Welche Jahreszeit eignet sich am besten für eine Reise in den Luberon? – Spoiler: Hier ist es immer schön. Doch unterscheiden sich die Jahreszeiten deutlich voneinander und lassen den Luberon in ganz verschiedenen Gesichtern über das Jahr hinweg erstrahlen. Jede Jahreszeit hebt die verschiedenen Facetten des Luberon hervor und verleiht diesem so jede für sich ein individuelles Charakteristikum.
Das Wetter in der Provence wird maßgeblich vom angrenzenden Mittelmeer geprägt. Die Lage der Region im Süden Frankreichs macht das Klima von April bis Ende September merklich wärmer und trockener als zum Beispiel in Deutschland.
Sonne
Das Licht im Luberon ist unvergleichlich. Es überzieht die Landschaft mit einem goldenen Schimmer, lässt die Natur nur so erstrahlen und hebt die Schönheit der Region deutlich hervor. Nicht ohne Grund fühlen sich viele Künstler von den Sonnenstrahlen und dem einzigartigen Licht angezogen, das sie versuchen in ihren Werken einzufangen. Das ist gar nicht so einfach, denn letztlich kann dieses atemberaubende Licht kaum in Worte gefasst oder auf Malereien oder Fotos wiedergegeben werden.
Es ist der Sonne zu verdanken, die die Landschaft mit ihren Strahlen und ihrem Licht verwöhnt. Unermüdlich scheint sie, taucht den Luberon in ein sensationelles Licht und schafft eine Plastizität sondergleichen. Die Provence ist mit durchschnittlich 2.7000 Sonnenstunden, verteilt auf 300 Sonnentage im Jahr gesegnet. Im Vergleich: in Deutschland sind es in sonnigen Regionen nur etwa 1.600 bis 2.000 Sonnenstunden pro Jahr. Ihre Kraft und Wärme werden dankend angenommen und machen die Region zu einem alljährlichen beliebten Reiseziel. Doch taucht bei all der sonnigen Genugtuung ebenso eine Schattenseite der vielen Sonne im Luberon auf. Bei den sehr hohen Temperaturen im Sommer von bis zu über 40°C ist selbst das Verweilen draußen nicht mehr so angenehm und für Flora und Fauna ebenso strapazierend. Zusätzlich erhöht sich durch die Wärme die Trockenheit in der Region, die zu einer erheblichen Waldbrandgefahr vor allem im Sommer führt.
Mistral
Ein bekanntes Windphänomen in der Provence ist der aus Nordwesten wehende Mistral. Hundert Tage im Jahr weht er, im Winter und Frühjahr am heftigsten, im Sommer dagegen kaum. Die Provenzalen nennen ihn ehrfurchtsvoll Mistrau – den Meister. Er kommt plötzlich und kann mitunter tagelang wehen, manchmal mit Böen in Orkanstärke. So haben sich Vegetation und Fauna an die kalten Winde angepasst, überall im Mistral-Gebiet sind sogenannte Windflüchter finden, Bäume, dessen Wuchsrichtung vom heftigen Wind geprägt sind und vor diesem zu flüchten scheinen. Doch auch die Provenzalen selbst wissen mit dem Windphänomen umzugehen. Nicht nur ist der Mistral aus den von den Provenzalen bekannten 32 verschiedenen Winden aus allen Himmelsrichtungen derjenige, der direkt aus Nordost weht, sondern ist sein Einfluss auch in der provenzalischen Architektur wiederzufinden. Betrachtet man Kirchen im provenzalischen Stil, so stellt man schnell fest, dass ihr Abschluss oft schmiedeeiserne Glockenkäfige bilden, die die Glockentürme vor den heftigen Böen schützen.
Der trockene, kalter und zumeist kräftige Fallwind vertreibt im unteren Rhônetal alle Wolken und Nebelfetzen. Gute Sicht, der charakteristische leuchtende blaue Himmel und ein beeindruckender Sternenhimmel sind Resultat der Böen. Gleichzeitig wird es kühler, bleibt tagelang wolkenlos und die Feuchtigkeit in der Luft und im Boden wird verweht. Das Entziehen der Feuchtigkeit aus dem eh schon trockenen Boden erhöht jedoch die Waldbrandgefahr in der Provence, mit der besonders im Sommer nicht zu spaßen ist. Zusätzlich richtet der Mistral dadurch Schäden an Obstplantagen, Olivenhainen oder Lavendelfeldern an, deren Gestalt nicht nur zerzaust wird, sondern deren Wurzeln das Wasser im sehr trockenen Boden fehlt. Für eine erfolgreiche Ernte muss hier regelmäßig nachgeholfen werden und zu heftige Winde können schnell zu einem Ernteausfall führen.
Der Mistral hat aber auch seine guten Seiten: Im Sommer bringt er willkommene Abkühlung. Das Licht und die beeindruckende Fernsicht begeistern Maler, Fotografen und Sterngucker.
Es gibt Herbstwochen, da erwarten die Winzer ihn sehnsüchtig angesichts einer nassen Weinlese. Wie ein mächtiger Föhn trocknet der Mistral dann Tau und Regentropfen, verhindert Fäulnis und pustet Schädlinge weg. So hat der Mistral schon manchen Weinjahrgang gerettet!
Jahreszeiten
Frühling
Bereits im April liegen die durchschnittlichen Tagestemperaturen in der Provence um die 20°C und die Zahl an Sonnenstunden bei 8 Stunden pro Tag. Bei diesen sehr angenehmen Temperaturen und kaum Niederschlag kann man zu dieser Jahreszeit die Provence ohne großen Touristen-Trubel genießen und wunderschöne Wanderungen unternehmen. Die Natur erwacht zum Leben und überall öffnen sich die Knospen und Obstplantagen verwandeln sich in ein reines Blütenmeer.
Sommer
Der Sommer in der Provence zeichnet sich durch ein sehr warmes, trockenes Klima bei Temperaturen von häufig Mitte 30°C aus. Der Himmel strahlt in tiefen Blautönen, die Lavendelfelder stehen in voller Blüte – jetzt erstrahlt der Luberon in seinem charakteristischen Bild. Ein leichter Windhauch weht durch die trockene Luft und macht die Sonne erträglich. Tiefdruckgebiete vom Atlantik werden durch die warme Luft ferngehalten, so kennt die Provence zwischen Mitte Juni und Mitte September kaum Regen. Die Kehrseite dieses beständig guten Wetters ist die hohe Waldbrandgefahr.
Herbst
Die heiße Saison ist vorbei und es wird ruhiger im Luberon. Die Sonne bleibt, der Mistral hingegen frischt auf und macht die Region zu einem Paradies für Wanderer. September und Anfang Oktober sind gegenüber dem November und Winter noch relativ regenarm und zählen wegen der nicht mehr so heißen Temperaturen zu den besten Reisezeiten. Der Herbst ist die wohl farbintensivste Zeit, der Luberon hüllt sich wie seine Umgebung in ein rot-braunes Kleid. Die Sonne strahlt goldfarben und beleuchtet die bunt gefärbte Pflanzenwelt bei angenehmen Temperaturen von oft noch über 25°C.
Winter
Der Spätherbst ab Mitte November ist neben dem Winter die Jahreszeit mit dem meisten Niederschlag und Wind. Insbesondere der kalte und trockene Mistral macht sich im Winter mit teils heftigen Böen aus dem Norden bemerkbar. Doch der Regen konzentriert sich häufig auf wenige, heftige Niederschläge mit bis zu 50 % der Jahresmenge an wenigen Tagen. So kommt es, dass der – absolut gesehen – regenreiche Spätherbst in der Provence alles andere als verregnet ist. Der Winter zeichnet sich damit durch vergleichsweise viele Sonnentage aus, auf die man in anderen Ländern und Regionen vergeblich wartet. Die Nächte können zwar durchaus kalt sein von Temperaturen von leicht unter Null, doch kommt die Sonne an den meisten Tagen heraus und vertreibt Tau und Nebelfetzen, wodurch es tagsüber selten unter 10°C, wenn nicht sogar um die 15°C warm wird. Den sonnenverwöhnten Provenzalen ist Ende Januar, Anfang Februar am unangenehmsten, denn das soll die sonnenärmste Zeit sein, hier jedoch die Sonne weit aus mehr scheint als zur selben Zeit in anderen Ländern.