« Non, je ne trouve pas la réponse, je donne ma langue au chat. »
Warte, Du willst diese Frage beantworten, indem Du Deine Zunge bzw. Sprache an die Katze weitergibst? Hier ist doch weit und breit keine Katze zu sehen und wenn schon, dann könnte sie Dir auch nicht weiterhelfen.
Na ja, vielleicht schon. Schließlich ist « Je donne ma langue au chat » eine von vielen französischen Redewendungen, die zunächst meist ein wenig verwirrend zu sein scheinen. Doch kennt man die ein oder anderen Ausdruck und baut diesen ab und zu in ein Gespräch ein, wertet das das eigene Französisch durchaus auf.
Hier ein paar meiner liebsten französischen Ausdrücke und Redewendungen, mit denen man sein französisch Gegenüber überraschen kann.
« Je donne ma langue au chat »
Du weißt nicht genau, was Du auf eine Frage antworten sollst oder dir fehlen ganz einfach die richtigen Worte? Kein Problem, gibt doch einfach Deine Stimme an die Katze, die weiß bestimmt eine Antwort auf das für dich unlösbar wirkende Rätsel.
Damals hieß es noch „jeter sa langue au chien“, also „wirf die Zunge zum Hund“. Wenn du keine Antwort auf eine Frage hast, so war deine Zunge überflüssig und nutzt nur noch als Fressen für die Hunde. Nach und nach wurde jedoch aus dem Hund die Katze. Im 19.Jahrhundert galt die Katze als Hüterin allerlei Geheimnisse und könnte so also vielleicht eine Antwort auf das Rätsel geben, das man selbst nicht zu beantworten weiß. Gibst du deine Zunge oder Sprache der Katze, so bedeutest du deinem Gegenüber, dass du aufgibst, eine Antwort auf die gestellte Frage zu suchen. Vielleicht hat die Katze ja wirklich eine passende Antwort parat, man weiß ja nie…
« Tomber dans les pommes »
In Deutschland kippt man aus den Latschen und in Frankreich fällt man in die Äpfel, wenn man ohnmächtig wird.
Das erste Mal wurde dieser Ausdruck 1889 verwendet, doch sein Ursprung ist umstritten. Eine Theorie besagt, dass diese Redewendung von „être dans les pommes cuites“, also sich in gekochten Äpfeln befinden, abgeleitet wurden ist, die dem Schriftsteller George Sand zugeschrieben wird, welcher diesen Ausdruck verwendete, um den Zustand starker Müdigkeit zu bezeichnen. Eine andere Theorie beschreibt den Brauch, schlecht angesehene Schauspieler/innen auf der Bühne mit gekochten Äpfeln abzuwerfen, wodurch Kochäpfeln ein Symbol von Schwäche wurden und somit auch Ausdruck von Ohnmächtigkeit. Schließlich gibt es noch eine weitere Theorie zum Entstehen dieser Redewendung. So könnte „pommes“ eine Umwandlung von „pâmes“ sein, was ebenfalls verwendet wird, um auszudrücken, dass man ohnmächtig wird. Wo auch immer dieser Ausdruck herkommt, erzählt dir jemand, dass er oder sie in Äpfel gefallen ist, so weiß du jetzt, dass es sich sehr wahrscheinlich nicht um ein Missgeschick auf einer Apfelplantage handelt. Wobei, vielleicht ist ja doch jemand in die Äpfel gefallen und dabei in Äpfel gefallen, man weiß ja nie.
« Une pendaison de crémaillère »
Dieser Ausdruck hat es ganz schön in sich, denn übersetzt heißt er „eine Erhängung der Zahnstange“. Doch eigentlich wird dieser Ausdruck dazu verwendet, um Freunde und Familie zu seiner Einweihungsfeier des neuen Eigenheims einzuladen.
Aber warum erhängt sich eine Zahnstange, wenn man doch eigentlich seinen Einzug feiert? Zurückzuführen ist diese Redewendung auf eine mittelalterliche Tradition. Damals war es üblich, alle, die an der Arbeit eines Hausbaus mitgewirkt haben, beim Einzug zum Essen einzuladen, um ihnen für ihre Hilfe zu danken. Im Mittelalter verwendete man zum Kochen eine Zahnstange, die es ermöglichte, einen Topf mehr oder weniger nahe über dem Feuer aufzuhängen. Diese Zahnstange wurde meist als letztes im Haus installiert und markierte so das Ende des Hausbaus und den Beginn des Dankesessen.
Heutzutage verwendet man zwar keine Zahnstange mehr zum Kochen, doch die Tradition, Freunde und Familie beim Einzug zum Essen einzuladen und ihnen so den Umzug zu feiern bleibt. Wirst du also auf eine „pendaison de crémaillère“ eingeladen, so vergiss nicht ein kleines Geschenk für das neue Eigenheim mitzubringen.
« Filer à l´anglaise »
Im Deutschen ist es nicht gerade die feine englische Art, sich auf französisch zu empfehlen.
Doch können sich auch die Franzosen auf die französische Art verabschieden? Das wäre ein wenig paradox, weshalb die Franzosen, wenn sich jemand davonstehlt, einen Engländer im Kopf haben, der sich still und heimlich davonschleicht.
Auch hier gibt es mehrere Theorien zur Herkunft dieser Redewendung und den Grund, weshalb sich Franzosen auf die englische Art empfehlen. Zum einen könnte es sich um eine Verzerrung des Wortes „anguille“ handeln, einem Aal, der nicht leicht zu fangen ist und deshalb in Verbindung mit dem Davonstehlen einer Person gebracht werden könnte. Andererseits könnte es sich auch um eine Ableitung des heutzutage eher nicht mehr gebrauchten Verbes „anglaiser“ handeln, dass damals als Synonym für stehlen stand. Analog dazu wird auch der Ausdruck „partir comme un voleur“, also „wie ein Dieb davonstehlen/weggehen“, für dieselbe Situation verwendet, wodurch diese Theorie durchaus plausibel erscheint. Allerddings könnte es auch sein, dass diese Redewendung Ausdruck der englisch-französischen Beziehung ist, die zur Zeit der erstmaligen Erscheinung der Redewendung in den 1890ern nicht gerade freundschaftlich war. Zudem empfehlen sich die Engländer, wie die Deutschen, auf die französische Art („to take the French leave“), wodurch der französische Ausdruck durchaus als eine Art Rache gegen die Engländer interpretiert werden könnte. Hier hätte es genauso gut die Deutschen treffen können…
Ähnliche Redewendungen wie im Deutschen
Das war eine kleine Auswahl an Redewendungen und Ausdrücken, die im Französischen gebraucht werden und ganz anderes zu sein scheinen als deutsche Redewendungen. Doch es gibt auch ein paar französische Ausdrücke, die denen im Deutschen ganz schön ähneln oder sogar identisch sind.
« Tomber sur quelqu´un »
Im Französischen fällst du, im Deutschen stolperst du, wenn du zufällig jemandem begegnest.
« Avoir un mot sur le bout de la langue »
So hat man im Französischen zum Beispiel ein Wort an der Spitze der Zunge, währenden im Deutschen man ein Wort auf den Lippen hat, kurz bevor es einem einfällt.
« Casser les oreilles »
Ist etwas sehr laut, so zerstört man sich leicht die Ohren. Auch in Frankreich werden die Ohren durch Lärm zerstört.
« Jurer sur la vie da sa mère »
Auch im Französischen schwört man oft auf das Leben der eigenen Mutter, um seinen Versprechen eine gewisse Tiefe und Glaubhaftigkeit zu erteilen.
« Raconter, faire, avoir une salade »
Wie im Deutschen kann man in Frankreich auch einen Salat haben oder machen, wenn mal etwas schiefläuft oder Salat erzählen, wenn man nicht wirklich etwas Gescheitetes sagt.
« Ne pas avoir un radis »
Hat man keine Radischen mehr, so hat man in Deutschland wie in Frankreich kein Geld mehr.
Wenn du das nächste Mal also ein wenig dein Französisch aufpolieren möchtest, kannst du jetzt mit der ein oder anderen Redewendung glänzen und so den ein oder anderen Franzosen oder Französin aus den Socken zu hauen.