Der einzigartige Wert der provenzalischen Landschaft wurde schon früh erkannt und entsprechend gewissenhaft genutzt. Unter römischer Herrschaft blühte die Region regelrecht auf, florierte und gedieh zu einer der bedeutsamen Stückchen Erde im Imperium Romanum. Der Einfluss der Römer auf die Provence lässt sich so nicht nur in ihrem Namen, sondern vielmehr in den zahlreichen Überresten einstiger Beherrschung erkennen, die sich überall in der Umgebung im großen und kleinen Umfang entdecken lassen. Von großen Aquädukten wie dem Pont du Gard über zutage geförderten römischen Kolonien wie die Ruinen von Glanum bis hin zu antiken Amphitheatern, Triumphbögen, Atrien, aber auch Kleingegenständen wie gläsernen Vasen und Tontöpfe ist das römische Erbe heutzutage noch immer präsent und prägend für die Region.
Ansiedlung
Nachdem die Römer ihre Vormachtstellung in Italien gesichert hatten, breiteten sie sich weiter nach Mittel- und Westeuropa aus. Dabei gilt die Provence und hierbei insbesondere die Mittelmeerküste, sowie die Gebiete nahe Oberitalien verständlicherweise zu den ersten von den Römern eroberten Gebieten.
Über die vorrömischen Bewohner der Region ist jedoch nur wenig bekannt, doch liefern römische Zeugnisse erste schriftliche Anhaltspunkte und Beschreibungen jener Völker im Luberon. Vermutet wird eine vorrömische Mischbevölkerung aus Ligurern und Kelten, die entlang der Mittelmeerküste und in Oberitalien beheimatet waren. Die Ligurer wurden bereits seit etwa 700 v.Chr. von keltischen Stämmen an die Küste gedrängt und dominierten schließlich nur noch eine kleine Region in Oberitalien an der Grenze zum heutigen Frankreich. Für die gut ausgebildeten und hervorragend ausgestattet römischen Truppen war es jedoch nicht zwingend ein Leichtes die Macht über die letzten Ligurer zu erlangen, die erbitterten Widerstand leisteten und für einige Rückschläge der Römern verantwortlich waren. Schließlich erlangten die Römer trotz allem Widerstand und vereinzelten Erfolgen um 154 v.Chr. die Vormacht in Oberitalien und breiteten sich von nun an weiter nach Westen in die ersten Gebiete der heutigen Provence aus.
Unberührt blieb bei der ab etwa 125 v.Chr. beginnenden Eroberung der Mittelmeerküste und des Rhônetals hingegen die von den Griechen 600 v.Chr. gegründete Siedlung Massilia, dem heutigen Marseille, das schon früh eine bedeutende Rolle in der Region spielte. Wie die Römer hatten ebenso die Griechen mit durchaus schweren Konflikten mit den keltischen Stämmen zu kämpfen und stellte damit Langezeit einen starken griechischen Verbündeten Roms dar, die sich gegenseitig mit Truppen unterstützten. Die Griechen hatten in ihrer Zeit seit der Gründung Massilias außerdem einige weitere Handelsposten wie dem heutigen Nizza oder Korsika gegründet, die in der ersten römischen Besiedelung der Mittelmeerküste ebenfalls unberührt blieben.
Die Provence bzw. das heutige Südfrankreich ist dabei der erste Anhaltspunkt für die weite westeuropäische Ausbreitung der Römer. Die Region rund um den Luberon gehört damit zu einer der ersten von den Römern besiedelten Gegenden, dessen frührömischen Zeugnisse von den vorimperialen Strukturen der Römerzeit zeugen und somit einige Aufschlüsse über die Ausbreitung, die Strategie und den letztlichen Erfolg der Römer geben. Außerdem entstand hier eine entscheidende ökonomische Region, die im späteren großen römischen Imperium eine wesentliche Rolle spielen sollte.
Besondere Aufmerksamkeit gebührt der Region als Ausgangspunkt der blutigen Eroberungskriege Galliens unter dem berühmten Feldherren Gaius Iulius Caesar. In einer Reihe von Feldzügen eroberte er von hier aus 58 bis 51 v.Chr. ganz Gallien bis zum Rhein, wobei die noch nicht eroberten südfranzösischen Gebiete die ersten Opfer der brutalen Gewalt von Caesars Truppen waren. Spuren des berühmten Feldherrn und seinem besonderen Einfluss auf die Region zeigen sich noch heute an einigen Stellen.
Ausbreitung
Bereits vor Caesar wurde um 120 v.Chr. die erste römische Stadt auf gallischem (französischen) Boden gegründet: Colonia Aquae Sextiae Salluviorum. Um das heute als Aix-en-Provence bekannte Städtchen entwickelte sich die Provinz Gallia Narbonesis, auf deren vereinfachte Bezeichnung als Provinz die heutige Bezeichnung der Provence beruht. Von hier aus entstanden einige römische Kolonien im gesamten Gebiet der heutigen Provence, womit diese Region schon früh eine besonders enge Bindung zu Rom pflegte. Für die Eroberung Gesamtgalliens und den Erfolg Caesars spielt die Region damit eine ganz besondere Rolle. Bereits unter griechischer Herrschaft rund um Marseille, das 49 v.Chr. an die Hand Caesars fiel, war die Gegend von wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung durch ihre Lage am Mittelmeer nahe Italien. Für die Römer ergab sich jedoch ebenso weitere Vorteile. So garantierte ihre Vorherrschaft entlang der Mittelmeerküste ihnen den Zugang und die Kontrolle über die iberische Halbinsel, der rege Handel im Rhônetal stellte sich als besonders gewinnbringend heraus und in vorgallorömischer Zeit war Narbonesien ein willkommener Puffer zu den feindlichen gallischen Stämmen.
Im Zuge der Entfaltung der Provinz entstand die wichtige Via Domitia, die als erste Römerstraße in Gallien um 118 v.Chr. fertiggestellt wurde. Als Verbindung Italiens mit Spanien auf dem Landweg fiel der Handelsstraße eine besondere ökonomische und strategische Stellung zu, die im späteren Imperium Romanum Ausgangspunkt einiger weiterer entscheidender Verbindungen sein wird. Entlang des Tals der Durance und der Überquerung der Rhône folgt sie schließlich der Mittelmeerküste und reicht bis zu den Pyrenäen. Damit durchlief die Kopfsteinplaster-Straße auf ihrem ersten Stück von Italien aus genau die Region des Luberon und hatte hier einige wichtige Handelsstützpunkte. Entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entstanden hier schnell Kolonien, die als Handelsstätte alsbald florierten und der Region des Luberon einige Berühmtheit zuteilwerden ließen. Nennenswert sind hier Apta Julia, das heutige Apt, und Cabello, das heutige Cavaillon, die zu regelrechten Wirtschaftszentren wurden. Händler des gesamten Imperium Romanum bereisten auf ihrem Weg nach Rom oder nach Spanien die Via Domitia und hielten an den besagten Raststätten des Luberon. Durch den Erfolg der Handelsstätten florierte bald ebenso die Region zwischen Apt und Cavaillon und zahlreiche andere kleinere Dörfer wie Ménerbes, Gordes oder Oppède entstanden. Doch nicht nur als Raststätte waren die römischen Kolonien im Luberon bekannt, sie betrieben genauso Handel mit lokalen Produkten und regionalen Erzeugnissen und verbreiteten Olivenöl, Wein, Obst und Gemüse sowie Käse und Fleisch aus der Region des Luberon im gesamten römischen Imperium.
Erbe
Noch heute fährt man entlang der alten Via Diomitia, die inzwischen geteert und asphaltiert große Teile der A9 bildet. Ihre ehemalige florierende römische Handelsstädte wie Narbonne, Béziers, Montpellier, Arles und Nîmes erlangten ihre Größe unter römischen Herrschaft und sind nachwievor von großer Bedeutung in Frankreich. Ebenso die Kolonien in der Region des Luberon, allen voran Apt und Cavaillon, erblühten unter römischer Herrschaft und zeugen noch heute von dieser. Doch nicht nur die großen römischen Kolonien sind noch immer von Bedeutung, vielmehr hatte die entscheidende Stellung der Region im Römischen Reich auf die gesamte Umgebung einen wesentlichen Einfluss. Viele der heute pittoresken Dörfchen sind römischen Ursprungs, auch wenn sie oft erst nach römischer Herrschaft ihre Blütezeit erlebten.
Nicht verwunderlich sind daher die vielen archäologischen Funde überall in der Provence, die von ihren römischen Bewohnern zeugen. Insbesondere in Nîmes und Arles lassen sich beeindruckende Zeugnisse gallorömischer Kultur bestaunen, wo die Gladiatoren- und Tierkämpfe in den Amphitheatern inmitten der Städte noch immer zu spüren sind. Gleichwohl zieren Aquädukte wie der imposante Pont du Gard und die vielen Arcs de Triomphe die Landschaft und zählen damit heute zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten der Region. Doch neben den großen Ruinen und Ausgrabungsstätten wie Glanum bei Saint-Rémy-de-Provence, erinnern überall Fundstücke wie antike Wasserbäder in Aix-en-Provence oder kleinere römische Überbleibsel in Form von Vasen, Töpfen oder sonstigen antiken Gegenständen, die in der gesamten Region gefunden werden, an das bedeutende römische Erbe der Provence.