Weitläufige, endlose, violett erstrahlende Lavendelfelder – das ist das Bild der Provence. Viele kleine blühende Lavendelfelder zieren ab Mitte Juni die Straßen und Wege im Luberon, überall bezaubern die violetten Blüten, die bis in den August hinein bestaunt werden können. Doch die Provence ist für ihre riesigen Blütenmeere bekannt, die man auf den ersten Blick im Luberon nicht entdecken kann. Wo also lassen sich die berühmten Felder bewundern?
Anbau
In den Tälern wird nur ein kleiner Teil Lavendel angebaut und das auch vergleichsweise erst seit kurzer Zeit. Hier wird der sehr fruchtbare Boden prinzipiell für Obstplantagen, Weinfeldern oder Olivenhainen genutzt, denn der Lavendel ist eine recht anspruchslose Pflanze und gedeiht unter den einfachsten Bedingungen. Damit ist sie die ideale Pflanze, um die kargen Hochebenen zu nutzen, die sich zwischen dem Mont Ventoux und dem Luberon-Gebirge befinden. Und genau hier, in der sonst so unauffälligen und eintönigen Landschaft, erstrecken sich plötzlich unendlich weite violette Blütenmeere. Ganz unerwartet tauchen hier die charakteristischen Lavendelfelder der Provence auf, die ebenso die Hochprovence und die Hochebene von Valensole in ein tiefes Violettblau färben. Besonders bekannt und weitläufig sind das Plateau d´Albion und die Hochebenen rund um Sault.
Im Gegensatz zu den Tälern wird hier der sogenannte „echte Lavendel“ angebaut, der in 600 bis 1.500 Metern Höhe seine idealen Anbaubedingungen findet. Hieraus wird das edelste Lavendelöl gewonnen, sein Anbau ist jedoch weitaus weniger ertragreich als der des „Lavandin“, der in den Tälern des Luberon angebaut und auf den zahlreichen kleineren Feldern zu finden ist.
Die Lavendelzeit beginnt Mitte Juni in den Tälern rund um Apt und zieht sich bis Mitte August, wo die Felder um Apt bereits abgeerntet sind, die Ernte auf den endlosen Lavendelfeldern auf dem Plateau d´Albion jedoch noch aussteht. In voller Blüte bewundern kann man die riesigen Felder auf den Hochebnen dann, wenn in den Tälern bereits der Lavendel abgeerntet ist. Entdeckt man erstmal nur karge Felder in der Region des Luberon, so ist ein Ausflug in die Hochebenen besonders empfehlenswert, insbesondere, da es in höherer Lage durchaus bis zu fünf Grad kühler sein kann als im Tal, was im Hochsommer eine willkommene Abkühlung ist.
Route
Viele Wege führen hinauf in zu den lila Blütenmeeren. Vom Nationalparkgebiet des Luberon eignet sich besonders eine Autofahrt ab Apt nach Rustrel nach Saint-Christol und weiter nach Sault, um die riesigen Lavendelfelder bewundern zu können. An den Straßenrändern sind bereits in Apt kleinere Lavendelfelder zu bewundern, die, je höher man fährt, immer weitläufiger und üppiger werden.
In der Gegend rund um Rustrel eröffnet sich ein einzigartiges Farbschauspiel: violett-blauer Lavendel vor orange-roten Ockerfelsen. Da es nun ein Stückchen nach oben geht, ist die Ockerlandschaft in all seiner Pracht zu bestaunen, die durch den Farbkontrast zur Lavendelblüte nochmal hervorgehoben wird. Doch auch die hiesigen eher kleineren Lavendelfelder erstrahlen damit in all ihrer Schönheit.
Eine gut ausgebaute Straße führt weiter hinauf nach Saint-Christol bis zum Plateau d´Albion. Nach ein paar Höhenmetern beginnen die endlosen Blütenmeere in der sonst kargen Landschaft, werden immer größer und weiter und laden jedes Mal zu einem kleinen Stopp am Straßenrand ein. Auch zahlreiche kleinere Lavendelwanderungen oder -pfade bieten die Möglichkeit, kurz aus dem Auto auszusteigen und inmitten des Lavendels zu verweilen. Bis nach Sault fährt man durch ein Blütenmeer sondergleichen, das bei einem kleinen Stopp in dem pittoresken Dörfchen von seiner berühmten Terrasse aus überblickt werden können.
Ebenso beliebt ist eine Fahrradtour nach Sault und seine Umgebung. Der Anstieg auf die Hochebenen ist jedoch nicht zu unterschätzen, denn genauso pittoresk ist die Fahrt mit dem Auto nach Sault und eine anschließende kleine Fahrradtour von dort aus durch die umliegenden Lavendelfelder.
Für einen besonders intensiven Eindruck von der Bedeutung des Lavendels für die Region bieten einige Lavendelbauern außerdem geführte Touren durch ihre Lavendelfelder an. Einladend mit einem kleinen Empfang und Gespräch über die Lavendel-Tradition geht es manchmal sogar mit einer Kutsche und Hund durch die Lavendelfelder. Hier erfährt man alles über den Anbau über die Ernte bis hin zur Verarbeitung aus erster Hand und entdeckt den Lavendel in seiner ganzen Vielfalt. Von getrocknetem Lavendel über Lavendelöl und -seife bis hin zu Lavendelsirup und -keksen wird die besondere Pflanze weiterverarbeitet und ist deshalb für Bewohner der sonst ertragslosen Region der Hochebene wohl das kostbarste Gut. Nicht umsonst finden regelmäßige Erntedankfester zu Ehren des Lavendels in der Region statt.
Insbesondere, da der Lavendel damit der Lebensunterhalt vieler ist, ist ein respektvoller Umgang mit den Feldern selbstverständlich. Parkt man am Straßenrand, um ein paar Fotos von den Blüten zu machen so sollte man stets den Wunsch der Betriebe respektieren, die teils das Betreten ihrer Felder verbieten, und nur vorsichtig zwischen den einzelnen Lavendelreihen entlanggehen. Das Pflücken der duftenden Blüten ist ebenso nicht gerne gesehen, es sei denn, es ist ausdrücklich gestattet. Viele Betriebe bieten jedoch, wie bereits erwähnt, Führungen oder eigene kleine Shops auf ihren Geländen an, sodass hier der Lavendel erstanden und die Betriebe unterstützt werden können.