Ménerbes

Auf einem vorgelagerten Bergrücken des Petit Luberon thronend, liegt Ménerbes, eines der berühmtesten pittoresken Dörfer des Luberon. Das als einer der „plus beaux villages de France“, den schönsten Dörfern Frankreichs, ausgezeichneten Örtchen gehört zu den Charakteristischsten der Region seitdem Peter Mayle in seinen Büchern über die Provence sein Leben in dem idyllischen Ort erzählte.

Geschichte

Ménerbes zeichnet sich durch eine geschichtsträchtige Vergangenheit aus.

Das Dorf wurde schon zu prähistorischen Zeiten besiedelt, was durch einige hier geborgenen archäologisch wertvolle Funde belegt ist.

In der Antike spielte der kleine Ort ebenfalls schon eine bedeutende Rolle und zeigt bis heute Erinnerungen an die Zeit der Römer im Luberon. Der Einfluss der römischen Herrschaft ist in seinem Namen zu sehen, der von „Minerva“, der römischen Gottheit des Handwerks, der Weisheit und der schönen Künste, abgeleitet sein soll. Zu dieser Zeit lag der Ort nicht weit von der Via Doimitia, der römischen Verbindungsstraße zwischen Italien und Spanien, zu dessen festen Standorten Apt gehörte. Der (heilige) Castor von Apt hatte außerdem großen Einfluss auf die Gemeinde und könnte das von ihm gegründete Kloster Manancha auf dem heutigen Gebiet von Ménerbes gebaut haben.

Im Mittelalter entstanden hier so Einiges, das noch heute das Ortsbild von Ménerbes prägt. So wurde die im 13. Jahrhundert zerstörte „Citadelle de Ménerbes“ im 16. und 19. Jahrhundert wieder aufgebaut und renoviert und thront heute wieder über dem verschlafenen Dörfchen. Auch die oben gelegene Kirche Saint-Luc ist Zeuge des Mittelalters und stammt aus dem 14.Jahrhundert. Zudem sind die damaligen mittelalterlichen Stadttore Notre-Dame und Saint-Saveur, die damals die Ortseingänge definierten, noch heute zu erkennen.

Berühmte Einwohner von Ménerbes

Der britische Autor Peter Mayle gehörte wohl der bekannteste Einwohner Ménerbes.

Der Brite zog bereits 1987 nach Ménerbes, renovierte ein altes Bauernhaus, ein „mas“, und schilderte sein Leben und Erlebnisse in der Umgebung in mehreren Büchern.

Mit seinen in den 90er Jahren erschienenen Werken „Mein Jahr in der Provence“ und „Toujour Provence“ erlangt Mayle zunächst in seinem Heimatland und später weltweiten Erfolg und bescherte der Region des Luberon so große Aufmerksamkeit. Er erschuf eine Idylle und Utopie, die für viele zum Traum von einem Zweitheim im Luberon wurde und hierhin strömten, um sich nach einem Zweitwohnsitz umzusehen. Von heute auf morgen drängten sich dutzende Touristen in den engen Gassen von Ménerbes, um das von Mayle beschriebene verträumte Örtchen und seine Region zu entdecken. Die durch Mayle ausgelöste Welle der Begeisterung für den Luberon traf auf geteiltes Echo in der Region. Zunächst waren viele Provenzalen ein wenig verwirrt über den Ansturm an Ausländern in ihren kleinen Dörfchen, denn die Werke Mayles wurden erst später auf Französisch übersetzt, doch inzwischen gehört der Tourismus in der Region des Luberon zu einer festen Haupteinnahmequelle. Leider beschrieb Mayle sein Haus und dessen Standort so genau, dass dieses zu einer Pilgerstädte für die von ihm angelockten Touristen wurde und sich Mayle 1997 nach Long Island in den USA zurückziehen musste. Doch seine geliebte Region ließ ihn nicht los und es zog ihn schon nach kurzer Zeit wieder zurück in den Luberon, wo er sich ein Häuschen in Lourmarin kaufte und dort bis zu seinem Lebensende ungestört lebte.

Mayle verbrachte hier viel Zeit mit seinem Fast-Nachbar, dem Filmregisseur Ridley Scott, der ebenfalls in der Nähe von Ménerbes ein Anwesen sein Eigen nennt und der auf der Verbindungsstraße von Oppède nach Ménerbes, ganz in der Nähe seiner Residenz, ein Weingut eröffnet hat. Inspiriert durch die Region und auf Grundlage der Bücher Mayles entstand hier auch der Film „Ein gutes Jahr“, der 2006 die Idylle der Region auf die Leinwand brachte. Die beiden Briten sollen sich hier unter der Sonne des Luberon sehr oft getroffen und durch ihre Nachbarschaft eine gute freundschaftliche Beziehung gepflegt haben.

Doch auch für Künstler/innen war bzw. ist das traumhafte Dorf und seiner Umgebung sehr faszinierend. So lebte und arbeitete die Fotografin und Geliebte Pablo Picasso Dora Maar hier lange Zeit bis zu ihrem Tod. Aber auch Nicolas de Staël und Joe Downing zählen zu den Künstlern, die sich vom Luberon angezogen und sich im Gebiet von Ménerbes eine zweite Residenz zugelegt haben.

Nach wie vor ist die Umgebung von Ménerbes bei vielen Künstlern, Musikern, Schriftstellern und Schauspielern beliebt, die sich oft im direkten Umfeld, außerhalb des Dorfes, niedergelassen haben.

Sehenswertes

Ménerbes zieren zahllose noch gut erhaltende und zum Teil renovierte Häuschen, die aus dem Mittelalter und der Renaissance stammen. Das verträumte Dorf hat Einiges dafür getan, um diese alten Bauwerke in Stand zu halten und so seine Auszeichnung zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs erhalten. Zu einem Highlight dieser mittelalterlichen Gebäude gehört die hoch gelegene Kirche Saint-Luc. Auf dem Weg nach oben bekommt man immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den Luberon uns seine Umgebung. Auf dem Kirchenplatz angekommen, bietet sich ein Rundumblick auf die Region und man kann den Blick entlang des Luberon und auf die Calavon Ebene schweifen lassen.

In der Saison, von April bis Oktober, findet auf dem Parkplatz am Eingang des Örtchens ein provenzalischer Markt statt, der lokale Spezialitäten und regionale Lebensmittel, sowie Kleidung, Textilien und allerlei Souvenirs anbietet. Bei einem kleinen Bummel durch das Dorf ist es sehr lohnend, zum Markttag am Donnerstag vorbeizuschauen und mit dem ein oder andrem Händler ins Gespräch zu kommen.

Ménerbes bietet außerdem die hervorragende Gelegenheit in eines der bezaubernden Cafés und Bistros einzukehren, die entweder mitten am Puls der Stadt liegen oder versteckt eine Terrasse mit Blick auf die Ebene des Calavon und entlang des Luberon. Diese verstecken sich oft in den kleinen Gässchen und erscheinen von außen erst sehr klein, doch führt bei vielen eine Terrasse nach draußen, dessen Aussicht atemberaubend ist. Sehr zu empfehlen ist hier das Café du Progrès, das auf dem Weg hoch zur Kirche ein wenig unscheinbar in der engen Gasse liegt und sich nicht nur durch ihre herrliche Terrasse mit weitläufigem Blick, sondern auch durch ihre großartige Küche auszeichnet. Auch die Epicerie im Ortsinneren bietet nicht nur so einige Leckereien zum Mitnehmen an, sondern auch eine kleine Terrasse, auf der man die selbstgemachten Delikatessen bei einem Glas Wein genießen kann. Wer das erste Mal in Ménerbes ist, dem fällt wahrscheinlich auf den ersten Blick das Bistro le 5 mit seiner riesigen Terrasse am Ortseingang auf, doch überzeugt dieses meist nur mit ihrer spektakulären Sicht, das Essen hingegen verliert durch ständig wechselnde Besitzer an Wert.

Ein Besuch des „Maison de la truffe et du vin“ und des Trüffelmarktes am letzten Sonntag im Jahr bietet die ausgezeichnete Gelegenheit, mehr über die „schwarzen Diamanten“ der Region zu lernen und sich von der langanhaltenden Tradition der Trüffelsuche in den Eichenwäldern des Luberon verzaubern zu lassen. Zudem erfährt man hier einiges Wissenswertes über eine weitere Spezialität des Luberon: den Wein. Auch das Korkenziehermuseum „Musée du tire-bouchon“ führt einen durch die Welt der Weine und seine Geschichte in Ménerbes und Umgebung.

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