Isle-sur-la-Sorgue

Im „Venedig der Provence“ ist das Rauschen der Sorgue überall zu hören, selbst in den kleinen gepflasterten Sträßchen inmitten von Bauwerken unterschiedlicher Epochen. Isle-sur-la-Sorgue ist ein kleines grünes Paradies, mit vielen Seitenarmen der Sorgue, in der sich noch die alten Schaufelräder als Zeugen der Vergangenheit drehen.

Zahlreiche Flussarme durchziehen das ehemalige Fischerdorf und prägen das Stadtbild – dazu die zahlreichen kleinen Brückchen mit ihren schmiedeeisernen Geländern über die rauschende Sorgue, die mit Blumen geschmückt sind. Seine romantische Idylle zieht zahlreiche Begeisterte für Kunst und Antiquitäten an, weshalb das kleine Venedig ein hervorragendes Ansehen bei Sammlern aus aller Welt trägt.

Isle-sur-la-Sorgue und das Wasser

Sein Name verdankt der Ort dem Fluss der Sorgue, die sich in vielzähligen Kanälen entlang der Sträßchen und Gässchen windet und so das Ortsbild prägt und schafft.

Isle-sur-la-Sorgue wurde auf einem ehemaligen Sumpfgebiet erbaut, das durch die heute noch zu sehenden Kanäle nach und nach trockengelegt und damit bewohnbar gemacht wurde. Dieser Prozess geht bis ins Mittelalter zurück, zu welcher Zeit das Dorf noch den Namen „Insula“ trug. Diese Bezeichnung ist noch heute im Namen wiederzufinden, denn wörtlich übersetzt heißt der Ort „Insel über der Sorgue“. Daraus wird deutlich, welchen Einfluss das Wasser auf die Städtchen hat, welches wie ein Inseldorf inmitten der Sorgue zu thronen vermag. Die zahlreichen Kanäle verschaffen dem verträumten Örtchen nicht nur seinen Titel als „Venise des Comtant“, dem Venedig der anliegenden Grafschaft, sondern trugen ebenso zum Schutz der Bewohner bei Angriffen in turbulenten Zeiten bei. Während der Religionskriege soll durch die Kanäle die umgebende Sumpflandschaft überflutet und so für die Kanonen außer Reichweite geschafft wurden sein. Doch auch später wird das Wasser zu einem unverzichtbaren, kostbaren Gut des Ortes.

Seit dem 12.Jahrhundert trieben die noch heute zu bestaunenden Wasserräder die Industrie des Dorfes an. Die Bewohner machten sich der Kraft des Wassers und seiner regulierenden Wirkung zu Nutze und betrieben damit Papier-, Öl- und Kornmühlen, später auch Spinnereien und Gerbereien. Angetrieben durch das Wasser der Sorgue erblüht das Handwerk und die Industrie des Ortes und machte es zum wohlhabenden Zentrum der Wollverarbeitung. Bei einem Spaziergang entlang der Ufer der zahllosen Kanäle erinnern die massiven hölzernen Wasserräder noch heute an die unentbehrliche Macht des Wassers, die die Bewohner bis heute mehr als zu schätzen wissen.

Kunst und Antiquitäten

Das Städtchen hat einen ausgezeichneten Ruf bei Kunst- und Antiquitäten-Liebhabern. Über 300 ständige Antiquitätenhändler und Trödelmärkte sind hier vertreten und machen die Stadt zu einem der bedeutendsten Plätze für Antiquitäten in Europa. In jedem der zahlreichen kleinen und großen verträumten Geschäfte begibt man sich auf eine Zeitreise in die unterschiedlichsten Ecken der Welt und ihre Geschichte und findet unzählige Zeugen der Vergangenheit, die mit ihrer eigenen Geschichte zum Träumen verleiten. Natürlich lässt sich die Zeitreise auch mit dem für den Ort so wichtigen Wasser verbinden, denn auf der „Ile aux brocantes“, der Antiquitäteninsel, schwebt man über dem Rauschen der Sorgue inmitten des grünen Paradises umgeben von Antiquitäten in allen Formen und Farben. Der älteste und größte Bereich für Antiquitäten aller Art bildet das „Village des Antiquaires“, das Dorf der Antiquitätenhändler, wo sich das Auge gar nicht sattsehen kann an den vielen Kostbarkeiten unterschiedlicher Materialien und Farben. Nicht umsonst zählt das „Venedig der Provence“ zum drittwichtigsten Ort der Welt für antiquierten Handel.

Jedoch hätte Isle-sur-la-Sorgue nicht seinen Ruf als elegantes Kunststädtchen, wenn man bei einem Bummel nur an den Läden mit Trödelware vorbeischlendern würde. Unter dem Rauschen des Flusses stößt man hier auch auf vielzählige Designerboutiquen, die die neuste Mode, sowie die modernsten Einrichtungsgenstände und zeitgenössische Kunst anbieten. Am malerischen Ufer der Sorgue lässt sich dementsprechend zwischen Alt und Neu so einige Inspiration sammeln!

Das Highlight für Antiquitäten-Liebhaber ist jede Woche Sonntag der Antikmarkt, der sich entlang der Sorgue im vorderen Teil der Stadt zieht. An diesem Tag öffnen alle Antiquitätengeschäfte von Isle-sur-la-Sorgue und zahlreiche Händler stellen ihre Schätze vergangener Zeit aus. Hier lohnt sich ein Besuch, um den einzigartigen Charakter der Stadt hautnahe mitzuerleben und in eine Kunstwelt sondergleichen einzusteigen. Neben den antiken Schätzen können hier ebenso moderne Kunst und Einrichtungsgegenstände bestaunt werden und vielleicht ein ganz besonders kleines Souvenir für das Eigenheim erstanden werden.

Dieser wöchentliche Antikmarkt ist zwar charakteristisch für Isle-sur-la-Sorgue, doch wäre der Ort nicht die Antiquitätenstadt mit weltweitem ruhmreichem Ansehen, wenn sie nicht noch eine Schippe drauflegen könnte. So findet jeden Frühling, meist in der Zeit um Pfingsten, ein unvergleichlicher Antiquitätenmarkt statt, auf dem Anbietern hinter ihren Ständen das gesamte Stadtbild prägen. Soweit das Auge reicht, flankieren zahllose bunte Kostbarkeiten in allen Formen und Farben die Straßenränder. An diesem Wochenende sind wirklich alle Geschäfte des Ortes geöffnet, sogar die, die sonst oft verborgen bleiben. Zusätzlich stellen hier Händler aus aller Welt ihre Raritäten aus und in vielen Boutiquen lassen sich jetzt Werke von unterschiedlichsten renommierten Künstlern begutachten. Für Kunstsammler und Begeisterte von überall ist dies die kulturelle Krönung des Antiquitätenhandels. Ilse-sur-la-Sorgue verwandelt sich in eine Kulturstadt sondergleichen und macht seinem Namen als Antiquitätenstadt alle Ehre.

Architektur

Isle-sur-la-Sorgue bietet nicht nur mit ihrem geblümten Ufern der vielzähligen kleine Kanäle der Sorgue und ihren unzähligen Antiquitätenläden eine romantische Idylle, sondern erhält durch seine vielen historischen Gebäude ebenfalls einen unvergleichlichen Scharm. Nicht nur die Schätze in den Antiquitätenläden oder die alten Schaufelräder sind Zeugen der Vergangenheit und der Geschichte des Ortes. Seinen Besuchern bietet sich allein durch einen Spaziergang durch die Gässchen eine Reise durch die Vergangenheit. Die Altstadt blickt auf eine lange bewegte Geschichte zurück und ziert so von Gebäuden aus unterschiedlichsten Epochen. Dicht an dicht nebeneinander sieht man das unvergleichliche Zusammenspiel aus gotischen Fassaden und solchen aus der Renaissance, die neben Bauten aus dem Mittelalter das Stadtbild von Isle-sur-la-Sorgue prägen.

Im Herzen der Altstadt bildet die Pfarrkirche „Notre-Dame-des-Agnes“ das wohl herausragendste Bauwerk vergangener Zeiten. Sie ist Paradebeispiel eines architektonischen Ensembles verschiedener Epochen. Insbesondere sein von Dekorationen nur so trotzendes Inneres ist Herzstück ihres atemberaubenden Erscheinens und klassifiziert sie deshalb seit 1911 zu einem „Monument historique“ der Stadt. Die im 13.Jahrhundert erbaute Stiftskirche trägt jedoch keine Elemente mehr aus seiner Gründerzeit in sich, so stammen ihre ältesten Teile aus dem 14.Jahrhundert, doch ihr Großteil ist Bild ihrer beinahe kompletten Rekonstruktion im 17. Jahrhundert. Diese Renovierung macht sie zur wichtigsten Zeugin des Barocks in Südfrankreich und zeigt künstlerische Bestandteile der Avignon-Schule auf. Damit ist sie zugleich eine der letzten gotischen Errungenschaften der Comtadine (der Dachboden), eine der wenigen lokalen Kompositionen im Renaissance-Stil (der Glockenturm) und mit seinem barocken Inneren und der barocken Westfassade das wohl beeindruckteste Barockbauwerk der Provence.

Isle-sur-la-Sorgue verzaubert seine Besucher durch seinen ganz eigenen Charme zwischen Alt und Neu, Antiquitäten und moderner Kunst und dem Rauschen der Sorgue inmitten beeindruckender Architektur verschiedener Epochen.

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