Die Camargue

Das rurale Leben im geschützten Nationalpark könnte vielfältiger nicht sein: Freilebende, wilde Herden weißer Pferde und schwarzer Stiere auf dem Land, rosa leuchtende Flamingos in den Wasserbecken, weitläufige glitzernde Salzseen und überschwemmte Reisfelder – all das ist die Camargue.

Die Schwemmlandebene im Mündungsdelta der Rhône ist ein Paradies der Biodiversität und Sinnbild des natürlichen Lebens am Mittelmeer. Zwischen Languedoc und Provence bietet das ehemalige Sumpfgebiet eine Vielfalt an Flora und Fauna, die sonst selten aus direkter Nähe zu beobachten ist.

Von der Region des Luberon aus lohnt sich die Anfahrt über Arles auf einer schönen Panoramastraße, die sich nach Verlassen der Autobahn zwischen den Étangs der Landschaft vorbei an den freilebenden Herden und Vogelschwärmen führt.

Charakteristisches

Die Schwemmlandschaft war lange Zeit ein einsamer, ungenutzter Ort, den nur vereinzelte Hirten zum Weiden ihrer Schafe und Ziegen nutzen. Erst im 19.Jahrhundert wurde die ertragreiche agrarische Nutzung der Camargue erkannt und das Gebiet durch den das Graben von Kanälen entwässert. Die flachen, weiten Areale bieten einen sehr fruchtbaren Boden, der Grundlage für das hiesige Reichtum an Flora und Fauna ist.

Es begann das Anlegen von Salzseen, in denen das edle Meersalz des Mittelmeeres gewonnen wird. Die Salzgewinnung bildet eine lange lokale Tradition und geht auf eine über Jahrhunderte überlieferte Methode zurück. Ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem bringt das Meerwasser Anfang März in die Auffangbecken, in denen das Wasser unter der Sonne des Mittelmeers und dem stürmischen Mistral verdunstet und die glitzernden Juwelen der Camargue zurücklässt. Seine „Fleur de Sel“ ist besonders aromatisch, denn es trägt den Geschmack des Mittelmeeres, seiner Sonne und des Mistrals in sich. Die Salzseen stellen darüber hinaus das hervorragende Refugium für die große Artenvielfalt der Region dar.

Die sumpfige Umgebung bietet zudem die idealen Bedingungen zum Kultivieren des reichhaltigen Camargue-Reis. Nahezu 60 verschiedene Reissorten in allen Formen und Farben ergeben sich aus den weitläufigen Reisfeldern der Region. Unter dem Wasser der Rhône, mit dem die etwa 20.000 Hektar Reisfelder überschwemmt werden, und dem hervorragenden Klima des Mittelmeeres gedeiht hier weißer, brauner, schwarzer und rosafarbener Langkorn-, Mittelkorn-, Rundkorn-, Wild- und Klebereis. Gesegnet durch einen vollen Geschmack aufgrund seiner besonders reichhaltigen Nährstoffe birgt der Camargue-Reis die Natur der wilden Landschaft.

Der Naturpark ist ein Paradies für Vögelfreunde, denn hier lassen sich drei Viertel der in Frankreich vorkommenden Vogelarten finden. Die vierhundert Arten reiche Wasservogelwelt findet in den Étangs, den Wasserbecken der Region, ihren optimalen Lebensraum. Außergewöhnlich sind dabei wohl die rosa Flamingos, die in ihrem leuchtenden Gefieder inmitten des Wassers weilen, sich zu Schwärmen in die Luft erheben und dessen einziger Brutplatz Europas das Delta ist.

Entlang des Meeres auf weißen Pferden reiten – das ist das wohl charakteristische und traumhafteste Bild der Camargue. Die sumpfige, feuchte Umgebung macht die Perlen der Camargue zu kräftigen, widerstandsfähigen und genügsamen Pferden, die einzigartig in dieser Region sind. Erst zu ihrem zehnten Lebensjahr sind die Tiere vollkommen weiß, das Fell der Fohlen ist hingegen noch braun. Mit ihrem charakteristischen weißen Fell prägen sie das Gebiet wie keine andere Art und sind für die Bewohner der Camargue ein wahrlicher Schatz.

Neben den weißen Pferden prägen wilde Stierherden auf dem Weideland das Landschaftsbild. Die dunkelbraun bis schwarze Stiere werden ebenso wie die Pferde in der Camargue verehrt. Dabei handelt es sich bei den Pferden und Stieren zwar um freilebende Tiere, doch sind diese keineswegs wilder Natur und gehören alle zu ihren Besitzern, die die außergewöhnlichen Tiere seit langer Zeit züchten. Die Tiere spielen somit eine ausschlaggebende Rolle in der Tradition und Kultur der Bewohner der Camargue und sind oft Mittelpunkt kultureller Veranstaltungen. Beim „course camarguaise“, dem unblutigen Stierkampf, dreht sich alles um die Anmut und die Kraft der Stiere. Die Eleganz der Pferde lassen sich beim sogenannten „abrivado“ beobachten, einer Art Pferderennen der Region, bei dem die „Guardians“, die „Camargue-Cowboys“, ihre Reitkunst auf den weißen Pferden unter Beweis stellen müssen.  

Saintes-Maries-de-la-Mer

Endlose Sandstrände und Einsamkeit auf der einen – ein umtriebiges Fischerdorf mit (unblutigen) Stierkämpfen und sommerlichem Baderummel auf der anderen Seite. Die inoffizielle Hauptstadt der Camargue zeigt die Vielfalt der Region und zeugt dabei von ihrer eigenen bedeutsamen Geschichte.

Im Wallfahrtsort Saintes-Maries-de-la-Mer steht die bekannte Wehrkirche Notre-Dame-de-la-Mer, die von großer Bedeutung ist. Die hier 1448 entdeckten Reliquien der beiden Heiligen Maria Kleophae und Maria Salmone erzeugten den „Marienkult“ um den Ort, weshalb tausende von Gläubigen seither zu ihrem Fundort pilgerten und die dem Ort 1838 seinen Namen gaben. In der Krypta der Wehrkirche lassen sich jedoch die Reliquien einer anderen Heiligen finden, die ebenfalls hier gefunden wurden. Die schwarze Sara soll gemeinsam mit den Marien in die Camargue gekommen sein, weshalb Saintes-Maries-de-la-Mer Wallfahrtort der „Gitans“, den Sinti und Roma, ist. Zu Ehren ihrer Schutzpatronin werden hier jährlich am 24. und 25. Mai bunt gekleidete Statuen der Heiligen Sara und ihren Begleiterinnen in einer feierlichen Prozession zum Meer getragen und mit Meereswasser benetzt.

In den zahlreichen Strandrestaurants schmeckt man die kulinarische Vielfalt der Camargue: frisch gefangener Fisch und andere frische Meeresfrüchte oder Stiersteak und Stierwurst mariniert mit dem aromatischen Fleur de Sel aus den Salzbecken neben dem reichhaltigen Camargue-Reis. Die kulinarische Reichhaltigkeit verzaubert alle Geschmackssinne mit ihrer Natürlichkeit.

Von hier aus kann man richtig in die Schönheit der Camargue eintauchen. Bei einer Bootsfahrt durch die Étangs und Nebenarme der Rhône sieht man die Wasservogelwelt aus nächster Nähe. Ausritte auf den weißen Camargue-Pferden lassen einen die Anmut dieser Tiere spüren. Zudem gibt es zahllose Möglichkeiten zum Wandern oder Fahrradfahren inmitten der unvergleichlichen Natur.

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