Wie und Wo Einkaufen?

Für die Franzosen ist das Essen und damit die Qualität ihrer Lebensmittel Nationalstolz. Gutes Essen wird hier ein ganz besonderer Wert zugemessen, doch wo bekommt man die frischesten, hochwertigsten und lokalsten Produkte, wenn man als Tourist im Luberon oder generell in Frankreich unterwegs ist? Die großen Supermärkte bieten zwar eine unvergleichlich große Auswahl an, die oft das Angebot und die Qualität in deutschen Supermärkten überschreitet, doch das Brot vom Bäcker des Dorfes oder die Aprikosen vom Bauern nebenan sind dann doch einladender und bieten ein Stückchen der Region für die Zunge.

Denn genauso wie hier das Essen zelebriert werden, lassen sich die Franzosen nicht in der Qualität ihrer Produkte lumpen und insbesondere in der Region des Luberon ist die Vielfalt an regionalen Lebensmitteln und Delikatessen unvergleichlich breitgefächert. Entsprechend gibt es hier ebenso viele verschiedene Lebensmittelläden, in denen man die unterschiedlichsten Köstlichkeiten kaufen kann und gleichzeitig in den Mittelpunkt des sozialen Lebens kommt.

Épicerie

Der Tante-Emma-Laden um die Ecke ist in Frankreich die Épicerie. Hier lässt sich genau das finden, was man mal eben im Supermarkt vergessen hat. Der kleine Gemischtwarenladen bietet alle möglichen Lebensmittel und Haushaltwaren an, die zum alltäglichen Leben notwendig sind. Zwar bietet sich hier keine so vielfältige Auswahl an verschiedenen Marken, doch ist die Épicerie unentbehrlich, vor allem auf dem Land, wo der nächste Supermarkt einige Kilometer entfernt ist. Da ist der kleine Laden um die Ecke oft die nähere und schnellere Lösung, wenn es nur um das Mehl für den Kuchen geht. Trotzdem kämpfen die Gemischtwarenläden überall in Frankreich ums Überleben, denn selbst auf dem Land ist oft der große Supermarkt nicht weit und das kleine Angebot der Épicerien kann einfach nicht mit der Riesenauswahl und den niedrigen Preisen der großen Supermärkte mithalten. Deshalb findet man insbesondere auf dem Land Kombinationen aus Épicerie und Café oder Boulangerie und Épicerie. Neben dem Angebot an alltäglichen Produkten wird so die Épicerie ein weiterer unverzichtbarer Teil in den Orten und hält sich so über Wasser. Teilweise rückt mit der Zeit die Épicerie in den Hintergrund und wird von dem anderen Geschäft überschattet. Oft findet man dementsprechend in einem vermeidlichen Bistro, Tabakläden oder dem Bäcker überraschend einen kleinen Bereich mit Lebensmitteln und Haushaltwaren aller Art. Nach wie vor spielen die Épicerien eine wichtige soziale Rolle und sind Ort der Begegnung und des Gesprächs. 

Fruits et Légumes

Manche Lebensmittelläden konzentrieren sich auf den Verkauf von frischem Obste und Gemüse. Dieses muss nicht zwingend aus der Region stammen, doch ist in der Regel dies der Ort, die frisch vom benachbarten Feld geerntetes Obst und Gemüse zu erstehen. Zwar bieten die großen Supermärkte ebenso lokale und regionale Produkte an, allerdings findet man in den kleinen „fruits et légumes“-Läden wirklich die Produkte vom Bauern nebenan. Neben den Märkten ist das die Möglichkeit mit den Erzeugern in direkten Kontakt zu kommen und die lokale Vielfalt an Obst und Gemüse kennenzulernen. Über die Region und Gewohnheiten erfährt man hier auf jeden Fall mehr als in den großen Supermärkten.

Charcuterie und Boucherie

Metzgerei und Fleischerei sind auch in Frankreich zwei unterschiedliche Geschäfte. Eher veraltet ist heutzutage der Begriff der „Boucherie“ im traditionellen Sinne, wo der Boucher, also der Metzger, selbst die Tiere geschlachtet und das rohe Fleisch zum Verkauf angeboten hat. Eine Charcuterie war zu dieser Zeit der Ort, um allerlei Wurstware und Fleisch, das für den direkten Verzehr präpariert war zu kaufen, die der Charcutier, der Fleischer, der selbst nicht geschlachtet hat, zubereitet hatte. Heute sind größtenteils nur noch Charcuterien in den Orten zu finden, wo Fleisch und verschiedene Wurstware verkauft werden, denn das Schlachten wird oft von den großen Schlachtereien übernommen. Allerdings ist es auf dem Land eine Kombination aus beiden Fleischanbietern nicht selten, wodurch man sicher sein kann, Lamm-, Rind-, oder Schweinefleisch von den umliegenden Weiden zu erhalten.

Fisch ersteht man übrigens am besten in einer Poissonnerie, in der ein guter Poissonier seine Fische kennt und für seine Frische und Qualität garantiert. Er nimmt die Fische aus, präpariert Muscheln und Krebse und zeigt die kulinarische Vielfalt des Meeres in seinem Laden oder auf dem Markt.

Fromagerie

Kein Fleisch, dafür aber allerlei Käse und Milchware stellt der Fromageur her. Käse ist ebenfalls ein stolzes Nationalgut und wird entsprechend hoch gehandelt, sodass nicht nur eine unvergleichliche Vielfalt geboten wird, sondern seine Qualität ebenso weltbekannt ist. So ist es nicht selten, Käsereien zu finden, die Kuhmilch-, Ziegen- und Schafskäse sowie sämtliche anderen Milchprodukte aus eigener Produktion und Spezialitäten aus dem ganzen Land anbieten. Sind reine Fromagerien als Geschäfte eher die Seltenheit, so findet man umso öfter auf den Märkten Stände mit der Aufschrift Fromagerie, wo man direkt mit dem Fromageur in Kontakt kommt und seine köstlichen Milchprodukte probieren kann.

Boulangerie

In jedem Dorf ist eine Boulangerie, die Bäckerei, unverzichtbar. Oft ist sie neben der „marie“, dem Rathaus, der Mittelpunkt des Ortes, denn ohne sein täglich Baguette ist für den Franzosen der Tag gelaufen. Entsprechend wichtig ist der Bäcker, der all die köstlichen Backwaren täglich frisch backt, für die Frankreich so berühmt ist: Baguette, Croissants, Pain au chocolat, Chausson aux pommes, … Doch finden sich hier natürlich ebenso Spezialitäten, die charakteristisch für die Region oder den Ort sind und diese oft repräsentieren. In Boulangerien im Luberon findet man so Delikatessen wie Fougasse, das provenzalische Brot, oder in der Weihnachtszeit das süße Olivenbrot.

Pâtisserie

Wer die süße Vielfalt Frankreichs kennenlernen möchte, der ist in dem zuckrigen Traum der französischen Konditoreien genau richtig. Das Land, in dem das Dessert erfunden wurden ist, hält zurecht große Stücke auf ihre Patissiers. Regelmäßig findet man Boulangerie und Pâtisserie vereint unter einem Dach wo sowohl Brot und Gebäck als auch die edlen Süßspeisen eines Patissiers angeboten sind. Allerdings heißt das nicht, dass Boulangerie und Pâtisserie dasselbe sind. Die Patissiers genießen eine lange und gründliche fachliche Ausbildung und dürfen damit nicht mit dem Gebäck des Bäckers zu verwechseln. Die Kunst, die kleinen Patisserien zu kreieren ist eine Wissenschaft für sich und nur dort, wo wirklich Pâtisserie angegeben ist, lassen sich petit Fours, macarons, éclaires und sonstige süße Träume aus Meisterhand finden.

Neben den aufgezählten Lebensmittelläden gibt es natürlich auch noch andere Geschäfte des französischen Alltags. Kleiner Tipp: Sucht man etwas bestimmtes, so ist es meist lohnend an das gesuchte französische Wort ein -erie anzuhängen, das verwandelt alles, was nicht niet- und nagelfest ist wie das -erei im Deutschen zu einem Geschäft.

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