Ensembles ist, gibt die Ruine eine unvergleichliche Kraft von sich. Diese war als „Castrum“, die Kapelle, gemeinsam mit dem „Donjon“ (Burgfried) Ausgangspunkt des Dorfes und erlebte bis dato drei Erweiterungen, von denen aus den unterschiedlichsten Jahrhunderten die verschiedensten Überreste erhalten sind. Die im romanischen Stil um 950 erbaute Schlosskapelle fasziniert mit ihrer Einfachheit und strahlt durch den weißen Kalkstein eine überwältigende Präsenz in beispielsloser Lage aus. Anfang des 18. Jahrhunderts vergrößert und in den letzten Jahren renoviert, ist die „Chapelle du Château“ mit ihrem „Donjon“ wahrliche Beschützerin von Saint- Saturnin -lès-Apt.

Neben der eindrucksvollen Kapelle und der romantischen Burgruine, komplementiert der 1836 erstmals angelegte Stausee direkt neben den Überresten der einstigen Burg das imponierende Schauspiel. Anfang des 19. Jahrhundert reichten die Quellen und Zisternen des Dorfes nicht mehr aus, um seine Bewohner mit ausreichend Wasser zu versorgen. Hoch oben an dem Hügel des Luberon wurde daher ein erster Staudamm errichtet, der später geflutet und durch einen noch größeren ersetzt wurde. Der entstandene Stausee mit dem kristallklaren Wasser des Vaucluse Massives ist mit seiner Lage einer der wohl bemerkenswertesten der Region. Über die ausgetretenen Pflastersteine der Ruine gelangt man durch ein unscheinbares Tor auf die Staumauer, von wo sich nicht nur ein überwältigender Blick auf das Dörfchen ergibt, sondern das ehemalige „Castrum“ hervorragend bestaunt werden kann. Überquert man die kleine Staumauer, so eröffnet sich ein fabelhafter Rundweg von der Ruine, entlang des Wassers durch die Wälder des Luberon hinauf zur Kapelle und zurück zum Ortskern, auf dem sich allerlei bezaubernde Eindrücke sammeln lassen.  

Ortszentrum

Die gesamte Gemeinde erstreckt sich in einer Höhe von 350 bis 1100 Metern. Von fast jedem Punkt lässt sich daher ein wunderbarer Blick auf die steilen Hänge des gegenüberliegenden Luberon werfen. Doch damit nicht genug. Im Ort selbst verleiht der mittelalterliche Charme Saint-Saturnin-lès-Apt ein malerisches Ambiente, denn hier verstecken sich ebenso wie auf dem Weg hoch hinauf zur Ruine, allerlei liebevolle Details, die das Dorf zugleich geheimnisvoll wie romantisch erscheinen lassej. An vielen Häuschen stößt man auf das reiche historische Erbe des Dorfes, sei es das „Maison à Cariatides“ mit seinem detailreichen „Balcon aux Atlantes“ aus dem 17. Jahrhundert oder „Portail Ayguier“ als Überbleibsel der ehemaligen Stadtmauer. Insbesondere die „Rue de la République“ ist für ihre kunstvollen Türen, Schächten, Säulen und Balkonen bekannt, die seine Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert zieren und deren Geschichten bis heute erzählen. Doch auch in zahlreichen anderen Kunstwerken, Verzierungen und Ausarbeiten merkt man die Liebe der Bewohner von Saint-Saturnin-lès-Apt für ihren bemerkenswerten Ort.

Besonders auffallend ist dabei die Kirche St. Etienne inmitten des Örtchens, die gleich gegenüber vom Rathaus liegt und damit eine zentrale Rolle in Saint-Saturnin-lès-Apt einnimmt. 1862 wiederaufgebaut beeindruckt heute vor allem der achteckige Kirchenturm mit neuen Glocken, der die drei Kirchenschiffen bestimmt. Ein weiteres auffallendes Detail bietet das Eingangstor, dessen Sturz mit den drei französischen Leitbegriffen „Liberté, Égalité, Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) versehen ist. Damit betritt jeder Besucher den christlichen Ort ebenso unter dem Segen der französischen Grundsätze. St.Etienne ist daher immer wieder beliebter Schauplatz der Region für allerlei religiöse Feierlichkeiten. Zur Weihnachtszeit findet hier beispielsweise ein besonderes Schauspiel statt. Nach den Weihnachtsfeiertagen stößt man hier auf eine wunderschöne Krippe, die das alte Handwerk der Santonnieres wie keine andere der Region würdig. Viele der hier zu sehenden kleinen Santons, die liebevoll handgefertigten Krippenfigürchen, sind zum Teil 200 Jahre alt und hüten jede für sich nicht nur die Geschichte des Örtchens, sondern ebenso jene der Region in sich.

Auf einem kleinen Spaziergang durch das Herz des Dorfes, aber auch durch seine Vororte, fällt dem aufgeweckten Betrachter eine weitere Besonderheit ins Auge. Zahlreiche Brunnen und Wasserbecken zieren die Gässchen, die diese so zu bemerkenswerten Orten machen. Der wohl größte öffentliche Brunnen unterhalb des Rathauses gehört damit zu den historischen Denkmälern des Dorfes. Hier wird die Bedeutung des Wassers für den Ort deutlich, die sich bereits durch den Stausee hoch oben an der Burgruine zeigt.

Auf dem Marktplatz versteckt sich ein weiteres bedeutsames Stückchen Geschichte von Saint-Saturnin-lès-Apt. Hier steht die Statue des einfallsreichen Bauern Jospeh Talon, der seiner Zeit maßgeblich die Landwirtschaft seines Heimatdorfes revolutionierte. Hochgepriesen als der Erfinder der Trüffelzucht, verdanken ihm nicht nur die Einwohner von Saint-Saturnin-lès-Apt regionalen Reichtum. Anfang des 19. Jahrhunderts kam Talon auf die Idee, die Eicheln der Trüffeleichen auf seinen Ländereien zu pflanzen, die ihm einige Jahre später eine große Ernte des kostbaren Pilzes einbrachte. Er probierte sich weiter an der Zucht des „schwarzen Diamanten“ und erkannte durch geschicktes Ausprobieren und genaues Beobachten die Symbiose von Trüffel und Eiche. Zwar gab er sein gut gehütetes Geheimnis erst kurz vor seinem Tod bekannt, doch erwies er sich damit als der Begründer der modernen provenzalischen Trüffelzucht. Dem einfachen Bauern aus Saint-Saturnin-lès-Apt ist somit eines der wohl kostbaren Güter der Region zu verdanken, das nun gezielt gezüchtet werden konnte.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Avatar von Frank Klingner provefan sagt:

    Eine tolles Städtchen mit tollen Aussichten und toller Gastronomie. Das St. Hubert von Liz und Eric ist auch einen Besuch wert. Die kleine Terrasse bietet neben dem kulinarischen Genuss auch eine tollen Ausblick auf den Luberon. Dazu Schwalben gezwitscher!

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    1. Avatar von provence_blog luberon_blog sagt:

      Das klingt traumhaft, danke für die Empfehlung!

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