Der Pont-du-Gard

Ein beeindruckendes architektonisches Wunderwerk römischer Baukunst bildet eines der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Südfrankreichs. Das Aquädukt aus der Römerzeit gehört als Zeuge des imposanten antiken Erbes zu den besterhaltenen seiner Art. Ohne den Bau des Pont du Gard, der die geniale Lösung für die schwierige Überquerung des Flusses Gardon, wäre die Wasserversorgung der florierenden römischen Kolonie Nermausus, dem späteren Nîmes, unmöglich gesichert gewesen. Als Teil eines ausgeklügelten Verbindungssystem beweist der Pont du Gard die außerordentliche Raffinesse der Römer und gilt daher als Meisterwerk der Antike.

Erbauung

Die Kolonie Nermausus, das heutige Nîmes, stieg unter römischer Herrschaft zu einer regelrechten Metropole am Mittelmeer auf. Entsprechend der stark wachsenden Bevölkerung musste die Wasserversorgung der Bewohnerinnen und Bewohner des späteren Nîmes gesichert werden. Den einfallsreichen römischen Bauherren fiel dabei die Quelle der Eure nahe Ucetia, dem heutigen Uzès, auf, wo zahllose Ströme sauberen, frischen Trinkwassers zusammenlaufen und die gerade einmal 20 km Luftlinie von der wasserbedürftigen Handelsstadt. Die Wasserleitung hingegen sollte etwa 50 km lang werden, da sie die vielen Hügel und Täler der Region überwinden musste. Ihre Konstruktion der stellte damit die römischen Ingenieure vor ganz besondere Herausforderungen. Ohne das Wissen über Pumpen sollte das Wasser auf natürliche Art und Weise von Uzès nach Nîmes fließen, wodurch auf die natürliche Kraft der Schwerkraft vertraut werden musste. Bis heute ist rätselhaft, wie die römischen Bauherren derart genaue Berechnungen anstellten, die die Wasserleitung mit einem durchschnittlichen Gefälle von 34cm/km und damit einem stetigen langsamen Wasserfluss ermöglichte. In Nîmes sicherte der tägliche Zustrom von etwa 20.000 Kubikmetern Wasser über das architektonische Meisterwerk nicht nur die lebensnotwendige Versorgung mit frischem Trinkwasser, der Bau des genialen Wassersystems verlieh Nîmes ebenso ein neues Prestige als luxuriöse Wasserstadt mit prachtvollen Fontänen, Thermen und Bädern für die reiche Bevölkerung.

Das Kunststück römischer Architektur lässt sich insbesondre bei der schwierigen Überwindung des Flusses Gard(on) sehen, die die Römer mit dem Erbau der „Pont du Gard“ fabelhaft meisterten.  Willkommen war den Erbauern des berühmten Aquädukt der nahe gelegene „carrière de l´Estel“, aus dem der charakteristische weiche, leicht gelbliche Kalkstein stammt, der heutzutage als „Pierre de Vers“ bekannt ist. Die hier herausgeschlagenen Kalksteinquader bilden die Grundlage des Pont du Gard, aber auch jene einiger weiterer Stellen der ehemaligen Wasserleitung. Allein für die Brücke selbst waren 21.000 Kubikmeter Stein nötig, die allesamt verbaut wurden. Drei Jahre lang schufen etwa 1.000 Arbeiter das imposante Bauwerk mit einer Länge von bis zu 360 m. Ohne Mörtel, sondern nur durch die Reibekräfte des Drucks zwischen den gleichgroßen Kalksteinquadern, hält sich das dreistöckige Aquädukt bis heute über den Strömungen des Gardon. Mit einer beachtlichen Höhe von 49m ist das tadellöse Beispiel römischer Quaderbauweise unmöglich zu übersehen. Die oberste Etage bildet dabei das Herzstück der Brücke, denn hier floss das Wasser. Mitte des 1.Jahrhunderts n.Chr. erbaut, wurde die Pont du Gard Kernelement der Leitung nach Nîmes, die die Stadt etwa 800 Jahre lang mit Wasser versorgte.

Nach den Römern

Allerdings kam es schon im 4.Jahrhundert zur Vernachlässigung der Wartung der wichtigen Wasserleitung, welche daraufhin zunehmend durch Ablagerungen verstopft war, die schließlich zwei Drittel des Kanals füllten. Im 9.Jahrhundert begannen die Bewohner die besonderen Kalksteine des Aquädukts abzubauen und für andere Zwecke zu verwenden, da dieses vollends funktionsunfähig war. Zu seiner ehemaligen glanzvollen und bedeutenden Aufgabe als Wasserversorger Nîmes kehrte das Bauwerk nie zurück. Dafür ließ man das Aquädukt keineswegs zerfallen, den ab dem Mittelalter bis ins 18.Jahrhundert hinein diente es als Straßenbrücke über den Gardon. Wo damals das Wasser floss, rollten nun Kutschen und pendelten Händler von dem einen Ufer zum anderen. Nicht verwunderlich ist daher die Bezeichnung als Brücke über dem Gardon. Unter seiner neuen Aufgabe wurde das ehemalige Aquädukt stets instandgehalten. Die Pfeiler wurden regelmäßig verstärkt und gewartet, die untere Ebene für den Straßenverkehr präpartiert und die mittlere Etage als Fußgängerübergang ausgewiesen.

Heute pendeln weder Kutschen noch Autos oder Fußgänger über das ehemalige römische Bauwerk, das sich, aufgrund seiner Funktionswandlung und damit verbundenen Instandhaltung, in einem außergewöhnlich guten Zustand befindet. Eine Besichtigung der ehemaligen Wasserleitung der 3.Etage ist heute in der Saison jedoch geführt möglich, bei der sich in schwindelerregender Höhe ein atemberaubender Panoramablick über die gesamte Landschaft auf das Tal des Gardon bietet.

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