Die Falaise de la Madeleine

Wie aus dem nichts erhebt sich hinter Lavendel- und Weinfeldern eine massive Felswand aus dem Boden. Fast surreal wirkt die Falaise de la Madeleine; wie ausgesetzt inmitten einer idyllischen Landschaft. Sie wacht über den kleinen Ort Lioux, der an ihrer Flanke, im Schutze ihres Felsens ruht. Unüberwindbar mag das Felsmassiv wirken, doch ergibt sich ein wunderbarer Wanderweg auf die Klippe hinauf mit einem spektakulären Rundumblick auf die Landschaft.

Die Klippe

Die Falaise de la Madeleine besteht aus Kalksteinfelsen und ist Zeugnis hoher tektonischer Aktivitäten der Region, die ebenso das Vaucluse und den Luberon hervorgebracht haben. Bei der Steilklippe handelt es sich um eine Verwerfung, die sich in ihrer Aktivitätszeit vor 40 bis 25 Millionen Jahren langsam aufgetürmt hat. Plattentektonische Kräfte, die das gesamte Massiv der Monts de Vaucluse beeinflussten, ließen das Gestein aufbrechen, wodurch es zu einer Aufschiebung des Kalkgesteins kam. Nichtdestotrotz wirkt sie inmitten der flachen idyllischen Landschaft ein wenig fehl am Platz und von den anderen Bergen des Vaucluse isoliert, doch genau diese Auffälligkeit macht die eindrucksvolle Verwerfung zu einem besonderen Ort der Region. Südlich begrenzt sie die Senke von Lioux, wo das mergelige, sandige Sediment über den Kalkplatten die idealen Anbaubedingungen für die regionale Landwirtschaft bieten und sich so die vielen Obstplantage, Weinstöcke und Lavendelfelder von der Klippe aus bestaunen lassen.

Die Wanderung

Der Anstieg beginnt an einer Parkmöglichkeit an einem kleinen Friedhof direkt neben Lioux. Wer will, kann die ersten paar Höhenmeter ebenfalls noch mit dem Auto zurücklegen und noch ein kleines Stückchen weiter nach oben fahren, doch sind hier die Parkmöglichkeiten eher begrenzt und die gesparten Höhenmeter auf dem Rückweg des Rundwegs zurückzulegen. Von dort aus beginnt der Weg auf die 80 Meter hohe Klippe, der zwischen Büschen auf Kalksteinen allmählich nach oben führt. Der Anstieg scheint von unten vielleicht schwer, doch ist der Weg leichter als gedacht und man schnell oben, wo ein atemberaubender Rundumblick alle Mühen belohnt. Das Auge entdeckt die vielen kleinen Dörfchen der Region, der Blick schweift Gordes, Murs, Joucas und vielleicht sogar Roussillion. Obstplantagen, Lavendel- und Weinfelder und Olivenhaine sind in einem Überblick zu genießen und der Luberon in seiner ganzen Länge zu bestaunen. Ist es besonders klar, so kann man sogar einen kleinen Blick auf den Mont Ventoux erhaschen – von hier oben bietet sich wirklich ein Panorama, das zum Erkunden der Region einlädt. Über den etwa 7 Kilometer langen Rücken der Klippe geht es über Kalkfelsen und zwischen kargen Bäumen bis zum Abstiegspunkt. Dieser ist wie bereits der Anstieg nicht all zu steil und gut machbar. Nach ein paar Metern Abstieg wird es wieder waldiger, der Weg wechselt in einen staubigen Pfad und plötzlich steht man zwischen Lavendelfeldern und einem kleinen Anwesen. Nun geht es auf den Rückweg am Hang der Klippe entlang Richtung Lioux. Im Sommer wandert man inmitten von blühenden Lavendelfeldern, im Herbst bietet sich ein Farbspiel der Weinfelder in Harmonie mit dem Kalkfelsen. Am Schluss steht das kleine Örtchen Lioux, das sich ganz seiner Beschützerin, der Falaise de la Madeleine, angepasst zu haben scheint. Kleine steinerne Häuschen zieren den Weg und bieten ein pittoreskes Bild vor der sich erhebenden Klippe. Das letzte Stück führt entlang der Straße wieder bis zum Friedhof, die jedoch nicht zu stark befahren ist.

Empfehlungen

Der Rundweg ergibt eine gut 13 Kilometer lange Wanderung, die trotz Anstieg und Abstieg gut zu meistern ist, insbesondere, da die Hauptstrecke über ebenes Terrain führt. Die spektakuläre Sicht entlohnt jegliche Mühen und auch der Rückweg inmitten der idyllischen Landschaft und ein kleiner Besuch in Lioux runden die Wanderung ab. Jedoch ist die direkte Sonneneinstrahlung auf dem Rücken der Klippe nicht zu unterschätzen, die zusätzlich durch die vom weißen Kalkstein reflektiere Sonne verstärkt wird. Im Sommer ist ein Schutz für Kopf und Augen daher auf jeden Fall ein Muss. Frischt der Mistral (Wind) ein wenig auf, so kann es auf der Klippe durchaus windig werden; windiger als eventuell von unten erwartet. Hier ist dementsprechend im Frühling oder Herbst Vorsicht geboten, wenn der Mistral besonders stark auftritt. Sucht man nach einer kleinen Erfrischung oder Stärkung auf dem Rückweg in Lioux, so muss hier gesagt werden, dass es sich um ein wirklich kleines Örtchen handelt, das außer einem kleinen Bistro keine boulangerie, epicerie oder andere Einkehrmöglichkeiten bietet. Lohnend ist daher eine kleine Pause mit selbstgemachter kleiner Stärkung auf der Klippe selbst, wo kleinere Bäume immer wieder einen guten Rastplatz bieten und die spektakuläre Sicht genossen werden kann.

Aussicht von der Steilklippe in Richtung Nord-Osten

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