Cassis

Wie wäre es mit einem Ausflug an die Côte?

Zwischen steilen Klippen aus rotem und weißen Kalkgestein, umgeben von steilen Weinterrassen und den Buchten der wunderschönen Calanques liegt das ehemalige Fischerdorf Cassis am türkisfarbenen Meer. „Wer Paris gesehen hat, aber nicht Cassis, hat nichts gesehen.“ – mit diesen Worten des provenzalischen Literaturnobelpreisträgers Frédéric Mistral lässt sich das unvergleichliche Ambiente Cassis auf den Punkt bringen.

Ein malerisches Hafenstädtchen mit engen Gassen, alten Stadtbezirken und viel Kultur bezauberte schon so manche Berühmtheit wie die Schriftstellerin Virginia Woolf.

Den Blick über den idyllischen Hafen scheifend, ein Glas des hier angebaute und gekelterte Weißweins genießend und den frisch gefangenen Fisch in einem der vielen Strandcafés und Restaurant auf der Zunge zergehen lassen – das erinnert schon fast an St.Tropez der 60er Jahre mit einem kleinen Cassis-Touch.

Sehenswertes

Das mittelalterliche Schloss „Chateau de Cassis“ wacht auf einer Klippe hoch oben über das ehemalige Fischerdörfchen. Es ist das wohl ursprünglichste Zeugnis von Cassis und spiegelte immer die jeweilige Entwicklung des Ortes und seiner Geschichte wider. Seine Ursprünge gehen dabei wahrscheinlich schon zu der ersten Besiedlung Cassis zurück, zur Römerzeit, wo hier ein Wachturm der antiken Stadt „Carsicis Portus“ errichtet wurde, der schon damals seine schützende Hand über den Bewohnern hielt. In den darauffolgenden Jahrhunderten folgten das Anbauen erster Festungsmauern, doch seinen ersten Glanz als Schloss von Cassis erlangte es mit der Besetzung des Orts durch die mächtige provenzalische Familie Baux im Jahre 1223, die auf den Ruinen ihre Residenz erbauten. Das entstandene Schloss wird nun Mittelpunkt des Lebens in Cassis und bietet seinen Bewohnern iSchutz bei Angriffen und Übergriffen in den turbulenten Zeiten der nächsten Jahrhunderte. Erst Ende des 16.jahrhunderts trauen sich die Bewohner langsam wieder aus der schützenden Höhe in das Hafendorf zurück. Im 18. und 19. Jahrhundert ist die Zukunft des Schlosses ungewiss, so wird es sogar Anfang des 19.Jahrhundert größtenteils zerstört wird und ist dem Verfall geweiht. Es wird verkauft, wechselt mehrmals den Besitzer und ist heute nach wie vor in privater Hand. Der heutige Privatbesitzer renovierte die heruntergekommenen Räumlichkeiten und verlieh durch eine sechsjährige aufwendige Restauration dem Schloss wieder seinen ursprünglichen Glanz. Allerdings entstand daraus nun ein luxuriöses Gästehaus, das für die Öffentlichkeit nicht zu besichtigen ist. Das Schloss kann deshalb heute nur von außen bestaunen, prägt jedoch nach wie vor durch seine erhobene Präsenz das Ortsbild und ist allgegenwärtig.

Ebenfalls prägend, jedoch für jeden auch von innen zu bestaunen ist die 1875 eingeweihte Kirche Saint-Michel, die die dritte errichtete Kirche in Cassis ist. Ihr dreischiffiger Prunkbau im neu-romanischen Stil ist Ausdruck der Region, denn seine Erbauer bedienten sich an den Kalksteinen aus den Steinbrüchen der Umgebung. Sie gehört neben dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Rathaus oder dem „Maison de l´Europe“ mit klassizistischer Fassade zu den historischen Monumenten des Ortes und zeigt seine Geschichte und Tradition.

Natürlich ist ein kleiner Bummel entlang der Strandpromenade Voraussetzung zum Akklimatisieren in Cassis. Man kann bis zum Leuchtturm von Cassis spazieren und dabei den Blick über das blau schimmernde Meer schweifen lassen. Die zahlreichen Strandbistros und Restaurants bieten die ideale Gelegenheit, in Cassis anzukommen und bei frisch gefangen Fisch oder anderen Meeresspezialitäten der Region und einem Glas des lokalen Weins das Treiben im Hafen der Stadt zu beobachten.

Dabei lässt man sich von dem unvergleichlichen Ambiente des Hafendörfchens verzaubern, dessen Charme nicht umsonst Inspirationsquelle zahlloser Künstler war und ist. Man erhascht eine Vorstellung vom „kleinen Paradies“ der Schriftstellerin Virginia Woolf, die sich in diesen Ort verliebte und wie einige Jahrzehnte zuvor ihr provenzalische Kollege Frédéric Mistral unter der Sonne und des Meeresrauschens Inspiration für ihre Werke fand. Doch nicht nur bei Literaten war und ist Cassis Inspirationsquelle. Vielzählige andere Künstler zog das ehemalige Fischerdorf mit seinem wunderbaren Licht in ihren Bann und diente ihnen als Schauplatz für ihre Malereien. Sein romantisches Bild und seine idyllische Landschaft verführten dabei auch viele Regisseure und Drehbuchautoren und wurde so Kulisse vieler Filme, die nicht nur nationale Klassiker wurden, sondern auch internationalen Ruhm erlangten und es damit auf die Leinwand unzähliger Länder schaffte.

Route des Crêtes

Wer sich Cassis von Osten über die Höhenpanoramastraße „Route des Crêtes“ nähert, die den Ort mit La Ciotat verbindet, den erwartet bei der Anfahrt eine spektakuläre Aussicht: Entlang der Klippen eröffnen sich atemberaubende Ausblicke auf das 350 Meter unter der Straße liegende Meer und Cassis. Die rund 15km lange Panormastraße führt entlang der von Cassis gut sichtbaren rötlich über dem Meer thronenden „Cap Canaille“, der höchsten Klippe Frankreich. Kein Wunder also, dass sich von hier aus einem atemberaubenden Blick auf den Golf von Cassis, die Calanques und sogar bis nach Marseille bietet. Während der Fahrt ergeben sich zahlreiche Haltemöglichkeiten an gut ausgebauten Parkplätzen, wo einen die berauschende Aussicht verzaubert.

Es ist jedoch ratsam, sich vorab über die Öffnung der Straße (D141) zu erkunden, die bei schlechtem Wetter wie zum Beispiel Wind aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Informationen über die aktuelle Öffnung findet man auf: https://www.ot-cassis.com/autocars/info-trafic-groupes.html oder https://fr-fr.facebook.com/ReserveCommunaleSecuriteCivileDeCassis/

Die Calanques

Besucht man Cassis, so muss man auch die Calanques besichtigen. Direkt westlich von Cassis befindet sich der spektakuläre Nationalpark mit seinen unvergleichlichen Kalksteinklippen, die die vielen kleinen natürlichen Buchten bilden. Mit ihrem weißgrauen Gestein lassen sie das türkisfarbene klare Wasser nur so erstrahlen und betonen sein Schimmern in allen möglichen Farben. Die „Pierre de Cassis“ sind zudem Grundlage vieler großer Mittelmeerhäfen, die durch das edele Gestein eine unvergleichliche Eleganz erlangten. Die Calanques sind jedoch nicht nur aufgrund ihres Kalksteins so bekannt. Geheime Unterwasserquellen bilden ein ausgedehntes Netz unterhalb des Meeresspiegels, wodurch die Calanques im Grunde vielzählige Auffangbecken sind, in denen sich Süßwasser sammelt.

Wanderer, Badegäste und Segler kommen hier wahrlich auf ihre Kosten, denn die kleinen Fjorde ziehen sich von Marseille über Cassis bis hin nach La Ciotat und bieten zahlreiche Möglichkeiten zum Erkunden der vielen kleine Buchten an. Auf den zahllosen ausgeschilderte Wegen entlang des türkisfarbenen Wassers in den Kalksteinfelsen finden sich Kletterrouten, Wanderpfade oder Mountainbike-Trails. Das Meer hält unzählige Gelegenheiten nicht nur zum Baden und Tauchen, sondern auch für andere Wassersportarten wie Stand-Up-Paddeling oder Kajakfahren und ist ebenso bei Seglern und Fischern sehr beliebt.

Von Cassis aus kann man aus der Altstadt durch den Ort gehen und gelangt relativ schnell zu den Buchten, es befindet sich jedoch auch ein Parkplatzt gleich zu Beginn des Nationalparks.

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