Gordes

Wie gemalt ruht die traumhafte Gemeinde von Gordes hoch oben auf einem Hügel der Monts de Vaucluse mit Blick auf die sanften Hügel des Luberon und wacht über die Ebene des Coulon. Sie ist der Inbegriff der pittoresken Dörfchen in der Region des Luberon. Als wohl bekanntestes provenzalisches Dorf neben Roussillon und Lacoste verzaubert mit seiner Idylle mehr als eine Millionen Touristen jährlich und ist in der Saison entsprechend gut besucht. Trotzdem lohnt sich ein Abstecher in den berühmten Ort, denn allein der Blick auf die bis zu 635m erhobene Altstadt belohnt alle Mühen. Denn nicht umsonst trägt dieses Postkartenmotiv die Auszeichnung als eines der schönsten Dörfer Frankreichs.

Geschichte

Die ideale Lage des hocherhobenen Ortes wurde bereits zu vorrömischen Zeiten erkannt. Auch die Römer ließen das zu der Zeit entstandene wehrhaftes Oppidum nicht unbeachtet.

Im Mittelalter wird hier zunächst die Benediktinerabtei Saint-Chaffret erbaut, ab dem 11. Jahrhundert thront jedoch die heute für ihre Silhouette so bekannte Burg auf dem Hügel. Herum der Festung entwickelt sich die Ortschaft, dessen Bewohnern in kriegerischen und unruhigen Zeiten des Mittelalters Schutz vor zahlreichen Angriffen in der Wehrburg suchten.

Gleich neben dem im 12.Jahrhundert gegründeten Abtei Notre-Dame de Sénanque, wurde Gordes 1544 als einer der ersten Dörfer Frankreichs protestantisch. Dies fiel nicht nur bei der Nachbarschaft in Sénanque auf großen Widerstand, sondern auch bei der französischen Krone. Zu Zeiten Ludwig XVIII. wurden deshalb die protestantische Bewegung wieder niedergeschlagen. Von hier an entwickelten sich insbesondere handwerkliche Tätigkeiten als Wirtschaftsquelle der Gemeinde und der Ort zählte im 18. seine größte Bevölkerung. Allerdings verlor das Dorf daraufhin durch Industrialisierung, Erdbeben und Kriege an seinem ursprünglichen Glanz.

Erst in den 1950er, nach einer langen Durstperiode, entdeckten eine Vielzahl von Künstlern die Schönheit des Dorfes neu und fanden in seiner Abgeschiedenheit, seinen Ruinen, dem Licht und der Landschaft im Herzen des Luberon eine neue Inspirationsquelle, wodurch das Dorf zur weltweiten Berühmtheit wurde.

Das traumhafte Schloss

Inmitten des Dorfes liegt das Château de Gordes, eine Burg mit bewegter Geschichte aus dem 11. Jahrhundert. Das mittelalterliche Schloss ist das Wahrzeichen der Gemeinde, ziert von der charakteristischen provenzalischen Bauweise und ist Zeuge der lebhaften Vergangenheit der Region. So diente dieses oft als Rückzugsort für die Bevölkerung der Region und gewährte ihnen Schutz in kriegerischen Zeiten. Deutlich sichtbar ist diese Funktion an den Mauern, Türmen und insbesondere den Wehrtürmer, die mit Schießschachten ausgestattet sind. Die Befestigung diente als einziges der zahllosen regionalen Schlösschen als „nobile castrum“ und wurde gegen die Angriffe mehrere kriegerischer Gruppen Mitte des 14.Jahrhunderts mit einem erhöhten Schlossturm ausgestattet, der auch während der Hugenottenkriege standhielt.

Im Gegensatz dazu zeigt das Schlösschen auch zahlreiche Elemente der Renaissance. Viele Türen, Treppen, Fenster und der große Saal der ersten Etage mit seinem traumhaften Kamin entstanden im Zuge der Schlosserneuerung zwischen 1525 und 1541 durch Bertrand Rambaud de Simiane, dessen mächtige Familie zu dieser Zeit den Großteil der Orte in der Umgebung beherrschte.

Diese Arbeiten erschufen den noch heute auffälligen Kontrast zwischen Nord- und Südfassade des Schlosses. Steht man vor der südlichen Fassade, so scheint ein elegantes Renaissanceschloss Gordes zu verzücken, doch geht man einmal um dieses herum, so steht man plötzlich vor einer Wehrburg. Beide Seiten zeigen auf ihre eigene Art und Weise die Geschichte des Schlosses und die von Gordes.

Das Schloss erlange durch den Künstler Victor Vasarely, der die Ruine in den 1970ern für sagenhaft einen Franken gekauft und dann aufwendig renoviert hat, zurück zu seiner Eleganz. Vasarely ließ dem Schloss eine künstlerische Bedeutung zu Teil werden und eröffnete selbst eine Ausstellung mit seinen Werken in den renovierten Räumlichkeiten.

Heutzutage ist das Museum Vasarely jedoch nicht mehr geöffnet und auch das darauffolgende Museum mit einer Ausstellung der belgischen Malers Pol Mara ist seit 2011 geschlossen, das Schloss dient jedoch nach wie vor der Kunst und es werden hier ständig wechselnde Kunstausstellungen organisiert.

Sehenswertes

Neben dem Schloss lassen sich in Gordes zahlreiche weitere Gebäude und Häuser finden, die aus den verschiedenen historischen Zeiten stammen. Auf den Spuren der Römer, in steilen gepflasterten Gässchen aus dem Mittelalter oder dem kleinen Platz mit dem Brunnen von 1342 – Gordes bietet die Möglichkeit einer Zeitreise. Zusätzlich beeindrucken die vielstöckigen Häuser an den Felswänden, die sich entlang der engen Gässchen in die Höhe strecken.

Die schlichte Kirche Saint-Firmin ist ebenfalls ein Besuch wert. Die eigentlich zu Beginn des 18.Jahrhunderts fertiggestellte Kirche integriert Elemente aus älteren Kirchen, auf dessen Fundament Saint-Firmin gebaut wurde. Ihre Grundmauern aus früheren Zeiten, sowie der Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert sind weiterhin erhalten und wurden mit den Kirchenmauern zusammengebracht. Gemeinsam wird so das unvergleichliche Bild der Kirche in den engen Gassen geschaffen.

Die kleinen engen Gässchen sind dabei nicht nur von Souvenirshops flankiert, sondern viel lohnender ist Entdecken der vielen Kunstgalerien, die sich überall verstecken. Die Künstler stellen hier ihre Kunst von Bildern über Schmuck bis hin zu Skulpturen aus und inspirieren seine Betrachter, Gordes und die Region durch einen anderen Blickwinkel zu betrachten. Nicht umsonst verweilten hier einige bekannte Maler wie Victor Vasarely, Marc Chagall, Jean Deyrolle, Pol Mara und André Lhote.

Natürlich bietet sich ein kleiner Abstecher zum typischen Postkartenmotiv der Provence an. Die Abbaye Notre-Dame de Sénanque liegt nur ein paar Kilometer in Richtung Venasque auf der D177 entfernt. Das Kloster inmitten der leuchtenden Lavendelfelder sollte bei einem Besuch von Gordes nicht versäumt werden.

Den Aussichtpunkt, von dem aus die meisten Bilder von der malerischen Silhouette des Ortes entstehen, erreicht man am besten von Coustellet über die D2 und dann auf die D15 in Richtung Gordes. Von hier aus bietet sich eine unbeschreibliche Panoramafahrt zum malerischen Örtchen.

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