Zwischen mittelalterlicher Festung, weltberühmten Arzt und Astrologe mit wahrheitsgetreuen Prophezeiungen, Seife, kunstvollen Fontänen und der Kunstflugstaffel verbirgt sich Salon de Provence. Das bemerkenswerte Örtchen hat so Einiges für seine Besucherinnen und Besucher zu bieten. Zahlreiche Neugierige zieht es daher auf den Spuren des berühmten Arzt und Sehers unter dem Duft der edlen Seife und dem Plätschern der wunderschönen Fontänen in die pittoresken Gässchen der Kleinstadt inmitten der Provence.
Nostradamus
Die Kleinstadt übt besonders durch ihren bekanntesten Bewohner eine große Anziehungskraft aus. Michel de Nostredame, besser bekannt unter seinem selbst gewählten latinisierten Namen Nostradamus, wählte nach einer langen Zeit des Umherziehens der Liebe wegen Salon de Provence als seinen festen Wohnsitz. Als der Arzt und Seher nach dem Tod seines Vaters 1547 eine vermögende Witwe Salons heiratete, ließ er sich im Herzen der Stadt nieder und widmete sich seiner Literatur und Familie. Hier packte ihn die Muße seine alljährlichen Allmanche zu veröffentlichen, die ihn schnell zu einer nationalen Berühmtheit machten. Vollgepackt mit Prophezeiungen, von denen sich der Großteil bewahrheitete, gelang es Nostradamus ein breites Publikum zu erreichen, das vom Bauern bis in die königlichen Kreise führte, waren seine Vorhersagen in jedermann verständlichen Französisch verfasst. Schnell geschah es, dass sogar Könige um eine Audienz bei dem weisen Seher baten, womit Salon de Provence nicht selten Gastgeber von königlichem Besuch wurde. Doch damit nicht genug. Bis in das Jahr 3797 sollen diese Prophezeiungen gültig sein, die der einstige Arzt inmitten von Salon de Provence aufstellte. Dabei spricht der Meister oft in rätselhafter Sprache, die besonders bildreich ohne die Nennung von genauen Daten über die Zeit hinweg immer wieder neue Deutungen zulässt. Damit ziehen die Almanache von Nostradamus fortlaufend Neugierige aus aller Welt in ihren Bann, werden seinen Prophezeiungen vor allem in turbulenten Zeiten als Offenbarungen zukünftiger Ereignisse angesehen. Ob es jetzt die Eingabe Nostradamus, das wohltuende Klima von Salon de Provence oder schlicht allgemeingültige Aussagen sind, die die Voraussagen so fesselnd machen, sagte der Seher vermeidlich doch Einiges vorher, das weit nach seiner Zeit geschah.
Das Château de l´´´ Empéri
Doch Salon de Provence zeichnet sich nicht nur durch seinen berühmtesten Einwohner aus. Vielmehr gibt es in dem Örtchen noch Einiges mehr zu entdecken, das durchaus sehenswert ist. Schon früh wurde Salon als Knotenpunkt zwischen den großen Städten der Provence wie Arles, Avignon, Marseille oder Aix-en-Provence erkannt, weshalb die Kleinstadt selbst eine bewegte Geschichte zu erzählen hat, die womöglich wie keine andere sehr eng mit der Region und ihren Traditionen verbunden ist.
Sinnbildlich für die bewegte Geschichte steht einer der besterhaltenen Hochburgen des Mittelalters, das „Château de l´Empéri“, das über dem Ort wacht. Betritt man die Nordterrasse der einstigen Festung, so eröffnet sich ein spektakulärer Ausblick über die Dächer der Altstadt und es wird schnell klar, weshalb genau hier eine solche eindrucksvolle Burg gebaut wurde. Der ideale Standort hoch oben auf dem Puech-Felsen, der das Massiv der Crau-Ebene dominiert, wurde schon früh entdeckt. Bereits die Römer erkannten die strategisch günstige Lage als sie um 125 v.Chr. das umliegende Sumpfgebiet trocken legten und auf dem herausragenden Felsen ein Castrum anlegten. Die Siedlung „Villa Sallonne“, die sich um die erste Festung auf dem Puech-Felsen bildete, lag an der bedeutenden römischen Handelsstraße Via Aurelia, womit Salon de Provence schon seit seiner Gründung im Zeichen des Handels und des Austausches steht.
Die Festung und seine umliegende Siedlung sollte einige Jahrhunderte später wieder in neuem Glanz erstrahlen. Als die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, in dessen Gebiet „Villa Sallonne“ im Mittelalter lag, ihre Herrschaft über die Ortschaft den Erzbischöfen von Arles übertrugen, wählten diese die alte Festung als Ort für ihren eigenen machterhaltenden Sitz. Salon hatte sich inzwischen zum Schnittpunkt zwischen den großen Handelszentren der Region entwickelt und entpuppte sich daher schnell als unverzichtbarer Knotenpunkt der Provence. Daher residierten nicht die Erzbischöfe von Arles in den eindrucksvollen Mauern der errichteten Festung. Auf vielen Reisen in die Provence und zu Audienzen bei Nostradamus diente das Schloss zahlreichen Kaisern und Königen des Heiligen Römischen Reiches und später jenen des Königreich Frankreichs als willkommene Herberge. Aus dieser Zeit rührt damit auch sein Name, denn Empèri steht im Provenzalischen für Imperium, bildete sich doch ein kleines Stückchen des großen Reiches in dem Gemäuer inmitten von Salon de Provence. Seine Bedeutung in der französischen Geschichte ist somit nicht von der Hand zu weisen, erlebten die Mauern der Burg die Herrschaftswechsel, Machtwechsel und allerlei Turbulenten am eigenen Leibe und wurden so teils sogar Teil dieser. Heute wurde daher aus Schloss de l´Empéri das Museum de l´Empéri, das einer der ersten Sammlung französischer Militärgeschichte weltweit beheimatet und seine Besucherinnen und Besucher auf eine echte Zeitreise durch die Geschichte Frankreichs vom Sonnenkönig bis zum Ersten Weltkrieg mitnimmt, wobei es vor allem durch seine Exponate aus der Napoleonischen Zeit glänzt.
Eine Stadt der Kunst
An dieses reiche historische Erbe der Stadt, das durch allerlei große Persönlichkeiten geprägt wurde, erinnern heute zahlreiche Statuen an allen Ecken und Winkeln. Wer mit offenen Augen durch die kleinen Gässchen geht, der staunt nicht schlecht, wie viele kunstvolle Skulpturen, Denkmäler und andere bildhauerische Werke in den Gässchen und an den Plätzchen des Ortes zu finden sind. Schnell wird klar, wie bedeutend Salon für die Region ist, erinnern viele der Werke nicht nur an direkte Ereignisse der Kleinstadt selbst, sondern stehen vielmehr in einem regionalen, wenn nicht sogar nationalen Rahmen. Natürlich sind hier die Statuen von Nostradamus zu nennen, gibt es gleich zwei Ebenbilder des berühmten Saloner Einwohner in der Stadt. Doch die Gemeinde ehrt ebenso einige Patrioten und regionalen Helden, denen sie und oft einige Nachbargemeinden oder gar ganz Frankreich vieles zu verdanken haben. Sei es die Statue vom Ingenieur Adam de Craponne am Rathausplatz, der die Wasserversorgung einiger provenzalischer Gemeinden sicherte, oder einer der bedeutsamsten provenzalischen Literaten Antoine-Blaise Cousillat, der durch seine Büste am gleichnamigen Platz in Salon gewürdigt wird.
Dabei sind es oft nicht die Statuen allein, die das Bild Salons schmücken, denn nicht selten stehen sie in Verbindung mit einem weiteren dekorativen Element der Kleinstadt: den Springbrunnen. Fast überall hört man das angenehme Plätschern einer wunderschönen Fontaine, die jede für sich einen besonders sinnlichen Ort bildet. So gönnen sich viele Einwohner Salons oft einen Moment der Ruhe an einem der vielen Wasserspiele. Hervorzuheben ist hier die „Fontaine Moussue“, liebevoll nur „Moussue“ genannt und eigentliches Wahrzeichen der Stadt. Bereits im 16. Jahrhundert existierte an derselben Stelle ein wahrlich traumhafter Ort mit einem Brunnen, wo die Salonais oft zusammenkamen, um die hiesige Besinnlichkeit zu genießen. Denn auch der heutige Springbrunnen ist ein ausgesprochen bemerkenswertes Werk, ist er, wie sein Name schon vermuten lässt, über und über mit grünem Moos bedeckt, das die Fontäne wie einen grünen Pilz erscheinen lässt. Ebenso begrünt, jedoch mit ein paar bunten Blümchen, ist ein weiteres sinnliches Wasserspiel gegenüber dem Rathaus. Hier krönt die Statue von Adame de Craponne, der auf einem Kranz aus duftenden Blumen thront, das wahrliche Kunstwerk, das durch einen mit Texten und weiteren Figürchen verzierten Sockel schließlich in das Brunnenbecken mündet.
Salon bietet mit ihren wundervollen Statuen und herrlichen Springbrunnen ein einzigartig kunstvolles Ambiente, das schnell erkennen lässt, welch hohes Maß hier der Kunst zugeschrieben wird. Nicht nur in der achtsamen Gestaltung des Stadtbildes wird dieser Hang zum Künstlerischen deutlich. Sein kunstvoller Charme macht Salon de Provence zum beliebten Austragungsort zahlreicher Festlichkeiten, die Musik, Theater und Tanz in die Kleinstadt bringen, sodass das Örtchen stets durch ein kreatives Schauspiel verzaubert wird. Besonders die eindrucksvollen Mauern des „Château de l´Empéri“ erstrahlen alljährlich in seinen ehemaligen Glanz, wenn hier Musik- oder Theaterfestspiele stattfinden.
Kunstvoll, jedoch auf eine andere Art und Weise, ist auch jenes Phänomen, das Salon de Provence ebenfalls auf nationaler Ebene zu einem bedeutenden Fleckchen macht. Denn hier ist die Kunstflugstaffel der französischen Luftwaffe stationiert, die zwischen Oktober und Mai von der „Base Aérienne 701“ ihre beeindruckenden Manöver in hoher Luft trainieren. Nicht erschrecken sollte man sich daher, wenn insbesondere um die Mittagszeit bei einem kleinen Besuch in der Innenstadt plötzlich schnelle Kampfjets am Himmel erscheinen, die, wenn man etwas Glück hat, sogar ihr Manöver für den französischen Nationalfeiertag üben und die Farben der Tricolore in die Luft malen.
Das Seifenhandwerk
Das Seifenhandwerk verbindet man in der Provence eigentlich mit der berühmten „savon de Marseille“, doch gibt es neben der provenzalischen Metropole ein weiters unverzichtbares Zentrum der herrlichen provenzalischen Seife. Salon de Provence ist der zweitwichtigste Produktionsort für die herrliche Marseiller Seife, schließlich lässt sich hier wie fast nirgends in der Region die entschiedenste Komponente der feinen Seife finden: das Olivenöl. Die Kleinstadt ist umgeben von riesigen Olivenhainen und seither Lieferant für das flüssige Gold. Als Hauptbestandteil der Seife von Marseille expandierten pfiffige Seifenfabrikanten in das überschaubare Örtchen unweit der großen Metropole. Seit 1752 wird so in Salon das wohlriechende Gut der Provence produziert, das durch seinen Duft das Örtchen betüncht und aufblühen lässt. Zwar wird hier die Marseiller Seife hergestellt, doch trägt jede für sich ein Stückchen von Salon in sich, wird schließlich das wohltuende Olivenöl von den heimischen Olivenhainen verwendet. Heute sind noch zwei der einst fünf traditionellen Seifenfabriken von Salon zu besichtigen, wo in den nach dem altehrwürdigen Verfahren hergestellten Seifen noch immer ein Stückchen der goldenen Jahre Salons zu fühlen ist. Ein wenig zurück in diese Zeit begibt man sich daher im „Quartier des Savonniers“, wo durch den kommerziellen und industriellen Aufschwung in Rahmen der Blütezeit ein ebenso architektonisch-künstlerischer Geist durch Salon wehte und zahlreiche eindrucksvolle Bauten wie das „Hotel Armieux“, der heutige Justizpalast oder dem „Château Garcin“. Neben den beiden Traditionsseifenmanufakturen „Rampal Latour“ und „Marius Fabre“, bilden diese beeindruckenden Gebäude den faszinierenden Charme des bemerkenswerten Viertels und seiner Stadt.