Montpellier

 „La ville où le soleil ne se couche jamais“ – Die Stadt, in der die Sonne nie untergeht.

Die Küstenstadt am Mittelmeer im Département Herault der Region Occitanie macht seinem Spitznamen ganze Ehre, denn hier scheint eigentlich immer die Sonne des Mittelmeers. Darunter erstrahlt die Studentenstadt in seiner großen kulturellen Vielfalt und ist Paradebeispiel in einem toleranten Miteinander.

Nur etwa 2 Stunden vom Luberon entfernt befindet sich eine der größten Städte der südfranzösischen Mittelmeerküste. Besonders junge Leute aus aller Welt zieht es in eine der zahlreichen ausgezeichneten Hochschulen von Montpellier.

Bildung

Montpellier zählt zu einer der größten Studentenstädte Frankreichs. Dieser Status beruht auf dem vielfältigen Bildungsangebot der Stadt mit insgesamt drei Universitäten, vier Grandes écoles und zahlreichen weiteren Bildungseinrichtungen, deren exzellentes Ansehen auch über die Landesgrenzen hinweg bekannt ist. So ist es nicht verwunderlich, dass jeder vierte Bewohner der Stadt in einer der Hochschulen eingeschrieben ist.

Besonders stolz kann die Studentenstadt dabei auf ihre Medizinische Fakultät sein, die eine der ältesten der Welt ist. Medizinschulen, die bereits im 12.Jahrhundert entstanden, galten 1220 als Anreiz zur Gründung der medizinischen Schule von Montpellier, die 1289 durch Papst Nikolaus IV. den Status einer Universität verliehen bekam. Die Stadt wurde zu einem Zentrum der medizinischen Forschung und Ausbildung und erlangte damit schon sehr früh weltweit einen erstklassigen Ruf als Universitätsstadt. Schon damals war die Universität Vorbild eines toleranten Miteinanders verschiedener Kulturen. So war es revolutionär, dass hier, Ende des 13.Jahrhundert, Juden, Muslime und Christen unterschiedlicher Herkunft vereint durch die Forschung nebeneinander und miteinander lernten und arbeiteten. Montpellier war damit von einer Fortschrittlichkeit geprägt, die weltweit beispielslos war und wurde somit zur zweitwichtigsten Stadt im französischen Königreich des 14. Jahrhunderts.

Diese Tradition des friedlichen Miteinanders ist bis heute ausschlaggebend für die Universitäten und Hochschulen der Küstenstadt, wodurch sie Anziehpunkt für Studenten und Interessierte aus aller Welt ist. Hier trifft man Studenten der verschiedensten Kulturen und Länder und Montpellier bietet einen idealen Standort für zahlreiche Austauschprogramme aus aller Welt.

Sehenswertes

Neben einen kurzen Besuch der medizinischen Fakultät, dessen Räumlichkeiten dieselben sind wie vor mehr als 800 Jahren, ziert Montpellier von zahllosen anderen sehenswerten Orten, die alle nahe zueinander in der Altstadt liegen.

Ausgangspunkt und Puls des Lebens in Montpellier ist klar der „Place de la Comédie“, der den Übergang von altem Stadtviertel in die neueren Viertel der Stadt bildet. Zahlreiche Cafés und Bistros bieten an seinem Rand die Möglichkeit, das ständig lebendige Treiben der Stadt zu beobachten. An dem Platz, der liebevoll von den Einwohnern als „l´oeuf“ (Ei) bezeichnet wird, liegt die Oper, dessen Stufen an den Brunnen mit den drei Grazien mündet und die dem Platz seinen Namen als Platz des Theaters und des Schauspiels verleiht.

Geht man von hier aus stadtaufwärts, so gelangt man in das alte Stadtzentrum mit zahlreichen wunderschönen alten Gässchen mit gepflastertem Boden aus der Gründungszeit der Stadt. In dem Labyrinth aus Gassen finden sich unzählige kleine Geschäfte, in denen man den ein oder anderen Schatz entdecken kann. Das pittoreske Ambiente in den Gassen wird durch die ausgeprägte Street Art von unterschiedlichen Künstlern aus Montpellier verstärkt. Sieht man genau hin, entdeckt man kleine Mosaike oder Fahrräder in allen Formen und Farben an und in den Wänden der alten Gebäude. Kunst wird hier sehr viel Bedeutung zugesprochen, wodurch die vielzähligen kleinen und großen Kunstwerke an den Fassaden überall in der Stadt dankend angenommen und toleriert werden. Seine wichtige Rolle wird insbesondere in dem Kunstmuseum „Musée Fabré“ gleich neben dem „Place de la Comédie“ deutlich, dessen Ausstellungen von Werken aus unterschiedlichen Epochen internationalen Ruhm genießt.

Bewegt man sich ein wenig mehr in das Innere der alten Stadt, so erreicht man bald ihren höchsten Punkt. Die „Promenade de Peyrou“, die von über 20 m hohen Arkaden flankiert ist, bietet einen atemberaubenden Blick über das Aquädukt St-Clement aus dem 18.Jahrhundert, sowie die Stadt und seine Umgebung. Sie liegt direkt hinter dem „Arc de Triomphe“, der, wie die Statue in der Mitte von Peyrou, zu Ehren Ludwig XIV. erbaut wurde. Jeden Sonntag findet unter den hohen Arkaden von Peyrou ein Antiquitätenmarkt statt, auf dem ein kleiner Bummel durchaus lohnend ist, um die ein oder andere Kostbarkeit vergangener Zeiten zu finden.

Östlich von Peyrou liegt die grüne Oase der Stadt. Der „Jardin des plantes“ ist einer der ersten botanischen Gärten Frankreichs und beherbergt allerlei exotische Pflanzen, die nicht nur für die Öffentlichkeit zugänglich sind, sondern in erster Linie zu Forschungszwecken von der Universität genutzt wird. Entsprechend bildet der Garten den Beginn des Universitätsviertel. Nicht überraschend ist es deshalb, dass sich in Richtung Stadtzentrum von hier aus, nur eine Straßenüberquerung später die medizinische Fakultät befindet.

Gleich daneben befindet sich die Kathedrale Saint-Pierre, die auf einem Kloster des 14. Jahrhunderts beruht, das unter der Schirmherrschaft von Papst Urban V. erbaut wurde. Sie ist das Herzstück des alten Stadtkerns und ragt in ihrem gotischen Stil und zwei Türmen über das Stadtbild hinaus. Die Kathedrale ist dabei keineswegs die einzige kirchliche Einrichtung der Stadt. Westlich vom „Arc de Triomphe“ liegt die Kirche Saint-Anne und bildet einen eigenen kleinen geschützten Platz mit mehreren Cafés, in denen man ungestört einen Kaffee genießen kann. Auch die Kirche Saint-Roche gehört zu den zahlreichen religiösen Einrichtungen und trägt denselben Namen wie das Bahnhofviertel auf der anderen Seit der Stadt.

Das Viertel Saint-Roche gehört zum neuen, modernen Teil von Montpellier. Zentrum der südlich vom „Place de la Comédie“ gelegenen Stadtteile bildet das Viertel Antigone, das mit einer unvergleichlichen Architektur bis zum Fluss Lez reicht. Geht man durch das große Einkaufszentrum Polygone, so scheint es, als sei man von einer Welt in eine andre gelangt. Wo zuvor eindrucksvolle ältere Gebäude das Stadtbild geprägt haben, erheben sich nun ebenfalls eindrucksvolle und hohe Gebäude eines modernen Stils. Das von dem Architekten Ricardo Bofill Taller im klassizistischen Stil in den 1990er Jahren entworfene Viertel ist Inbegriff des modernen Lebens in Montpellier. Hier kann man nur staunen über diese unvergleichliche Architektur, die durch das Schlendern in der gradlinigen Promenade „Esplanade de l´Europe“ bestaunt werden kann, die vom Polygone bis zur Lez führt und von zahlreichen Bars, Bistros und Restaurants gesäumt ist.

Natürlich lohnt sich einen kleinen Ausflug an die weniger als 10km entfernte Mittelmeerküste vom Stadtzentrum aus. Hier kann man entweder das ausgezeichnete Straßenbahnnetz, die Tram, benutzen (Linie 3 in Richtung Lattes/Pérols bis zur Endstation) oder sich an einer zahlreichen Station des ebenfalls von der Stadt angebotenen „Vélomag“ ein Fahrrad ausleihen und entlang der Lez bis zum Meer fahren. Auf beiden Routen ist es nicht selten, dass man an den sogenannter Étangs von Lattes, der Küstengemeinde, vorbeikommt, in denen freilebende Flamingos verweilen.

Die etwa zweistündige Fahrt in die Küstenstadt ist alle Mühen wert, denn in der jungen Stadt lässt sich bei einem einzigen Besuch der Altstadt und des Stadtzentrums so vieles Unvergleichliches entdecken, wie es selten in einer Stadt möglich ist. Vom Luberon aus fährt man entweder in Richtung Avignon und dann über Orange in den Südwesten oder auf die A7 bei Cavaillion auf und begibt sich bei Salon de Provence in den Westen direkt nach Montpellier. Am besten parkt man im Parkhaus la Comédie unter dem „Place de la Comédie“, um direkt in das geschäftige Treiben der Stadt einzutauchen.

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