In einer leuchtenden rot-orangen Traumlandschaft einer anderen Welt führen die Wanderpfade des liebevoll als „Colorado provençal“ bezeichneten Ockergebiets von Rustrel durch eine unvergleichliches Farbspektakel.
So manchen erinnert diese Umgebung an den wilden Westen mit seiner endlosen Wüste und ähnlichen roten Felsformationen, die dem Gebiet seinen Spitznamen verleihen.
Umgeben von Felsformationen in allen Farben und Formen zieht der Ocker seine Wanderer in den Bann seiner leuchtenden Farben. Hier könnte hinter jedem der bizarren Ockerfelsen auf einmal ein Cowboy hervorkommen und man inmitten eines amerikanischen Western stehen, doch stellt man schnell fest, dass diese Umgebung auf ihre ganz eigene unvergleichliche Art und Weise überzeugt.
Ocker im Luberon
Ocker ist ein uraltes Pigment, das bereits seit Menschengedenken weltweit abgebaut und für zahllose Zwecke verwendet wird.
Der Ockerabbau hat in der Region des Luberon eine lange Tradition und gehört zu einem hiesigen unverzichtbaren Gut und einzigartigem Merkmal. Nicht zu Unrecht tragen die Ockerdörfchen hier die Auszeichnung der schönsten Dörfer Frankreichs. Zu dem wohl bekanntesten Dorf gehört dabei Roussillon, dessen leuchtenden Silhouette aus ockerfarbenen Häusern sich inmitten der grünen Eichen und Pinien auf einem Hügel im Herzen des Luberon erhebt. Die zwei Ockerpfäde des „Sentier des Ocres“ führen durch sein berühmtes Ockerabbaugebiet, das entsprechend gut besucht ist in der Hochsaison. Das etwa 10km entfernte Rustrel bezaubert jedoch ebenfalls mit seiner außergewöhnlichen Ockerlandschaft. Diese ist Drehort zahlreicher Filme und erinnert mit seiner imposanten Ockerdünen und Felsen in Rot- und Orangetönen an die amerikanische Westernkulisse.
Wandern im Colorado provençal
Wem der Ockerweg in Roussillon zu kurz oder zu überlaufen ist, der ist im Colorado Provençal bei Rustrel genau richtig!
An der D22 bei Rustrel in Richtung Simiane-la-Rotonde befindet sich ein ausgeschilderter gebührenpflichtiger Parkplatz, an dem man auch einkehren kann oder sich eine kleine Erfrischung genehmigen kann. Von hier aus startet man direkt in die leuchtende Welt des atemberaubenden Spektakels aus Rot-, Orange-, Gelb- und Brauntönen.
Das hiesige Ockergebiet wurde schon von den Römern genutzt, ist heutzutage jedoch im Gegensatz zu dem in Roussillion nicht mehr in Betrieb. Doch das macht den Colorado gleich viel spannender, denn hier kommen große und kleine Entdecker beim Erforschen der Überbleibsel der ehemaligen Abbauaktivitäten auf ihre Kosten. Man kann nicht nur die leuchtenden Ockerformationen in allen Formen und Farben aus nächster Nähe bestaunen, sondern taucht wirklich in die Ockerwelt und seine Geheimnisse ein, wenn man die ehemaligen, noch gut erhaltenden Pumpen, Leitungen oder Becken sieht, die damals zur Förderung des leuchtenden Gesteins benutzt wurden. Mitten in der unwirklichen Welt begibt man sich also noch auf eine unvergleichliche Zeitreise und ist fast mit dabei, wie die Arbeiter händisch die bunten Felsen bearbeiten und sie zu der traumhaften Landschaft von heute formen.
Auf alle Fälle sollte bei einem Besuch darauf geachtet werden, dass man keine weißen oder hellen Schuhe und Klamotten trägt, denn die Ockerpigmente lassen sich sehr schlecht wieder aus hellem Stoff entfernen und im ockernen Sand ist es nahezu unmöglich später keinen ockerfarbenen Film auf seinen Klamotten zu finden. Zwar ist sind die Wanderwege gut befestigt, doch sollte man auch ein Schuhwerk mit ausreichender griffiger Sohle beim Wandern mitbringen. Zudem führt der Weg teilweise durch bewaldete Strecke, doch trägt die ockerfarbene Sahara nicht umsonst diesen Namen, denn das weitläufige ehemalige Abbaugebiet steht unter praller Sonne. Deshalb lohnt sich eine Kopfbedeckung und das Eincremen und eine Sonnenbrille nicht vergessen, denn vom hellen Boden kann die Sonne gut und gerne mal reflektieren.
Es sind zwei Rundwanderwege ausgewiesen, von denen der längere (Circuit des Belvédères, orangene Markierung) etwa 4 km lang ist und in 2 Std. gut bewältigt werden kann. Der Kürzere „le circuit du Sahara“ bildet den charakteristischen Rundweg und ist mit seinen 2,1km in weniger als einer Stunde zu schaffen. Zwischendurch gibt es jedoch immer wieder Abkürzungsmöglichkeiten, wodurch sich für jeden Abenteurer die ideale Strecke finden lässt und das Gebiet auch sehr gut mit Kindern begangen werden kann.
Beim Parkplatz erhält man kostenlos eine Karte des Wandergebiets mit seinen Rundwegen. Da die Wegmarkierungen je nach gewählter Strecke nicht überall optimal sind, empfiehlt sich ggf. die Mitnahme eines GPS-fähigen Smartphones o.Ä. Ein Blick zuvor auf die Website kann beim Auswählen der geeigneten Strecke jedoch sehr hilfreich sein: www.coloradoprovencal.fr
