Zwischen jungen Studentenleben und kulturellem Erbe zählt Aix-en-Provence für die Franzosen zu den Städten mit höchster Lebensqualität. Liebevoll nur kurz Aix genannt, lockt die Universitätsstadt gleichzeitig mit ihrem mediterranen Flair, barocken Pracht und modernen Trubel.
Ehemaliges Zentrum der Provence und noch immer Sitz des Erzbistums Aix ist die Stadt schon lange von großer Bedeutung im Süden Frankreichs. Doch nicht nur dadurch erlangte der Ort an Berühmtheit. Er ist Heimatstädte des französischen Künstlers Paul Cézanne, der hier das mediterrane Leben in seinen weltberühmten Werken einfing und diese in seinem kleinen Atelier am Rande der Stadt erschuf.
Die Stadt von Cézanne
Der hier geborene Paul Cézanne verband viel mit seiner Heimat und kehrte immer wieder nach Aix zurück, wo er neue Inspiration für seine Werke fand. Der Hausberg von Aix „Mont Saint-Victoire“ verewigte er in einer eigenen Kunstreihe, probierte sich in Farbe und Stil aus und ließ den Berg Mittelpunkt in etwa 30 seiner Gemälde werden. Allein daran lässt sich seine Verbundenheit zu seinem Heimatort und Umgebung erkennen, wodurch Aix aus einer künstlerischen Perspektive zeigt. Hier verfeinerte Cézanne seinen Stil, arbeitete zunehmend impressionistisch, erschuf seine bekannten Stillleben und wand sich schließlich der Aquarellmalerei zu. In all seinen künstlerischen Phasen kehrte er immer wieder zurück in seine Heimat, wo er Ruhe vor dem Pariser Künstlerleben genoss. Auf fünf verschiedenen Wegen kann man sich heute auf die Spuren von Cézanne vom Stadtzentrum aus begeben und seine gewählten Landschaftsmotive der Umgebung wie den Steinbruch von Bibémus oder die Ufer des Flusses Arc entdecken. Natürlich darf dabei nicht sein „Atelier des Lauves“ übergangen werden, dass nördlich vom Stadtzentrum 1901 Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens wurde und wo Cézanne seine letzten Lebenstage verbrachte. Das künstlerische Handeln und Schaffen Cézannes machte Aix Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Treffpunkt der Künstlerszene, in der Literaten, Maler und Regisseure Inspiration in dem lebendigen Trubel der Stadt und der Idylle seiner Umgebung fanden.
Zentrum und Hauptstadt
Aix wurde seit Beginn an eine zentrale Rolle zugemessen. So machten bereits der hier beheimatete keltisch-ligurischer Volksstamm der Salluvier ihr, in der Region des heutigen Aix errichtetes, Oppidum Entremont zu ihrer Hauptstadt, dessen Ruinen heute etwa 3km nördlich vom Stadtzentrum besichtig werden kann.
Nach der Eroberung der Provence durch die Römer, wurde auf dem Gebiet von Aix die erste römische Provinz im ehemaligen Gallien gegründet. Zwar war die Kolonie rund um Aix nicht Hauptstadt dieser Provinz, doch wurde die Kolonie Aquae Sextiae schnell für seine heilenden Thermalquellen als Kurort an der belebten Via Aurelia bekannt und wuchs rasch. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts wurde Aix Hauptstadt der Provence und die Grafen der Provence regierten von ihrem hiesigen anerkannten Kunst- und Literaturhof die Region. Seine Blütezeit erlebte das in den nächsten Jahrhunderten durch Plünderungen und die Pest gezeichnete Aix erst im 15. Jahrhundert, zu dessen Beginn die Stadt durch die Gründung der Universität Aix neben ihrem kulturellen Verständnis ihren Status als Bildungsstadt erlangte. Unter der Herrschaft des „guten König René“ im späten 15.Jahrhundert erblühte die Stadt zu einem bedeutenden Kultur- und Wirtschaftszentrum. Er führte die künstlerische Tradition des ehemaligen Hofes der Grafen der Provence weiter und ließ Aix durch allerlei kulturelle Veranstaltungen geradezu künstlerisch erstrahlen.
Nach der Übergabe der bis ins 15.Jahrhundert unabhängigen Grafschaft an die französische Krone blieb Aix Provinzhauptstadt. Damit verlor sie kaum an Einfluss in der Region und erlebte so im 17. und 18. Jahrhundert ein goldenes Zeitalter. Zu dieser Zeit entstanden die heute noch das Stadtbild prägenden barocken Prachtbauten und Allen wie der Cours Mirabeau, die Aix zum kulturellen Mittelpunkt des Adels mit vielen Festen und Feierlichkeiten machte.
Im 19. Jahrhundert sprach jedoch Marseille Aix den Status als regionales Zentrum ab und Aix verlor nicht nur an politischem Einfluss, sondern gerat zunehmend in Vergessenheit. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erwachte Aix nach und nach wieder zum Leben, wiederbelebte seinen Status als Universitätsstadt und versucht seither sein Ansehen als regionales Zentrum zurückzuerlangen.
Sehenswertes
Die Altstadt von Aix erstrahlt in geschichtsträchtig Bauten, die Zeuge unterschiedlicher Epochen mit ihrem vielfältigen kulturellen Leben sind. Der Stadtkern teilt sich in einen zuerst von den Römern erbauten und später im Mittelalter erweiterten Teil. Die barocke Pracht lässt sich jedoch ebenfalls schwierig übersehen, die Überbleibsel der rauschenden Feste und Veranstaltungen vor 200 Jahren ist. Zurückversetzt in das goldene Zeitalter von Aix schlendert man entlang hoher verzierter Fassaden, in denen sich heute moderne Boutiquen, Ateliers und Geschäfte aller Art befinden. Besonders imposant ist dabei natürlich die Prachtmeile „Cours Mirabeau“, die als Flanierboulevar im 17.Jahrhundert angelegt wurde und noch heute einige hochpreisige Boutiquen in den alten reichlich geschmückten Bauten beherbergt.
Nach wie vor Kultur- und Bildungsstadt strotzt Aix geradezu von Museen und Kultureinrichtugen mit ausgezeichnetem Ruf und vielfältigen Ausstellungen. Das wohl bekannteste ist das „Musée Granet“, das mit seiner archäologischen Sammlung mit Funden aus der Römerzeit und seiner Kunstsammlung mit Gemälden einiger berühmter Künstler wie Cézanne oder Rubens, zu den ältesten und reichsten französischen Museen gehört. Im kleinen „Musée du Vieil Aix“ taucht man in die Heimatgeschichte und Traditionen der Stadt und seiner Region ein. Immer Sommer bildet das „Festival d´Aix-en-Provence“ das kulturelle Highlight des Jahres, das zur Krönung im ehemaligen Erzbischofpalast abgehalten wird und als eines der größten Musikfestival Europas besonders klassische Musik und Opern eine besondere Bühne gibt.