Avignon

Man tanzt auf der Brücke, der Papst regierte von hier aus und noch heute ist es Treffpunkt von Künstler, Literaten und Dramatikern – Avignon ist zweifelslos das Zentrum des Vaucluse. Neben seiner kulturellen Bedeutung als Stadt der Päpste mit ihrer weltberühmten Brücke ist Avignon die fünft größte Stadt Frankreichs und Hauptort des Départements Vaucluse. Nur etwa 20km vom Luberon entfernt ist ein Ausflug von hier in die Kulturstadt daher ein absolutes Muss.

Avignon und seine Päpste

Weltbekannt ist Avignon natürlich für das Avignonesische Papsttum Anfang des 14. Jahrhunderts und die darauffolgenden hier residierenden Gegenpäpste im Zuge des Großen Schisma. Noch heute trägt der Ort deshalb den Beinamen Stadt der Päpste.

Im 13. Jahrhundert stieg das französische Königtum zur stärksten Macht in Europa auf und versuchte entsprechenden Einfluss auf die Vormachtstellung des Papsttums in Rom zu nehmen. In einem erbitterten Machtkampf zwischen Kirche und französischer Krone trat schließlich die Wahl des Franzosen Clemens V. zum Papst 1305. Dieser ließ sich bereits nicht in Rom, sondern in Lyon krönen und zog daraufhin nach Avignon. Die Stadt bot hierbei die ideale Lage für den Papstsitz, so galt dessen Besitzer, die Grafschaft der Provence, als stets loyal gegenüber der Kirche, die Ländereinen jedoch lagen auf französischem Gebiet. Damit stand das Papsttum unter klarem Einfluss der französischen Krone und verlor die zuvor hart erkämpfte Verhinderung der Einflussnahme durch den französischen König. Im Zuge der nächsten siebzig Jahre bleibt Avignon Papstresidenz, wodurch in jener Zeit durchaus französische Interessen im Namen der Kirche und den insgesamt sieben verschiedenen hier residierenden Päpsten durchgesetzt wurden.

Erst Gregor XI. gelang es 1376 wieder nach Rom zurückzukehren, doch dies hieß keineswegs einen langen Leerstand des Papstpalastes. Vielmehr wurde dieser wenige Jahre später, ab 1378, Sitz des hier residierenden Gegenpapst Clemens VII., durch dessen Aufstellung das Große Schisma der Kirche begann. Bis 1417 konkurrieren Rom und Avignon um die Vormachtstellung als Hauptstadt des Christentums, deren Konflikt auf dem Konzil von Konstanz durch die Abdankung des avingnonesischen Gegenpapstes und der Absetzung des römischen Papstes und der Neuwahl des Papstes Martin V. zum einzigen Papst in Rom gelöst wurde. Damit endete die Papstzeit in Avignon endgültig und der Papstpalast stand seither leer.

Doch damit wurde Avignon im Rahmen der Kirche keineswegs bedeutungslos. Vielmehr blieb die Stadt unter der Verwaltung kirchlicher Gesandter und wurde, nach der Eingliederung der Provence in das französische Königreich, kirchliche Enklave auf französischem Boden. Erst im Zuge der Französischen Revolution wurde die Stadt entchristianisiert und an Frankreich angegliedert. Dabei büßte sie keinesfalls an Bedeutung ein, denn sie ist seit 1793 Hauptstadt des Départements Vaucluse und entsprechendes kulturell-politisches Zentrum.

Sehenswertes

Avignon ist mit seinem reichen kulturellen Erbe nicht nur politisches Zentrum des Vaucluse, sondern ebenso, wenn nicht vordergründig bekannt für sein künstlerisch-kulturelles Treiben. Neben „Stadt der Päpste“ trägt Avignon gleichwohl den Titel „Stadt der Kunst“ und verfügt entsprechend über ein vielfältiges Kulturangebot mit vielen Sehenswürdigkeiten und Attraktionen.

Durch seine bedeutende Geschichte ist die Stadt historisch besonders für Mediävisten interessant. So lassen sich hier erstaunlich viele gut erhaltene mittelalterliche Bauten, Straßen und Plätze finden. Herausragend ist dabei natürlich der Papstpalast, der eindrucksvolles Wahrzeichen der Stadt und Weltkulturerbe ist. Von dem ehemaligen päpstlichen Glanz zeugt nur noch die atemberaubende Architektur, im Inneren hingegen ist die punktvolle Einrichtung durch Plünderungen und Zerstörung im Zuge der Französischen abhandengekommen, womit die meisten Säle des Papstpalastes heute leerstehen. Allerdings wird bei einem Besuch ein virtueller Rundgang angeboten, bei dem man mit Hilfe von Tablets virtuell die ehemalige Einrichtung in die Säle vor sich projizieren kann. Neben dem Papstpalast sind ebenfalls einige weitere sakrale Bauten zu bewundern, wie die Cathédrale Notre-Dame des Doms d´Avignon, die Basilika St.Pierre d´Avignon oder die Abtei Saint-Ruf.

Ebenfalls mittelalterlich ist das zweite Wahrzeichen der Stadt: die Pont Saint-Bénézet, eben jene Brücke die Inspirationsquelle für „sur le pont d´Avignon“ ist. Bereits im 12.Jahrhundert erbaut, war sie lange Zeit die einzige Verbindung vom Stadtzentrum über die Rhône auf die Ile de la Barthelasse und damit zu ihrer Entstehungszeit wahrscheinlich die längste Brücke Europas. Einige Hochwasser, die sich ab Ende des 17. Jahrhunderts immer wieder ereigneten, beschädigten die Brücke so stark, dass heute von den einst 22 Brückenbögen lediglich vier erhalten geblieben sind. Heute kann sie kostenpflichtig besucht werden und gehört ebenfalls zum Weltkulturerbe.

Besonders imposant ist die Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, die noch heute etwa vier Kilometer um die Altstadt herumführt und mit einigen Türmen und Haupttoren flankiert ist. Heute ist sie die längste, am besten erhaltende Befestigungsmauer Europas, der ihre schützende Funktion schon von weitem anzusehen ist.

Die Altstadt von Avignon ist nicht nur durch Papstpalast, Brücke und Stadtmauer sehenswert, sondern bietet zudem einige andere historische Bauten und Plätze. Bei einem Spaziergang durch die mittelalterlichen Gässchen stößt man auf einige architektonisch imposante Gebäude, die mit ihren pittoresken Fassaden das Stadtbild ganz besonders prägen. Oper, Museen, kleine Geschäfte und Plätze verzaubern die Innenstadt zu einer Idylle sondergleichen, die zu einem kleinen Rundgang und Bummel auf den Spuren der Vergangenheit einlädt.

Doch trägt die Stadt nicht nur aufgrund ihrer historischen Zeugnisse den Titel als Stadt der Kunst. Sie bietet genauso ein kulturelles Leben, das in der Oper, zahlreichen Theater und Kunstgalerien seinen Ausdruck findet. In kleinen Kunstgalerien präsentieren überall Künstlerinnen und Künstler ihre Werke, die Inspiration in der hiesigen Atmosphäre finden und ihre Anregungen in bildender oder angewandter Kunst umsetzen. Von traditionellen Stücken bis zu modernen und innovativen Vorstellungen bietet Avignon zudem für Kunst- und Theaterfreunde eine große Bandbreite an Angeboten.

Jährlich findet außerdem das Festival von Avignon statt, das mit zahlreichen Tanz- Gesangs- und Theateraufführungen den kulturellen Höhepunkt der Stadt bildet. In den letzten drei Juli-Wochen befindet sich die Stadt jährlich in einem Ausnahmezustand mit regen Treiben bei Veranstaltungen im öffentlichen und privaten Bereich. Hier präsentiert sich die Kunst-, Literatur-, Theater- und Gesangsszene Avignons durch die verschiedensten Veranstaltungen, Ausstellungen und Auftritte. Nicht umsonst beeinflusste dieses Festival schon oft das kulturelle Leben in ganz Europa und nimmt hierbei insbesondere immer wieder großen Einfluss auf die Theater-Szene, die regelmäßig Inspiration an den innovativen Aufführungen findet.

Avignon ist als Zentrum der Kultur und der Politik damit zweifelsfrei einen Besuch wert und bietet als Ausflugsziel nicht nur durch seine bedeutende Vergangenheit Einiges zu entdecken.

Hinterlasse einen Kommentar