Aprikosen, Kirschen, Pfirsiche, Nektarinen, Melonen – auf den bunten Märkten im Luberon bekommt man im Sommer kaum genug von den vielen verschiedenen frischen Obstsorten, die von heimischen Bauern oft in größeren Mengen für vergleichsweise wenig Geld verkauft werden. Überall stehen zur Erntezeit bis zum Herbst am Straßenrand kleine Buden meist direkt neben Obstplantagen und landwirtschaftlichen Betrieben – „fruits et legumes – vente direct“. Aromatischer und geschmackvoller als direkt vom Feld isst man Früchte anderswo selten.
Obst- und Gemüseanbau
Im Luberon mangelt es eigentlich an nichts – hier findet man so ziemlich jedes gewünschte Gemüse oder Obst. Das mediterrane warme Klima und der mineralstoffreiche Kalkboden liefern nicht nur die idealen Bedingungen für den Lavendel- oder Weinanbau, sondern ebenso für den großzügigen Obst- und Gemüseanbau zahlreicher verschiedener Sorten. Lange Zeit galten viele der hier angebauten Früchte als ausgesprochene Kostbarkeit, die der Region durch ihre Exquisite am Hof und in Adelshäusern weltweit einen ganz besonderen Ruf brachten. Mit Beginn des Sommers setzt im Juni die Erntezeit vieler verschiedener Früchte ein, die bis in den Herbst frisch vom Feld erworben werden können. Schon im Mai beginnt die Fruchtsaison mit der Erdbeerernte, im Juni folgt erst die Kirsch- und dann die Aprikosen-, Pfirsich- und Nektarinenernte. Als letztes steht die Ernte der Äpfel und Birnen im Herbst an. An Gemüse wird man zu dieser Zeit frische Möhren, Zucchini, Aubergine, Tomaten, Gurken, Salate und vieles weitere finden – in der Vielfalt an Obst- und Gemüsesorten gibt es Einiges zu entdecken.
Doch schon vor der Ernte ereignet sich ein besonders Schauspiel im Luberon: die Blütezeit der Obstbäume lässt die vielen Felder in weiße oder rosafarbene Blütenmeere verwandeln. Wer im Frühling die Region bereist wird vor allem durch die Kirschblüte wie verzaubert sein. Doch auch die zarten Blüten der Aprikosen oder Apfelbäume verwandeln die Plantagen in wunderschöne Idylle. Der leichte Duft der Obstblüten und das Brummen der Bienen und Hummeln in den Blüten lässt die Blütezeit im Luberon zu einem herrlich-sinnlichen Naturschauspiel werden.
Die „Hauptstadt der Melonen“
Nicht ohne Grund wird Cavaillon als die Hauptstadt der Melonen bezeichnet und hier zu Ehren der „Cavaillon-Melone“ jährlich ein Fest veranstaltet. Weltweit ist die kleine Stadt für ihre süßen Charentais-Melonen bekannt, die ausschließlich hier in der Region des Vaucluse angebaut werden. Die zu den „Zuckermelonen“ gehörige Melone zeichnet sich durch ihr orangefarbenes Fruchtfleisch und ihre helle, glatte Schale mit dunkeln Streifen aus. Ihr sehr aromatischer und süßer Geschmack macht sie zu einer Delikatesse in der provenzalisch-mediterranen Sommerküche und ist, belegt mit hauchdünnen Scheiben Prosciutto, eine beliebte hiesige Vorspeise. Beginnend mit den warmen Monaten steht hier die Ernte der berühmten Frucht an, die bis in den Herbst auf den zahlreichen Märkten direkt von den Bauern im gesamten Vaucluse-Gebiet gekauft werden können.
Eingeführt hat die Spezialität der französische König Karl VIII. Ende des 15.Jahrhunderts, der die süße Cantaloup-Melone in den Gärten der Sommerresidenz des Papstes entdeckte und ihren Anbau auf den päpstlichen Feldern bei Cavaillon veranlasste, deren klimatische Bedingungen denen in Italien ähnelten. Seit Beginn des 19.Jahrhundert züchten die Melonen-Bauern in Cavaillon hier eine neue schneller reifende Sorte aus der Cantaloup-Melone, die mit ihrer glatten Schale, detaillierteren Struktur, etwas kleinerem Umfang und intensiveren Geruch Cavaillon zu internationalem Ruhm verhalf. Ein Fünftel der gesamten Anbaufläche um Cavaillon wurde bereits Ende des 19.Jahrhunderts für den Anbau der edlen Frucht gebraucht und ihren guten Ruf erreichte schnell Paris und andere europäische Städte. Lange Zeit galt die Melone als ausgesprochene edle und feine Delikatesse, die nur durch besonders intensive Pflege gedeihen kann und durch ihren feinen Geschmack die Gaumen der adeligen Welt verzauberte. Ein besonderer Liebhaber des fruchtigen Luxusgutes war Schriftsteller Alexandre Dumas, bekannt für Die drei Musketiere, der sich Gegenzug zu einer Spende seiner Werke zur Bereicherung der Bibliothek Cavaillons eine lebenslange Rente in Form von 12 Cavaillon-Melonen im Jahr sicherte.